Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht in höheren Jahrgangsstufen und für Unterrichtseinheiten zu Religionskritik, Atheismus, Gottesvorstellungen, Menschenbildern und zur Frage nach dem Verhältnis von Glaube und Vernunft. Vor dem Ansehen sollte der Begriff Projektion geklärt werden. Die Lernenden können zunächst Beispiele dafür sammeln, dass Menschen eigene Wünsche, Ängste oder Erwartungen auf andere Personen und auf ihre Umwelt übertragen. Anschließend formulieren sie erste Vermutungen zur Leitfrage „Ist Gott eine Projektion des Menschen?“ Diese Vermutungen sollten sichtbar festgehalten und nach der Arbeit mit dem Video erneut überprüft werden.
Während des Ansehens empfiehlt sich eine Unterteilung in drei inhaltliche Abschnitte. Der erste Abschnitt stellt Feuerbach und seine Grundfrage vor. Der zweite Abschnitt erklärt den Projektionsvorwurf sowie das Ziel seiner Religionskritik. Der dritte Abschnitt enthält eine Würdigung und mehrere Einwände aus christlicher Perspektive. Die Lernenden können zu jedem Abschnitt zentrale Aussagen notieren. Eine Tabelle mit den Kategorien Menschenbild, Gottesbild, Ursache der Religion, Folgen der Religion und Ziel der Religionskritik hilft dabei, Feuerbachs Gedankengang zu strukturieren. Bei Lerngruppen mit wenig philosophischer Erfahrung sollte die Lehrkraft Begriffe wie Endlichkeit, Unvollkommenheit, Entfremdung, Anthropologie und Projektion anhand konkreter Beispiele erläutern. Sprachlich anspruchsvolle Aussagen können als kurze Textkarten bereitgestellt und gemeinsam in eigene Worte übertragen werden.
Methodisch bietet sich die Erstellung einer Argumentationskette an. Ausgangspunkt ist die Erfahrung menschlicher Begrenztheit. Darauf folgen Wünsche nach Vollkommenheit, die Vorstellung eines vollkommenen Gottes, die Übertragung menschlicher Ideale auf Gott, die Entfremdung des Menschen von sich selbst und schließlich Feuerbachs Forderung nach einer Hinwendung zum Menschen. Die Lernenden können diese Schritte ordnen, erläutern und auf ihre innere Schlüssigkeit prüfen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Darstellung von Feuerbachs Position und ihrer Bewertung. Das Video vertritt im letzten Teil deutlich eine christliche Perspektive. Diese Perspektive sollte im Unterricht offengelegt und durch weitere philosophische sowie theologische Stimmen ergänzt werden. Die Lernenden sollen erkennen, welche Aussagen Feuerbach selbst zugeschrieben werden und an welchen Stellen der Sprecher des Videos argumentiert.
Für eine vertiefende Auseinandersetzung kann die Umkehrung des biblischen Schöpfungsgedankens untersucht werden. Der Aussage „Gott schuf den Menschen zu seinem Bild“ wird Feuerbachs Gedanke „Der Mensch schuf Gott zu seinem Bild“ gegenübergestellt. Die Lernenden erläutern beide Aussagen, vergleichen ihre Voraussetzungen und prüfen, ob sie sich gegenseitig ausschließen. Ergänzend kann das biblische Bilderverbot behandelt werden. Dadurch wird deutlich, dass auch die Bibel vor der Gefahr warnt, Gott auf menschliche Vorstellungen und Interessen zu reduzieren. Zugleich sollte herausgearbeitet werden, dass das Bilderverbot nicht mit Feuerbachs grundsätzlicher Ablehnung des Gottesglaubens gleichgesetzt werden kann.
Für eine Diskussion kann die Lerngruppe in zwei Positionen aufgeteilt werden. Eine Gruppe rekonstruiert Feuerbachs Argumentation möglichst überzeugend. Die andere Gruppe prüft die im Video genannten Einwände. Danach wechseln die Lernenden die Perspektive. Dieser Wechsel verhindert, dass lediglich bereits vorhandene religiöse oder nicht religiöse Überzeugungen bestätigt werden. Als Sicherung können die Lernenden ein begründetes Urteil verfassen. Dabei sollten sie zwischen der psychologischen Entstehung einer Gottesvorstellung und der Frage nach der tatsächlichen Existenz Gottes unterscheiden. Aus der Erklärung, wie eine Vorstellung entstehen kann, folgt noch keine abschließende Aussage darüber, ob ihr Gegenstand existiert.
Mögliche Fragestellungen zum Video können gemeinsam oder in Gruppen bearbeitet werden. Die Frage „Was versteht Feuerbach unter Projektion?“ lässt sich so beantworten: Projektion bedeutet bei Feuerbach, dass der Mensch eigene Wünsche, Ideale und Sehnsüchte auf ein göttliches Wesen überträgt und diese anschließend als Eigenschaften Gottes verehrt. Auf die Frage „Warum entwickelt der Mensch nach Feuerbach eine Vorstellung von Gott?“ lautet die Antwort: Der Mensch erlebt Leid, Krankheit, Abhängigkeit, Fehlerhaftigkeit und Tod. Weil er diesen Begrenzungen entkommen möchte, stellt er sich ein vollkommenes, ewiges und allmächtiges Wesen vor. Die Frage „Wie verändert Feuerbach die biblische Aussage über die Gottebenbildlichkeit?“ wird so beantwortet: Er behauptet nicht, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen habe, sondern dass der Mensch Gott nach seinem eigenen Bild erschaffe. Auf die Frage „Warum ist Religion für Feuerbach problematisch?“ lautet die Antwort: Der Mensch erkennt seine eigenen Fähigkeiten nicht als eigene Möglichkeiten, sondern schreibt sie Gott zu. Dadurch entfremdet er sich von sich selbst. Die Frage „Was ist das Ziel von Feuerbachs Religionskritik?“ kann so beantwortet werden: Der Mensch soll seine Projektion durchschauen, seine Fähigkeiten zurückgewinnen und die Liebe zu Gott in konkrete Liebe zu den Menschen überführen. Die Frage „Was meint der Satz, der Mensch sei dem Menschen ein Gott?“ zielt auf Feuerbachs Forderung, dass Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und nicht auf eine göttliche Lösung ihrer Probleme warten sollen.
Auf die Leitfrage „Ist Gott für Feuerbach eine Projektion des Menschen?“ lautet die Antwort eindeutig ja. Nach Feuerbach ist Gott die nach außen verlegte und als selbstständig vorgestellte Summe menschlicher Wünsche und Ideale. Die weiterführende Frage „Beweist Feuerbach damit, dass Gott nicht existiert?“ muss differenziert beantwortet werden: Seine Theorie bietet eine Erklärung für die Entstehung von Gottesvorstellungen, beweist aber nicht zwingend die Nichtexistenz Gottes. Aus einem Wunsch kann weder sicher auf die Existenz noch auf die Nichtexistenz seines Gegenstandes geschlossen werden. Auf die Frage „Was kann der christliche Glaube von Feuerbachs Kritik lernen?“ lautet eine mögliche Antwort: Christliche Gottesvorstellungen müssen daraufhin geprüft werden, ob sie lediglich eigene Wünsche, Ängste, Machtinteressen oder Vorurteile widerspiegeln. Feuerbach fordert Glaubende dazu heraus, selbst gemachte Gottesbilder kritisch zu hinterfragen. Die Frage „Welchen Einwand nennt das Video gegen den Projektionsvorwurf?“ lässt sich so beantworten: Das christliche Gottesbild entspricht nicht nur menschlichen Wünschen nach Macht und Vollkommenheit, denn Gott zeigt sich nach christlichem Verständnis in Jesus als verletzlich, arm, leidend und sterblich. Auf die Frage „Ist dieser Einwand überzeugend?“ ist eine offene, begründete Antwort erforderlich. Einerseits widerspricht der gekreuzigte Jesus einfachen Wunschvorstellungen. Andererseits könnte gefragt werden, ob auch die Hoffnung auf Erlösung, Nähe und Überwindung des Todes menschlichen Sehnsüchten entspricht. Die abschließende Frage „Was geschieht, wenn der Mensch sich selbst zum höchsten Wesen erklärt?“ eröffnet die Diskussion darüber, ob menschliche Selbstbestimmung zu Verantwortung und Menschenliebe führt oder ob daraus Selbstüberschätzung und neue Formen der Verehrung entstehen können.
Zur Ergebnissicherung können die Lernenden eine begründete Stellungnahme zur Leitfrage schreiben, ein Streitgespräch zwischen Feuerbach und einer theologischen Position gestalten oder eine eigene kurze Videoantwort aufnehmen. Eine geeignete Schreibaufgabe lautet: „Erkläre Feuerbachs Projektionsvorwurf, nenne einen überzeugenden Gedanken seiner Religionskritik, formuliere einen möglichen Einwand und entwickle ein eigenes Urteil.“ Bewertet werden sollten die sachgerechte Darstellung, die Unterscheidung von Erklärung und Bewertung, die Verwendung zentraler Fachbegriffe und die nachvollziehbare Begründung des eigenen Urteils.