Das Video eignet sich besonders für Unterrichtseinheiten zur Religionskritik, zur Gottesfrage, zum Verhältnis von Glaube und Religion sowie zur Rolle der Kirche im Nationalsozialismus. Es kann in der Sekundarstufe II eingesetzt werden, einzelne Abschnitte sind bei entsprechender Vorbereitung auch für ältere Lernende der Sekundarstufe I geeignet. Da Barths Formulierung „Religion ist Unglaube“ zunächst widersprüchlich und provozierend wirkt, bietet sie einen guten Ausgangspunkt für problemorientiertes Lernen. Vor dem Ansehen können die Lernenden spontan auf den Satz reagieren und Vermutungen über seine Bedeutung formulieren. Die Äußerungen können gesammelt und nach Zustimmung, Ablehnung und offenen Fragen geordnet werden. Dadurch werden Vorwissen, persönliche Vorstellungen von Religion und mögliche Missverständnisse sichtbar.
Während des Ansehens sollten die Lernenden Beobachtungsaufträge erhalten. Sie können herausarbeiten, welche geschichtlichen Erfahrungen Barth geprägt haben, welche Gefahren er in der Religion erkennt und welche Bedeutung die Offenbarung Gottes in Jesus Christus für seine Antwort besitzt. Sinnvoll ist eine Gliederung in die Bereiche geschichtlicher Hintergrund, Kritik an der Religion und theologische Antwort. Da das Video viele Informationen in kurzer Zeit vermittelt, kann es abschnittsweise gezeigt und an zentralen Stellen unterbrochen werden. Begriffe wie dialektische Theologie, Offenbarung, Selbstrechtfertigung, politische Vereinnahmung und Barmer Theologische Erklärung sollten vorab geklärt oder mithilfe eines Glossars erschlossen werden.
Nach dem Ansehen können die Lernenden Barths Gedankengang in eigenen Worten wiedergeben. Eine mögliche Methode besteht darin, zwischen Religion als menschlichem Handeln und Offenbarung als Handeln Gottes zu unterscheiden. Die Lernenden können Aussagen des Videos diesen beiden Bereichen zuordnen und anschließend erklären, warum Barth Religion als Unglauben bezeichnet. Dabei sollte deutlich werden, dass Barth nicht lediglich zwischen guten und schlechten Religionen unterscheidet. Seine Kritik richtet sich grundsätzlicher gegen den menschlichen Anspruch, aus eigener Kraft über Gott verfügen zu können.
Für eine vertiefende Auseinandersetzung bietet sich die Arbeit mit dem im Video zitierten Textausschnitt an. Die Lernenden können schwierige Begriffe markieren, den Text in Sinnabschnitte gliedern und jeden Abschnitt in heutiger Sprache wiedergeben. Anschließend kann geprüft werden, ob das Video Barths Aussage verständlich und sachgerecht erklärt. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Religion, Glaube und Offenbarung. Ohne diese begriffliche Klärung könnten Lernende den Eindruck gewinnen, Barth lehne das Christentum oder jede religiöse Praxis vollständig ab.
Die historischen Darstellungen des Videos sollten kritisch überprüft und ergänzt werden. Die Barmer Theologische Erklärung entstand im Zusammenhang mit dem Widerstand der Bekennenden Kirche gegen die Deutschen Christen und gegen die ideologische Gleichschaltung der Kirche. Lernende können ausgewählte Aussagen der Erklärung untersuchen und prüfen, wie darin die alleinige Orientierung an Jesus Christus begründet wird. Zugleich sollte thematisiert werden, dass kirchlicher Widerstand unterschiedlich ausgeprägt war und nicht mit einem umfassenden politischen Widerstand gegen sämtliche Verbrechen des Nationalsozialismus gleichgesetzt werden darf. Auch die im Video hergestellte Verbindung zwischen Barth, Dietrich Bonhoeffer und der Barmer Theologischen Erklärung sollte genauer eingeordnet werden. Barth war für den Text der Erklärung von besonderer Bedeutung, während Bonhoeffer zwar zur Bekennenden Kirche gehörte, aber nicht zu den Verfassern der Erklärung zählte.
Methodisch eignet sich eine strukturierte Diskussion zur Frage, ob Religion eher einen Weg zu Gott eröffnet oder zu einem menschlichen Umweg werden kann. Die Lernenden sollten ihre Positionen mit Beispielen und Argumenten begründen. Dabei können sowohl Formen des politischen und gesellschaftlichen Missbrauchs von Religion als auch positive Wirkungen religiöser Überzeugungen berücksichtigt werden. Um vorschnelle Verallgemeinerungen zu vermeiden, sollte zwischen Religion als persönlicher Glaubenspraxis, Religion als Institution und Religion als politischem Machtmittel unterschieden werden.
Als Transferaufgabe können die Lernenden gegenwärtige Beispiele untersuchen, in denen religiöse Aussagen zur Unterstützung politischer Interessen verwendet werden. Dabei sollten sachliche Kriterien gelten: Wer spricht im Namen der Religion, welches Gottesbild wird vorausgesetzt, welche Interessen werden verfolgt und welche Folgen entstehen für andere Menschen? Alternativ können die Lernenden einen fiktiven Kommentar an Karl Barth verfassen, in dem sie seiner Religionskritik zustimmen, ihr widersprechen oder sie differenziert beurteilen. Eine weitere Möglichkeit ist ein Gespräch zwischen Barth und einer Person, die Religion als tragfähigen Weg zu Gott versteht. Dadurch werden Perspektivwechsel, Urteilskompetenz und theologisches Argumentieren gefördert.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
1. Was meint Karl Barth mit der Aussage „Religion ist Unglaube“?
Barth versteht Religion als den menschlichen Versuch, Gott aus eigener Kraft zu erkennen, zu erreichen oder nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Dieser Versuch bleibt unzureichend, weil Gott dem Menschen grundsätzlich nicht zur Verfügung steht. Religion wird zum Unglauben, wenn Menschen ihre eigenen Vorstellungen mit Gottes Wahrheit gleichsetzen.
2. Welche Erfahrungen beeinflussten Barths Religionskritik?
Barth erlebte, wie Theologen den Ersten Weltkrieg unterstützten und Krieg sowie Nationalismus religiös rechtfertigten. Später beobachtete er, wie die Deutschen Christen nationalsozialistische Ideologie und christliche Verkündigung miteinander verbinden wollten. Diese Erfahrungen zeigten ihm, wie leicht Religion für Macht, Gewalt und politische Interessen missbraucht werden kann.
3. Warum ist der Unterschied zwischen Gott und Mensch für Barth so wichtig?
Barth möchte verhindern, dass menschliche Wünsche, Werte oder politische Programme mit dem Willen Gottes verwechselt werden. Gott ist nicht das Ergebnis menschlichen Denkens. Menschen können deshalb nicht aus eigener Kraft bestimmen, wer Gott ist oder was Gott will.
4. Was ist nach Barth die Alternative zur selbstgemachten Religion?
Die Alternative ist Gottes Offenbarung. Nicht der Mensch erreicht Gott, sondern Gott wendet sich dem Menschen zu. Diese Zuwendung geschieht für Barth entscheidend in Jesus Christus.
5. Welche Bedeutung hat Jesus Christus in Barths Theologie?
Jesus Christus ist die maßgebliche Offenbarung Gottes. An ihm soll sich die Kirche orientieren. Weder staatliche Macht noch nationale Interessen oder politische Ideologien dürfen an seine Stelle treten.
6. Welche Rolle spielt die Barmer Theologische Erklärung?
Sie widerspricht dem Anspruch des nationalsozialistischen Staates und der Deutschen Christen, über die Verkündigung und den Auftrag der Kirche zu bestimmen. Sie betont, dass Jesus Christus das eine Wort Gottes ist, auf das die Kirche hören und dem sie vertrauen soll.
7. Lehnt Barth jede Form von Religion vollständig ab?
Barth beurteilt Religion grundsätzlich kritisch, weil auch christliche Religion menschlich, fehlbar und für Missbrauch anfällig ist. Dennoch verwirft er nicht den Glauben an Gott. Er ordnet religiöses Denken und Handeln der Offenbarung Gottes unter und betont, dass Glaube allein durch Gottes Zuwendung möglich wird.
8. Wann kann Religion zur Selbstrechtfertigung werden?
Religion wird zur Selbstrechtfertigung, wenn Menschen mit ihrer Hilfe die eigene Macht, die eigene Nation, Gewalt oder Ausgrenzung als göttlich gewollt darstellen. Dann dient sie nicht der kritischen Orientierung an Gott, sondern der Bestätigung eigener Interessen.
9. Ist Religion nach Barth ein Weg zu Gott?
Religion ist nicht aus eigener Kraft ein verlässlicher Weg zu Gott. Der entscheidende Weg verläuft nach Barth in der entgegengesetzten Richtung: Gott kommt zum Menschen. Religiöse Praxis kann nur dann Bedeutung gewinnen, wenn sie sich von Gottes Offenbarung her kritisch befragen lässt.
10. Welche Bedeutung besitzt Barths Kritik für die Gegenwart?
Sie fordert dazu auf, religiöse Aussagen kritisch zu prüfen. Besonders wichtig ist die Frage, ob im Namen Gottes tatsächlich Verantwortung übernommen wird oder ob religiöse Sprache lediglich politische Interessen, Machtansprüche und Vorurteile absichert.