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Magazin ZeitspRUng

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Die virtuelle Kirchenrallye: Schülerinnen und Schüler entdecken die Kreuzkirche

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Artikel von Dr. Rahel Gersch, erschienen in der Zeitschrift zeitsprung (1/2021), stellt eine virtuelle Kirchenrallye durch die evangelische Kreuzkirche in Hamburg-Ottensen vor, die im Rahmen des Nordkirche-Projekts „Lebendige Steine" von Schüler*innen als 360-Grad-Video erstellt wurde. Der Artikel erläutert die didaktisch-methodische Einbettung der Rallye (Klasse 6, Fernunterricht und Blended-Learning-Formate) und präsentiert drei Arbeitsblätter: ein gamifiziertes Kreuzworträtsel zur Erkundung des Kirchenraums, einen interreligiösen Dialog zwischen den Figuren Arne (christlich) und Fatima (muslimisch) zum Kreuzigungsfenster sowie eine symboldidaktische und gestalterische Aufgabe zum Altar. Das 360-Grad-Video ist über die Plattform Thinglink frei zugänglich; eingebettete Anker liefern Bibelzitate, Texte und Audiobeiträge.

Das Medium „Die virtuelle Kirchenrallye: Lernende entdecken die Kreuzkirche“ eröffnet einen digitalen Zugang zur evangelischen Kreuzkirche in Hamburg Ottensen. Ausgangspunkt ist eine virtuelle Erkundung der Kirche mithilfe einer interaktiven 360 Grad Darstellung, die im Rahmen des Projekts „Lebendige Steine“ von Lernenden erstellt wurde. Innerhalb des virtuellen Kirchenraums können sich die Lernenden selbstständig bewegen und über anklickbare Anker Informationen zu einzelnen Gegenständen, Symbolen und Bereichen der Kirche aufrufen. Die Informationen werden unter anderem durch kurze Texte, Bibelstellen und Audiobeiträge vermittelt. Ziel ist es, den Kirchenraum als Ort gelebten Glaubens wahrzunehmen, seine charakteristischen Elemente zu entdecken und deren religiöse Bedeutung zu erschließen. Das Material ist für die 6. Klasse konzipiert und dem Themenfeld „Orte gelebten Glaubens entdecken“ zugeordnet. Im Mittelpunkt stehen die Kompetenzen Wahrnehmen und Deuten, Erzählen und Darstellen sowie Teilhaben und Gestalten. Drei Arbeitsblätter strukturieren die Auseinandersetzung. Die eigentliche Kirchenrallye verbindet die virtuelle Erkundung mit einem Kreuzworträtsel und der Suche nach versteckten Bibelversen. Ein weiteres Arbeitsblatt führt anhand der Figuren Arne und Fatima zu einer interreligiösen Beschäftigung mit einem Kreuzigungsfenster. Dabei werden christliche und muslimische Wahrnehmungen Jesu und der Kreuzigung miteinander ins Gespräch gebracht. Das dritte Arbeitsblatt widmet sich dem Altar. Die Lernenden untersuchen seine Gegenstände und deren Bedeutungen und entwickeln anschließend einen eigenen Altarentwurf.

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Das Medium eignet sich besonders für einen Religionsunterricht, der Kirchenraumpädagogik mit selbstständigem und digitalem Lernen verbindet. Die virtuelle Erkundung kann eine reale Kirchenbegehung zwar nicht vollständig ersetzen, da die unmittelbare räumliche und körperliche Erfahrung eines Kirchenraums fehlt. Sie ermöglicht jedoch einen niedrigschwelligen Zugang, wenn eine Exkursion organisatorisch nicht möglich ist oder wenn die virtuelle Begegnung zur Vorbereitung oder Nachbereitung eines Kirchenbesuchs eingesetzt werden soll. Der Kirchenraum wird dabei nicht ausschließlich als Gebäude betrachtet, sondern als religiös gestalteter Raum, in dem sich christlicher Glaube in Architektur, Symbolen, Bildern und liturgischen Gegenständen ausdrückt. Die zugrunde liegende kirchenpädagogische Perspektive zielt auf eine möglichst offene Annäherung, bei der eine Begegnung mit dem Heiligen möglich sein kann, aber nicht vorausgesetzt wird.

Methodisch bietet sich zunächst eine freie Erkundungsphase an. Die Lernenden bewegen sich ohne konkrete Detailaufträge durch die virtuelle Kirche und sammeln Beobachtungen: Was fällt ihnen auf, welche Gegenstände kennen sie bereits, welche Bereiche wirken vertraut oder fremd und welche Fragen entstehen beim Betrachten? Anschließend können Beobachtungen gesammelt und erste Vermutungen zur Funktion und Bedeutung einzelner Elemente formuliert werden. Auf diese Weise wird vorhandenes Wissen aktiviert, bevor die stärker gelenkte Bearbeitung der Arbeitsblätter beginnt. Die Rallye selbst greift das Prinzip der Gamification auf. Das Kreuzworträtsel und die Suche nach acht versteckten Bibelstellen schaffen einen motivierenden Entdeckungsauftrag. Da diese Aufgaben vor allem Wahrnehmung, Orientierung und Reproduktion verlangen, sollten sie didaktisch als Einstieg und nicht als Abschluss der Beschäftigung verstanden werden. Nach der Rallye empfiehlt sich daher eine vertiefende Sicherung, bei der ausgewählte Entdeckungen erklärt, religiöse Symbole gedeutet und Zusammenhänge zwischen Kirchenraum, Gottesdienst und christlichem Glauben hergestellt werden.

Eine besondere Vertiefungsmöglichkeit bietet das Arbeitsblatt zum Kreuzigungsfenster. Die Figuren Arne und Fatima eröffnen unterschiedliche religiöse Perspektiven auf Jesus und die Kreuzigung. Die Lernenden arbeiten zunächst heraus, wie beide Figuren das dargestellte Geschehen wahrnehmen und welche Glaubensvorstellungen hinter ihren Aussagen stehen. Anschließend werden sie aufgefordert, eine eigene begründete Position zu formulieren und eine eigene Darstellung der Kreuzigung zu entwickeln. Für den Unterricht ist hier eine sensible Gesprächsführung erforderlich. Die dargestellten Positionen sollten nicht vorschnell als allgemeingültige Aussagen über das Christentum oder den Islam behandelt werden, sondern als Ausgangspunkt für das Wahrnehmen und Vergleichen religiöser Perspektiven. Besonders geeignet sind Partnergespräche oder kleine Gesprächsgruppen, bevor Positionen im Plenum zusammengeführt werden. Dabei sollte ausdrücklich die Möglichkeit bestehen, eine religiöse, nicht religiöse oder noch unentschiedene eigene Sichtweise zu formulieren. Die Aufgabe kann dadurch zur Förderung religiöser Dialogfähigkeit und begründeter Urteilsbildung beitragen.

Das Arbeitsblatt zum Altar ermöglicht anschließend einen symboldidaktischen und produktionsorientierten Zugang. Zunächst untersuchen die Lernenden den Altar und erschließen die Bedeutung der dort vorhandenen Gegenstände. Danach entwerfen sie einen eigenen Altar und entscheiden selbst über Gegenstände, Symbole, Farben und Formen. Der Entwurf kann als Zeichnung, Collage oder als gestalteter Tisch umgesetzt und anschließend beschrieben werden. Entscheidend ist dabei weniger die ästhetische Qualität des Ergebnisses als die begründete Auswahl der Gestaltungselemente. Die Präsentation der Entwürfe kann deshalb mit einem kurzen Galeriegang verbunden werden, bei dem die Lernenden erläutern, welche Bedeutung ihre Gestaltung ausdrücken soll. Dadurch werden Wahrnehmen, Deuten und Gestalten miteinander verbunden.

Das Material lässt sich flexibel differenzieren. Lernende mit geringerem Vorwissen können sich zunächst auf das Auffinden und Benennen charakteristischer Elemente wie Altar, Kreuz, Bibel, Kanzel, Taufbecken oder Kirchenfenster konzentrieren. Weiterführende Aufgaben können die symbolische und liturgische Bedeutung dieser Elemente erschließen. Leistungsstärkere Lernende können zusätzliche Bibelstellen untersuchen, unterschiedliche Deutungen miteinander vergleichen oder eigene Fragen für eine virtuelle Kirchenrallye entwickeln. Auch kooperative Arbeitsformen sind möglich, indem Kleingruppen jeweils einen Bereich des Kirchenraums untersuchen und ihre Ergebnisse anschließend als Expertinnen und Experten vorstellen. Das Material ist zudem für unterschiedliche Unterrichtsformen geeignet. Es wurde ausdrücklich für selbstständiges Arbeiten im Fernunterricht konzipiert, kann aber ebenso im Präsenzunterricht sowie in kombinierten digitalen und analogen Unterrichtsformen eingesetzt werden. Die Arbeitsblätter unterstützen dabei einen vertrauten und niedrigschwelligen Zugang, da keine zusätzliche Anmeldung auf einer digitalen Plattform erforderlich ist. Besonders gewinnbringend ist schließlich eine Verbindung mit einer realen Kirchenbegehung. Die virtuelle Rallye kann vorbereitend dazu dienen, Fachbegriffe und Beobachtungsaufträge zu erarbeiten, oder nachbereitend genutzt werden, um Wahrnehmungen aus einer besuchten Kirche mit der Kreuzkirche in Hamburg Ottensen zu vergleichen.


Klassenstufe: Klasse 6 (explizit im Artikel angegeben). Die Anforderungsniveaus der drei Arbeitsblätter sind gestaffelt: AB 1 bewegt sich auf reproduktivem Niveau (Gamification, Kreuzworträtsel), AB 2 und AB 3 verlangen zunehmend eigenständige Deutungs- und Gestaltungsleistungen und sind damit besonders für leistungsstärkere Schüler*innen der Mittelstufe geeignet.

Thematische Verortung im katholischen RU: Der Artikel stammt aus evangelischem Kontext, ist aber ohne inhaltliche Abstriche im katholischen Religionsunterricht einsetzbar. Relevante Lernbereiche sind: Kirchenraumpädagogik und Sakralräume, christliche Symbole und Liturgie (Altar, Kreuz, Taufe, Bibel), Kreuzigung und Auferstehung Jesu, interreligiöser Dialog (Christentum – Islam), sowie digitale Medien im Religionsunterricht. Für den katholischen RU empfiehlt sich eine kurze Kontextualisierung, da die Kreuzkirche eine evangelische Kirche ist; der Vergleich mit einer katholischen Kirche kann als Erweiterungsaufgabe angeboten werden.

Besonderer didaktischer Wert: Das Medium des 360-Grad-Videos, das von Schülerinnen selbst erstellt wurde, hat einen doppelten Motivationseffekt: Die Entdeckerinnen erleben echte Peer-Produktion und werden gleichzeitig durch die gamifizierte Rallye (Anker, Kreuzworträtsel, Lösungswort) zur selbstgesteuerten Erkundung angeregt. Das Prinzip der Gamification senkt die Hemmschwelle und eignet sich besonders für leseungewohnte oder digital affine Lerngruppen.

AB 2 – Interreligiöses Gespräch: Der fiktive Dialog zwischen Arne und Fatima am Kreuzigungsfenster ist ein didaktisch gut konstruierter Impuls für interreligiöses Lernen. Er gibt sowohl die christliche Deutung der Kreuzigung (Sühne, Abendmahl, Erlösung) als auch die islamische Perspektive (Jesus als Prophet, kein Gottessohn) angemessen und respektvoll wieder. Lehrkräfte sollten sicherstellen, dass Schüler*innen ein ausreichendes Vorwissen zur Kreuzigung mitbringen, das im Artikel selbst vorausgesetzt wird. Aufgabe 2b fordert eine eigene begründete Stellungnahme – eine anspruchsvolle, aber zentrale Kompetenz im RU.

AB 3 – Altar gestalten: Die kreative Gestaltungsaufgabe (Zeichnen, Fotografieren, Collage) ermöglicht einen niedrigschwelligen, handlungsorientierten Zugang zur Symboldidaktik und fördert zugleich die Fähigkeit, theologische Bedeutungen in ästhetische Entscheidungen zu übersetzen. Sie eignet sich auch als Hausaufgabe oder als Projektarbeit.

Einsatz im Distanzunterricht: Alle drei Arbeitsblätter können ohne Anmeldung auf einer Plattform von zu Hause aus bearbeitet werden. Die Ergebnisse lassen sich abfotografieren und per E-Mail oder Lernplattform einsenden. Dies macht die Einheit besonders praxistauglich für hybride oder reine Fernunterrichtsszenarien.

Hinweis zur Technik: Das verlinkte 360-Grad-Video (Thinglink) erfordert einen stabilen Internetzugang und funktioniert am besten im Browser auf Tablet oder PC. Bei einzelnen Ankern können technische Fehler auftreten, was die Autorin ausdrücklich benennt und für SuS-Projekte als charakteristisch einordnet.

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