Für den Religionsunterricht bietet das Medium zahlreiche Möglichkeiten, Demokratiebildung mit ethischem und theologischem Lernen zu verbinden. Ein geeigneter Einstieg besteht darin, die Lernenden zunächst ihr persönliches Verständnis von Demokratie formulieren zu lassen. Dazu können sie zentrale Begriffe sammeln und anschließend mit den unterschiedlichen Stimmen des Materials vergleichen. Besonders die internationalen Perspektiven ermöglichen es, vertraute Vorstellungen von Demokratie zu hinterfragen. Lernende können herausarbeiten, welche Werte in den verschiedenen Beiträgen genannt werden, welche Erfahrungen die Vorstellungen von Demokratie prägen und welche Gemeinsamkeiten trotz unterschiedlicher gesellschaftlicher Kontexte erkennbar sind. Auf Seite 9 schlägt das Material beispielsweise vor, demokratische Werte im Raum zu verteilen und Lernende einen ausgewählten Wert körperlich darstellen und in Begegnungen mit anderen erfahrbar machen zu lassen. Auch eine Vertrauensübung und die Beschäftigung mit politischer Musik werden dort als ganzheitliche Zugänge angeboten. Diese methodische Vielfalt ist für den Religionsunterricht besonders geeignet, da sie kognitive Auseinandersetzung mit persönlicher Erfahrung und Wertorientierung verbindet. Vertiefend können Kleingruppen unterschiedliche Vorstellungen von Demokratie untersuchen und der Frage nachgehen, wer an demokratischen Entscheidungen beteiligt wird und wer ausgeschlossen bleibt. Das Material erweitert dabei bewusst eine ausschließlich europäische Perspektive und stellt historische Formen gemeinschaftlicher Entscheidungsfindung außerhalb Europas vor. Dadurch bietet sich eine kritische Auseinandersetzung mit der Vorstellung an, Demokratie sei ausschließlich eine europäische Errungenschaft. Ein weiterer Schwerpunkt kann auf demokratischer Beteiligung liegen. Die Lernenden untersuchen Beispiele von Jugendengagement und entwickeln anschließend eigene Ideen, wie sie Schule, Gemeinde, Kirche oder ihren Wohnort mitgestalten können. Besonders handlungsorientiert ist die im Material vorgestellte Straßenaktion, bei der Gruppen demokratische Persönlichkeiten und Botschaften recherchieren, öffentliche Aussagen zur Bedeutung von Demokratie sammeln und Gespräche über Demokratie vorbereiten. Für ältere Lernende eignen sich die Kapitel zu bedrohten zivilgesellschaftlichen Freiräumen. Die Beispiele aus unterschiedlichen Ländern können arbeitsteilig erschlossen werden. Dabei sollte nicht allein nach Formen politischer Unterdrückung gefragt werden, sondern vor allem nach den Handlungsmöglichkeiten der betroffenen Menschen. Dies entspricht der Grundausrichtung des Materials, den Blick auf Menschen zu richten, die sich auch unter schwierigen Bedingungen für Gerechtigkeit und Demokratie einsetzen. Im Religionsunterricht lässt sich daran die Frage anschließen, was Menschen zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit motiviert und welche Bedeutung Mut, Hoffnung, Solidarität und Verantwortung besitzen. Eine besondere religionspädagogische Vertiefung ermöglicht die theologische Konversation auf den Seiten 33 und 34. Die Lernenden können zunächst Werte ihres Glaubens und Werte einer Demokratie sammeln, vergleichen und mögliche Überschneidungen markieren. Anschließend kann die Erzählung von den Hebammen in Exodus 1 als biblisches Beispiel für Mut, Verantwortung und Widerstand gegen ungerechte Macht erschlossen werden. Das Material regt ausdrücklich dazu an, diese Geschichte auf heutige Situationen zu beziehen und danach zu fragen, wo Courage notwendig ist. BfdW_Global_lernen_Demokratie Weiterführend können Lernende diskutieren, ob Demokratie aus christlicher Perspektive lediglich eine politische Organisationsform oder auch Ausdruck eines bestimmten Menschenbildes sein kann. Begriffe wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Teilhabe, Verantwortung und Schutz von Minderheiten können dabei mit biblischen und theologischen Vorstellungen in Beziehung gesetzt werden. Besonders ergiebig ist die Frage, welche Stimmen in demokratischen Gesellschaften kaum gehört werden und wie Minderheiten geschützt und beteiligt werden können. Das Material verbindet diese Fragestellung mit der biblischen Erinnerung an Unterdrückung und mit der Forderung nach globaler demokratischer Solidarität. Als Abschluss einer Unterrichtsreihe können Lernende eine eigene Vision einer gerechten demokratischen Gesellschaft entwickeln. Möglich sind Texte, Plakate, Collagen, Podcasts, Ausstellungen, kurze Reden oder kreative Zukunftsentwürfe. Dabei sollte nicht nur beschrieben werden, wie eine ideale Demokratie aussieht, sondern auch, welche Verantwortung die Lernenden selbst übernehmen können. So verbindet das Medium politisches Lernen mit ethischer Reflexion, theologischer Urteilsbildung und konkreter Handlungskompetenz und macht deutlich, dass Demokratie nicht nur Wissen über politische Strukturen voraussetzt, sondern von Beteiligung, Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und verantwortlichem Handeln lebt.