Der Artikel beginnt mit dem bekannten Gedankenexperiment von Peter Singer. Ein Kind droht in einem flachen Teich zu ertrinken. Wer es retten kann ohne selbst ernsthaften Schaden zu erleiden ist moralisch verpflichtet zu helfen. Singer überträgt dieses Beispiel auf die globale Armut. Für ihn gibt es keinen moralisch relevanten Unterschied zwischen einem Kind im Teich und einem hungernden Kind in Afrika. Wer helfen kann ohne einen vergleichbaren Verlust zu erleiden ist verpflichtet zu helfen. Daraus ergibt sich eine sehr weitgehende Pflicht zu spenden und Leid weltweit zu verhindern.
Der Artikel beschreibt anschließend das Ausmaß globaler Ungleichheit. Millionen Menschen leben in extremer Armut, viele Kinder sind unterernährt, die Lebenserwartung unterscheidet sich drastisch zwischen reichen und armen Ländern. Bildungschancen, Gesundheitsversorgung und Sicherheit hängen stark vom Geburtsort ab. Diese Ungleichheiten widersprechen grundlegenden Gerechtigkeitsvorstellungen.
Singer fordert eine umfassende individuelle Verantwortung. Er argumentiert, dass reiche Menschen moralisch verpflichtet sind einen erheblichen Teil ihres Einkommens zu spenden. Diese Position ist jedoch anspruchsvoll und kann zu moralischer Überforderung führen. Zudem bleibt Hilfe in diesem Ansatz freiwillig und einklagbare Rechte der Armen werden nicht begründet.
Demgegenüber wird die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls dargestellt. Rawls entwickelt das Gedankenexperiment eines Urzustandes unter einem Schleier des Nichtwissens. Menschen entscheiden über gesellschaftliche Regeln ohne zu wissen welchen Platz sie später einnehmen werden. Daraus ergeben sich zwei Prinzipien. Erstens gleiche Grundfreiheiten für alle. Zweitens das Differenzprinzip, nach dem Ungleichheiten nur dann gerechtfertigt sind wenn sie den am schlechtesten Gestellten den größtmöglichen Vorteil bringen. Überträgt man diesen Ansatz auf die Weltgemeinschaft, dann wären globale Mindeststandards sozialer Sicherheit, faire Handelsbedingungen und die tatsächliche Durchsetzung der Menschenrechte geboten.
Der Philosoph Thomas Pogge knüpft an Rawls an und argumentiert, dass die bestehende Weltordnung strukturell ungerecht ist. Reiche Staaten profitieren von internationalen Regeln, die arme Länder benachteiligen. Dadurch werden Menschenrechte verletzt. Pogge spricht von Mitverantwortung der Bürger wohlhabender Staaten. Diese Verantwortung besteht vor allem darin politisch auf gerechte internationale Strukturen hinzuwirken.
Anschließend wird die Perspektive der katholischen Soziallehre entfaltet. Seit den sechziger Jahren versteht sie soziale Gerechtigkeit ausdrücklich global. In der Enzyklika Laudato si betont Papst Franziskus die Verantwortung für das gemeinsame Haus der Menschheit. Eigentum steht unter dem Vorbehalt der allgemeinen Bestimmung der Güter. Die ökologische Krise wird als Gerechtigkeitsfrage verstanden, weil wenige auf Kosten vieler Ressourcen verbrauchen.
Ein weiterer Ansatz bezieht sich auf die sogenannten Commons also gemeinsame Güter der Menschheit wie Klima, Umwelt oder Frieden. Probleme globaler Gerechtigkeit ähneln der Tragik der Allmende. Wenn alle nur ihren kurzfristigen Vorteil suchen werden gemeinsame Ressourcen zerstört. Notwendig sind daher internationale Institutionen, klare Regeln und Kooperation. Auch das liegt langfristig im Eigeninteresse aller Staaten.
Abschließend betont der Artikel, dass globale Gerechtigkeit eine Aufgabe auf mehreren Ebenen ist. Regierungen müssen gerechte internationale Strukturen schaffen. Bürgerinnen und Bürger tragen Verantwortung durch ihr Wahlverhalten, ihr Konsumverhalten und ihr Engagement. Kirchen, Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen haben die Aufgabe das Bewusstsein für die Einheit der Menschheitsfamilie zu stärken. Globale Gerechtigkeit ist somit sowohl eine politische als auch eine moralische und theologische Herausforderung.