Die ARTE-Dokumentation „Fast Fashion – Die dunkle Welt der Billigmode“ (Regie: Edouard Perrin und Gilles Bovon) analysiert die Logik der Billigmodeindustrie und zeigt, wie schnell wechselnde Kollektionen, aggressive Vermarktung und digitale Kaufanreize zu Überproduktion und Wegwerfkultur führen. Die Darstellung verbindet ökonomische Mechanismen mit konkreten Folgen: Sie macht sichtbar, dass die Branche enorme Mengen an Kleidung produziert und verkauft und dass zugleich die Umweltbilanz, etwa durch Ressourcenverbrauch, Chemikalieneinsatz und Müllaufkommen, hoch problematisch ist. Zudem werden prekäre Arbeitsbedingungen entlang der Lieferketten thematisiert, unter anderem in der Produktion und in nachgelagerten Dienstleistungsbereichen wie Zustellung und Logistik, die von Kostendruck und Auslagerung geprägt sind. Die Dokumentation arbeitet dabei mit investigativen Elementen, Expertinnen- und Expertenstimmen sowie Fallbeispielen, die das Spannungsfeld zwischen Konsumversprechen („Mode für alle“) und den realen sozialen sowie ökologischen Kosten aufschließen. Besonders didaktisch ergiebig ist die Verbindung von Alltagsnähe und Systemkritik: Kleidung wird als identitätsstiftendes Gut und soziales Symbol gezeigt, zugleich aber als Ware in einem globalen Markt, der mit psychologischen und digitalen Strategien Kaufimpulse verstärkt.
Methodisch-didaktisch eignet sich das Medium besonders für die Sekundarstufe I und II, da es in hohem Maß lebensweltlich anschlussfähig ist und zugleich komplexe Urteilsprozesse ermöglicht. Eine kompetenzorientierte Erschließung kann über strukturierte Filmbeobachtungsaufträge erfolgen, die zwischen Fakten, Deutungen und Wertungen unterscheiden lassen, etwa indem die Lernenden die gezeigten Mechanismen (Trendzyklen, Marketing, Onlinehandel, Rücksendelogik) systematisieren und deren Folgen auf unterschiedlichen Ebenen (individuell, sozial, ökologisch, global) zuordnen. Vertiefend bietet sich eine ethische Fallanalyse an, in der verschiedene Perspektiven sichtbar werden: Konsumentinnen und Konsumenten, Beschäftigte in Produktion und Logistik, Unternehmen, Politik sowie Betroffene von Umweltfolgen. Dadurch wird kontroverses, nicht überwältigendes Lernen im Sinne des Beutelsbacher Konsenses unterstützt, weil Handlungsoptionen nicht verordnet, sondern argumentativ begründet und kritisch abgewogen werden.
Religionspädagogisch lässt sich die Dokumentation mit zentralen Themen des katholischen Religionsunterrichts verbinden, insbesondere mit Gerechtigkeit, Menschenwürde, Solidarität, Verantwortung für die Schöpfung und der Frage nach einem gelingenden Leben jenseits von Konsumzwang. Lernende können in einem zweiten Schritt religiöse Sprache als Deutungshorizont erproben, etwa indem sie das Spannungsfeld von „Haben“ und „Sein“, von Freiheit und Abhängigkeit, von Bedürfnis und Verführung reflektieren und mit biblischen Motiven wie Genügsamkeit, Teilen und Gerechtigkeit in Beziehung setzen. Interreligiöse und weltanschauliche Perspektiven sind anschlussfähig, weil Fragen von Fairness, Menschenrechten und Nachhaltigkeit als gemeinsame ethische Bezugspunkte mit islamischen, jüdischen oder säkular-humanistischen Begründungen dialogisch verglichen werden können. Eine handlungsorientierte Weiterführung ist möglich, ohne moralisierend zu werden, etwa über Kriterien für verantwortlichen Konsum, über Reparatur- und Secondhand-Konzepte oder über schulische Projekte zur Textilnutzung, die als Lernprodukte dokumentiert und kritisch ausgewertet werden.