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Globale Gerechtigkeit und Ressourcenverbrauch

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel „Globale Gerechtigkeit und Ressourcenverbrauch“ von Michelle Becka ist im Heft ru heute 02 2015 enthalten unter dem Titel: „Globale Gerechtigkeit und Ressourcenverbrauch“ und umfasst die Seiten 18 bis 21 also vier Seiten.

Der Beitrag erklärt, warum die weltweite Übernutzung von Rohstoffen ein zentrales Problem globaler Gerechtigkeit ist. An den Beispielen Gold, Coltan und Biopiraterie zeigt er ökologische Schäden, soziale Konflikte und ungerechte Gewinnverteilung. Danach werden normative Zugänge wie Nachhaltigkeit und Retinität, die Enzyklika Laudato si, menschenrechtliche Argumente und politische Strategien wie Zertifikate, Lieferkettenregeln, das Nagoya Protokoll, Ressourceneffizienz und Recycling skizziert.

Theologische Probleme, die der Artikel behandelt, sind vor allem das Verständnis der Schöpfung und der Eigenwert der Natur, die Frage nach menschlicher Herrschaft und Verantwortung gegenüber der Mitwelt, Schuld und Verantwortung für globale Folgeschäden einschließlich historischer Mitverantwortung, die Option für die Armen sowie die Generationengerechtigkeit als Verantwortung gegenüber zukünftigen Menschen.

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Der Artikel setzt mit der Beobachtung ein, dass die Begrenztheit der Erde spätestens seit dem Bericht des Club of Rome bekannt ist, der globale Rohstoffverbrauch jedoch weiter gestiegen ist. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum und steigender Lebensstandard treiben die Nachfrage. Die Autorin macht deutlich, dass der Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen nicht getrennt werden kann von Armutsbekämpfung im Süden und der Sicherung von Lebensunterhalt im Norden. Schon die Sprache von Ressourcen und Rohstoffen ist eine Vorentscheidung, weil Natur damit vor allem unter ökonomischen Kategorien und als Nutzen für den Menschen betrachtet wird. Das ist teilweise notwendig, kann aber problematisch werden, wenn Natur auf Rohstofflieferant reduziert wird und andere kulturelle Sichtweisen, etwa indigene Vorstellungen eines Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur, ausgeblendet werden.

Im ersten Teil wird Ressourcenknappheit als globales Gerechtigkeitsproblem anhand konkreter Beispiele erläutert. Beim Goldabbau zeigt der Text erhebliche Umwelt und Gesundheitsschäden. In kleinteiligen Verfahren wird Quecksilber genutzt, das als starkes Gift Nervensystem und Organe schädigt und in Wasser und Luft gelangt. Im industriellen Abbau wird Cyanidlauge eingesetzt, die hochgiftig ist und bei Freisetzung Ökosysteme zerstören kann. Zudem führt großflächiger Tagebau zu Landverlust, und verschmutztes Wasser und verseuchte Böden nehmen Menschen ihre Lebensgrundlagen. Deutlich wird eine doppelte Ungerechtigkeit, weil die Lasten lokal getragen werden, während der Nutzen des Goldes oft anderswo anfällt.

Das Beispiel Coltan zeigt, wie Rohstoffe aus Krisengebieten ökologische Zerstörung und Gewaltkonflikte miteinander verbinden. Coltan wird für Tantal gebraucht, das in vielen Elektronikgeräten steckt. Die großen Vorkommen liegen in Zentralafrika, besonders in der Demokratischen Republik Kongo, teils in artenreichen Regenwaldgebieten. Minen, Infrastruktur und chemische Verschmutzung bedrohen Lebensräume, darunter auch seltene Tierarten. Zugleich finanzieren Konfliktparteien über den Handel mit dem Erz bewaffnete Auseinandersetzungen. Rohstoffe sind damit nicht nur Mittel zur Kriegsfinanzierung, sondern können selbst Konflikte anheizen, weil Zugriff auf Rohstoffe Einnahmen verspricht. Kinderarbeit und der Anreiz, statt zur Schule in Minen zu arbeiten, erschweren langfristige Entwicklung.

Mit dem Beispiel Biopiraterie stellt der Text die Frage, wem Natur und Wissen gehören. Viele indigene Kulturen verstehen Land und Natur nicht als individuelles Eigentum. Auch Wissen über Heilpflanzen gilt oft als kollektives Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. Biopiraterie meint, dass Unternehmen oder Institute dieses Wissen und biologische Ressourcen privat aneignen, etwa indem sie Proben nehmen, Wirkstoffe isolieren, Patente anmelden und so individuelle Besitzansprüche schaffen. Die Autorin problematisiert Patente auf Leben und kritisiert die Ungerechtigkeit, dass die ursprünglichen Wissensgeber weder gefragt noch beteiligt werden und in ihrer eigenen Nutzung eingeschränkt werden können.

Im zweiten Teil bündelt der Artikel grundsätzliche Gerechtigkeitsfragen. Es geht um Verteilungsgerechtigkeit, weil Menschen in Abbaugebieten Schäden und Verluste tragen, aber kaum an Gewinnen beteiligt sind. Es geht um soziale Gerechtigkeit, weil Betroffene trotz gefährlicher Arbeitsbedingungen auf Einkommen aus der Rohstoffgewinnung angewiesen sein können und Kinderarbeit in Kauf nehmen. Es geht um Chancengerechtigkeit, weil bestehende Ungleichheiten sich vertiefen und Teilhabechancen weiter sinken. Außerdem wird globale Verantwortung betont, weil Folgen von Abbau und Nutzung wie Emissionen weltweit wirken, etwa über Klimaveränderungen. Schließlich kommt Generationengerechtigkeit hinzu, weil Übernutzung zukünftigen Generationen Ressourcen und Lebensgrundlagen entzieht.

Danach werden sozialethische Zugänge vorgestellt. Der Nachhaltigkeitsbegriff zielt auf die Deckung heutiger Bedürfnisse ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu zerstören und verbindet Effizienz, ökologische Tragfähigkeit und soziale Verträglichkeit. Die Umsetzung ist schwierig, weil Zielkonflikte bestehen und kurzfristige Gewinninteressen oft überwiegen. In der katholischen Sozialethik wird Nachhaltigkeit auch durch das Retinitätsprinzip ausgedrückt, das die Vernetzung des Menschen mit Umwelt und Mitwelt betont und damit die Einsicht, dass menschliches Leben nur dauerhaft möglich ist, wenn diese Verbundenheit respektiert wird. Hier sieht die Autorin Anschlussmöglichkeiten an indigene Weltbilder, die Natur als Gleichgewicht verstehen.

Die Enzyklika Laudato si wird als wichtiger theologischer und sozialethischer Bezugspunkt dargestellt. Papst Franziskus betont, dass Arten nicht nur als nutzbare Ressourcen betrachtet werden dürfen, sondern einen Eigenwert haben und das Gleichgewicht der Ökosysteme zu achten ist. Er spricht von differenzierten Verantwortlichkeiten im Kontext von Klimawandel, weil diejenigen, die durch hohen Ressourcenverbrauch Wohlstand aufgebaut haben, eine besondere Verantwortung gegenüber Armen und Verwundbaren tragen. Zudem wird deutlich, dass Umweltfragen nicht isoliert sind, sondern mit sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen zusammenhängen, besonders mit dem Zusammenhang von Umweltzerstörung und Armut.

Als weiterer normativer Zugang werden Menschenrechte genannt. Umweltzerstörung durch Rohstoffabbau greift Rechte von Menschen an, weil Lebensgrundlagen zerstört werden. Staaten haben Pflichten, Rechte zu achten, zu schützen und zu gewährleisten, stoßen aber bei transnationalen Akteuren und eigenen kurzfristigen Interessen an Grenzen. Deshalb werden Menschenrechte der dritten Generation erläutert, etwa Recht auf Entwicklung, Frieden, saubere Umwelt und Selbstbestimmung der Völker, die an die Völkergemeinschaft adressiert sind, jedoch oft nicht einklagbar bleiben. Das Beispiel des 2010 anerkannten Rechts auf Wasser zeigt die Bedeutung symbolischer Schritte mit moralischer, aber begrenzter rechtlicher Wirkung.

Im dritten Teil nennt der Artikel Schlaglichter möglicher Bewältigungsstrategien. Für Gold gibt es erste Zertifikate für umweltfreundlich gewonnenes Gold und die Bedeutung von Recycling. Für Coltan werden Lieferkettenregeln und Herkunftsnachweise beschrieben, etwa Pflichten für börsennotierte Unternehmen, nachzuweisen, dass Rohstoffe nicht aus Konfliktgebieten stammen, sowie technische Verfahren zur Herkunftsbestimmung. Für Biopiraterie wird das Nagoya Protokoll genannt, das einen gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen anstrebt, dessen Wirkungen aber noch schwer zu beurteilen sind. Insgesamt werden Zertifikate, Nachweissysteme und internationale Abkommen als Wege genannt, an denen Politik, Weltgemeinschaft, Zivilgesellschaft und Konsumenten ansetzen können.

Als Beispiel für Verantwortung in Industrieländern wird der Begriff Ressourceneffizienz erläutert. Viele Produkte haben einen großen Ressourcenaufwand, der als ökologischer Rucksack beschrieben wird. Ziel ist es, durch Produktdesign, Produktionsverfahren, Wiederverwertung und veränderte Konsummuster den Ressourcenverbrauch zu senken und dabei ökologische Grenzen zu berücksichtigen. Recycling wird als wichtiger ergänzender Weg genannt, besonders für rohstoffarme, technologisch entwickelte Länder. Der Schluss des Artikels betont, dass neben vielen Einzelmaßnahmen vor allem ein Umdenken nötig ist, weg von Ausbeutung hin zu Achtsamkeit, weg vom kurzfristigen Nutzen hin zu langfristigem Denken, weg vom Blick auf lokale Folgen hin zur Verantwortung für globale Folgen und weg von der Durchsetzung der Interessen einiger hin zur Achtung der Rechte aller.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.5 Zukunft der Erde, Zukunft des Menschen und kirchliche Positionen.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 3. Gesellschaftlich-politische Verantwortung aus christlicher Motivation.

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