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Gold und globale Gerechtigkeit: Vom schalen Glanz des Goldes

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel „Gold und globale Gerechtigkeit: Vom schalen Glanz des Goldes“ von Hartmut Heidenreich ist im Heft ru heute 02 2015 enthalten unter dem Titel: „Gold und globale Gerechtigkeit: Vom schalen Glanz des Goldes“ und umfasst die Seiten 23 bis 27 also fünf Seiten.

Der Beitrag begründet, warum sich ausgerechnet Gold besonders eignet, um globale Gerechtigkeit exemplarisch zu thematisieren: Gold verbindet Mythos, Geschichte, Religion, Ökonomie, Ökologie und Alltag. Anhand der Konquista, der Gegenwart des Goldbergbaus in Peru und der globalen Nachfrage werden die dunklen Seiten des Goldes gezeigt: Gewalt, Ausbeutung, Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und die religiöse Legitimierung oder Instrumentalisierung von Macht. Abschließend skizziert der Text Handlungsoptionen von faireren Standards bis zu Recycling und Konsumveränderungen.

Theologische Probleme, die der Artikel behandelt, sind die Verstrickung von Kirche und Mission in Gewalt und Kolonialismus, der Missbrauch von Bibel und Religion zur Rechtfertigung von Herrschaft und Gier, die Frage nach Sünde und struktureller Schuld, die Option für die Armen, die Bewahrung der Schöpfung und die Glaubwürdigkeit kirchlichen Handelns angesichts wirtschaftlicher Interessen und innerkirchlicher Konflikte.

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Der Artikel startet mit der Frage, warum im Unterricht ausgerechnet Gold behandelt werden soll, obwohl Kaffee, Schokolade oder Jeans näherliegen könnten. Die Antwort lautet, dass Gold einen besonderen exemplarischen Reiz besitzt, weil es mythisch aufgeladen ist und zugleich historische, ökonomische, ökologische und religiöse Themen verbindet. Außerdem begegnet Gold im Alltag vieler Menschen direkt, als Schmuck, in Zähnen, in Technik wie Computer und Handy und auch im religiösen Raum in liturgischen Gegenständen.

Im ersten Teil zeigt der Text die verhängnisvolle Verbindung von Gold und Religion in der Geschichte. Schon in frühen Kulturen wurde Gold religiös aufgeladen. Zentral ist dann das Beispiel der spanischen Konquista. 1532 nahm Francisco Pizarro den Inkaherrscher Atahualpa gefangen und ließ ihn trotz zugesagter Freilassung und trotz eines mit Gold gefüllten Lösegeldes töten. Der Artikel beschreibt, wie Religion dabei missbraucht wurde, denn Atahualpa ließ sich taufen, um eine Hinrichtung zu vermeiden, die ihm jede Hoffnung auf ein Jenseits genommen hätte. Gleichzeitig wurden sakrale und kulturelle Gegenstände eingeschmolzen und nach Europa gebracht. Das Edelmetall trug zur Finanzierung von Kriegen und später zur Industrialisierung bei und damit zu einer Entwicklung, die globale Ungleichheit mitprägte. Der Text betont, dass diese Episode exemplarisch zeigt, wie ökonomische Interessen, politische Gewalt und religiöse Legitimierung miteinander verschränkt wurden. Als Reaktion auf die Gewalt und Versklavung wird die päpstliche Bulle Sublimis Deus von 1537 genannt, in der betont wird, dass die Indigenen Menschen mit Seele sind und nicht versklavt werden dürfen. Zugleich bleibt die Lage ambivalent, weil die Anerkennung der Menschlichkeit einerseits Mission legitimiert, andererseits Ausbeutung offiziell begrenzen sollte, in der Praxis jedoch häufig unterlaufen wurde. Der Artikel verweist auf anhaltende Konflikte zwischen theologischen Stimmen, kirchlichen Akteuren, staatlichen Stellen und wirtschaftlichen Interessen bis in die Gegenwart.

Im zweiten Teil wird Befreiungstheologie und Pastoral als Antwort auf bedrohte Lebensgrundlagen beschrieben. Am Beispiel der Region Cajamarca in Peru wird gezeigt, wie kirchliche Praxis, biblische Auslegung und Alltagserfahrung von Campesinos miteinander verbunden wurden, um soziale Fragen als Glaubensfragen zu thematisieren. Der langjährige Bischof José Dammert Bellido wird als prägend dargestellt, weil er eine kirchliche Praxis unterstützte, die Beteiligung und soziale Dimension des Glaubens stärkte. Gleichzeitig wird von innerkirchlichen Konflikten berichtet, als Nachfolger diese Ansätze kritisierten und Gemeinden sich im Konflikt mit dem Bergbau von kirchlicher Leitung im Stich gelassen fühlten. Die Provokation Wen liebst du mehr Gott oder das Gold bringt den Kernkonflikt auf den Punkt, ob kirchliches Handeln sich an Gottesbild und Menschenwürde oder an Macht und wirtschaftlicher Nähe orientiert.

Im dritten Teil erklärt der Artikel Wege der Goldförderung und ihre Folgen. Beim industriellen Großbergbau dominiert der offene Tagebau. Er hinterlässt riesige Krater und zerstörte Landschaften. Regenwasser sammelt sich in den Gruben und kann sich durch chemische Reaktionen zu hochgiftigen Lösungen entwickeln, die ins Grundwasser gelangen. Technisch wird Gold häufig mit Natriumzyanid aus zerkleinertem Gestein gelöst. Zyanid ist hochgiftig und die Lagerung in Becken birgt Risiken durch Undichtigkeiten oder Dammbrüche. So entstehen Umwelt und Gesundheitsschäden. Hinzu kommen soziale Folgen: Campesinos verlieren Land gegen geringe Entschädigungen, es drohen Abhängigkeit, Verarmung und Migration in Elendsviertel. Proteste werden teils kriminalisiert und Konflikte militarisiert. Zwar bringen Minen Arbeitsplätze, doch sie sind oft zeitlich begrenzt, für die lokale Bevölkerung nicht zugänglich oder schlecht abgesichert, und Berufskrankheiten werden häufig nicht anerkannt. Der Text macht zudem deutlich, dass es zwar Gesetze zu Umwelt, Arbeitsschutz und Beteiligung indigener Gemeinschaften gibt, deren Durchsetzung aber schwer ist. Einschüchterung und Gewalt gegen Gegner werden als reale Gefahr beschrieben, auch bis hin zur Kooperation von Sicherheitskräften mit Unternehmen.

Der konventionelle Kleinbergbau wird als zweite große Form dargestellt. Er findet oft illegal statt, etwa durch das Unterspülen von Flussufern mit Hochdruck und den Einsatz von Quecksilber, das sich mit Gold zu Amalgam verbindet und beim Erhitzen verdampft. Dabei werden hochgiftige Dämpfe freigesetzt, und Quecksilber gelangt in Gewässer und über Fische wieder in die Nahrungskette, teilweise als besonders giftige Verbindung. Das Tragische ist, dass die gesundheitlichen Schäden oft erst später sichtbar werden, etwa Nervenschäden oder Fehlbildungen. In Goldcamps entstehen zudem Abhängigkeitsstrukturen, Kriminalität, Korruption und sexuelle Ausbeutung. Der Text nennt für Peru große Zahlen von Kleinschürfern und einen erheblichen Anteil dieser Förderung am Gesamtgold.

Als dritte Variante beschreibt der Artikel alternative Ansätze wie grünes oder faires Gold, oft unterstützt von Nichtregierungsorganisationen. Diese Projekte versuchen gerechtere Entlohnung, genossenschaftliche Strukturen und soziale Investitionen zu ermöglichen sowie Schadstoffe zu reduzieren und Kreisläufe zu schließen. Gleichzeitig bleibt die Kritik, dass auch diese Formen meist nicht vollständig ohne problematische Chemikalien auskommen, nur kleine Nischenmengen liefern und die grundsätzliche Frage verdecken können, ob Goldförderung überhaupt nötig ist. Zudem kann faires Gold beim Konsum den Eindruck erzeugen, man könne mit gutem Gewissen weiter kaufen, während strukturelle Ursachen und alternative Einkommenswege im Süden zu wenig bedacht werden.

Im vierten Teil geht es um den Goldverbrauch und darum, wofür Gold tatsächlich genutzt wird. Der Artikel nennt große Fördermengen pro Jahr und stellt ihnen den massiven Einsatz von Zyanid, Wasser, Energie und entstehendem Giftmüll gegenüber. Es wird veranschaulicht, wie gering der Goldgehalt im Erz sein kann und welche zerstörerischen Mengen an Abraum damit verbunden sind. Beispiele wie ein Ehering oder ein Handy dienen dazu, die versteckten Umweltkosten des Konsums sichtbar zu machen. Gleichzeitig korrigiert der Text verbreitete Annahmen, denn der größte Anteil des Goldes fließt in Schmuck und Investment, deutlich weniger in Industrie und staatliche Reserven. Die Bedeutung von privatem Goldbesitz in Deutschland wird hervorgehoben. Der Artikel kritisiert Gold als spekulative Anlage ohne Zinsen, deren Preis stark schwankt, und stellt die Frage, ob angesichts großer vorhandener Goldbestände und hoher Recyclingquoten die Neuproduktion nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden müsste.

Im fünften Teil werden Hoffnungsperspektiven genannt. Der Text verweist auf Papst Franziskus, der die Schuldgeschichte der Kirche im Kontext der Konquista anspricht und die Folgen des extraktiven Wirtschaftens mit Laudato si verbindet. Genannt werden zudem kirchliche Akteure in Lateinamerika, die sich gegen Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen engagieren, sowie Beispiele aus dem Norden, etwa Banken, die Rohstoffinvestments nicht mehr empfehlen, Zahnärzte und Goldschmiede, die Alternativen oder Recycling nutzen, Priester, die bewusst keinen Goldkelch wählen, und Schüler, die Handys recyceln. Diese Schritte lösen globale Ungerechtigkeit nicht vollständig, können aber dazu beitragen, sie nicht weiter zu vergrößern, indem ökologische, gesundheitliche und menschenrechtliche Folgekosten nicht weiterhin einseitig Menschen im globalen Süden aufgebürdet werden. Der Artikel endet mit dem Impuls, dass verantwortliches Handeln vor allem ein Umdenken verlangt, vom Goldglanz zur Verantwortung gegenüber Mensch und Schöpfung.

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

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