Der Artikel setzt sich mit der verbreiteten kulturpessimistischen Annahme auseinander, heutige Kinder seien unkonzentriert, überdreht, traurig oder durch Medien und Leistungsdruck unglücklich. Statt diese Katastrophensemantik zu übernehmen, lässt der Autor die eigentlichen Experten zu Wort kommen, nämlich die Kinder selbst. Glück ist subjektiv und kann nur aus der Perspektive der ersten Person beurteilt werden. Deshalb stützt sich der Beitrag auf eine repräsentative Studie mit über tausend Kindern in Deutschland im Alter von sechs bis dreizehn Jahren.
Das zentrale Ergebnis lautet, dass die deutliche Mehrheit der Kinder ihr bisheriges Leben als glücklich bis sehr glücklich einschätzt. Dabei wird Glück differenziert betrachtet. Kinder erleben es vor allem in Beziehungen zu Freunden, in Freiräumen ohne ständige Kontrolle und in der Familie. Besonders wichtig ist die emotionale Qualität der Beziehung zur Mutter, zum Vater und zu Großeltern. Gemeinsame Aktivitäten, Lachen und anerkennende Worte sind zentrale Glücksquellen. Materielle Dinge spielen eine untergeordnete Rolle.
Auch Tiere und Haustiere haben für viele Kinder eine große emotionale Bedeutung. Ebenso erfahren Kinder Glück durch Bewegung, Sport und selbstbestimmtes Spiel. Das Konzept des Flow wird als Erklärung herangezogen. Glück entsteht häufig dort, wo Anforderungen und eigene Fähigkeiten im Gleichgewicht sind. Kinder erleben Flow beim Klettern, Spielen oder Sport treiben. Solche Erfahrungen stärken Selbstwirksamkeit und Wohlbefinden.
Die Schule wird ambivalent beurteilt. Jüngere Kinder gehen deutlich lieber in die Schule als ältere. Glück in der Schule entsteht dort, wo Kinder aktiv sein dürfen, weder überfordert noch unterfordert werden und Erfolgserlebnisse haben. Gute Stimmung fördert auch Lernprozesse. Medienkonsum hingegen steht in einem negativen Zusammenhang mit dem allgemeinen Lebensglück. Vielseher schätzen ihr Leben insgesamt weniger glücklich ein als Kinder mit geringer Fernsehdauer.
Soziale Faktoren wie Familienform oder Einkommen spielen zwar eine Rolle, erklären das Kindheitsglück jedoch weniger stark als Beziehungsqualität, Aktivität und Anerkennung. Kinder aus vollständigen Familien sind statistisch etwas glücklicher, doch auch viele Kinder aus anderen Familienformen erleben sich als glücklich.
Insgesamt zeigt der Artikel, dass heutige Kinder besser sind als ihr Ruf. Trotz gesellschaftlicher Veränderungen, Medienpräsenz und Leistungsanforderungen erleben sie vielfältige Glücksmomente. Entscheidend sind stabile Beziehungen, emotionale Zuwendung, Gelegenheiten zur aktiven Entfaltung und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit. Damit rückt der Beitrag das Verständnis von Glück weg von Konsum und Statussymbolen hin zu Beziehung, Anerkennung und sinnvollem Tun.