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Wie wahrscheinlich ist Gottes Existenz?

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel ist im Heft RELIGIONSUNTERRICHTheute 01 2015 unter dem Titel „Wie wahrscheinlich ist Gottes Existenz? Richard Swinburnes Argumentation für die Existenz Gottes“ erschienen und umfasst die Seiten 14 bis 17.

Der Beitrag stellt die probabilistische Gottesargumentation von Richard Swinburne vor. Er erläutert, wie Swinburne mit Hilfe der epistemischen Wahrscheinlichkeit und des Bayesschen Theorems zeigen will, dass die Existenz Gottes wahrscheinlicher ist als seine Nichtexistenz. Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Frage nach der rationalen Begründbarkeit des Gottesglaubens, das Problem von Leid und Übel sowie das Verhältnis von Glaube, Vernunft und religiöser Erfahrung.

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Der Artikel untersucht die Frage, wie wahrscheinlich die Existenz Gottes ist, und stellt die Argumentation des Religionsphilosophen Richard Swinburne dar. Ausgangspunkt ist die Klärung zentraler Begriffe. Unter Gott wird der theistische Gott verstanden, also ein allmächtiges, allwissendes und moralisch vollkommenes Wesen, das notwendig existiert und alles Nichtnotwendige geschaffen hat. Gottes Existenz bedeutet nicht, dass Gott wie ein Gegenstand innerhalb der Welt existiert, sondern dass es ein solches transzendentes Wesen gibt.

Entscheidend ist der Begriff der Wahrscheinlichkeit. Gemeint ist nicht statistische oder physikalische Wahrscheinlichkeit, sondern epistemische Wahrscheinlichkeit. Diese beschreibt den Grad, in dem vorhandenes Beweismaterial eine Hypothese bestätigt. Es geht also um die Frage, wie stark bestimmte Beobachtungen oder Erfahrungen die Annahme stützen, dass Gott existiert.

Swinburne behandelt die Aussage Gott existiert als eine umfassende Hypothese, ähnlich einer wissenschaftlichen Erklärung. Er lehnt deduktive Gottesbeweise ab, vertritt jedoch die Auffassung, dass es gute induktive Argumente für die Existenz Gottes gibt. Dazu nutzt er die formalen Regeln der Bestätigungstheorie und insbesondere das Bayessche Theorem. Dieses beschreibt, wie sich die Wahrscheinlichkeit einer Hypothese aus ihrer Ausgangswahrscheinlichkeit und ihrem Erklärungswert im Blick auf bestimmte Daten ergibt.

Ein zentrales Kriterium für die Ausgangswahrscheinlichkeit ist nach Swinburne die Einfachheit einer Hypothese. Je einfacher eine Erklärung ist, desto plausibler ist sie zunächst. Swinburne argumentiert, dass der theistische Gottesbegriff vergleichsweise einfach sei, weil er auf ein einziges personales Prinzip zurückgreift, das die Welt erklärt. Dadurch besitzt die theistische Hypothese eine hohe Anfangswahrscheinlichkeit.

Hinzu kommt ihr Erklärungswert. Swinburne nennt mehrere Eigenschaften der Welt, die seiner Ansicht nach für die Existenz Gottes sprechen. Dazu gehören die Existenz eines komplexen Universums, die Ordnung und Gesetzmäßigkeit der Natur, die Feinabstimmung des Universums auf die Möglichkeit bewussten Lebens, die tatsächliche Existenz von Bewusstsein, die Möglichkeit freier bedeutsamer Entscheidungen sowie Berichte über Wunder und religiöse Erfahrungen. Jede dieser Beobachtungen erhöht für sich genommen die Wahrscheinlichkeit der Gottesexistenz. Zusammengenommen führen sie nach Swinburne dazu, dass die Existenz Gottes wahrscheinlicher ist als seine Nichtexistenz.

Auch das Problem von Leid und Übel wird berücksichtigt. Swinburne meint, dass das Vorhandensein von Leid die Wahrscheinlichkeit der Gottesexistenz zwar mindert, sie jedoch nicht entscheidend untergräbt. Insgesamt bleibt die theistische Hypothese ausreichend wahrscheinlich.

Ein wichtiger Bestandteil seiner Argumentation betrifft religiöse Erfahrungen. Wenn die Existenz Gottes nicht sehr unwahrscheinlich ist, dann gelten allgemeine erkenntnistheoretische Prinzipien des Vertrauens in Erfahrung und Zeugnis auch für religiöse Erfahrungen. Eigene religiöse Erfahrungen und Berichte anderer dürfen als glaubwürdig gelten, solange ihr Inhalt nicht stark unwahrscheinlich ist. Da Swinburne gezeigt zu haben beansprucht, dass Gottes Existenz nicht unwahrscheinlich ist, gewinnen religiöse Erfahrungen zusätzliches Gewicht. In ihrer Gesamtheit erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit der Gottesexistenz weiter.

Allerdings betont Swinburne, dass seine Argumentation keine absolute Gewissheit liefert. Der Gottesglaube bleibt rational verantwortbar, aber nicht zwingend beweisbar. Gerade diese fehlende Gewissheit bewahrt nach seiner Auffassung die Freiheit des Glaubens und eröffnet Raum für eine persönliche Entscheidung.

Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Swinburne auf hohem philosophischem Niveau deutlich macht, dass die Behauptung, Gottes Existenz sei unwahrscheinlich, nicht selbstverständlich ist. Vielmehr lassen sich gute Gründe anführen, die Gottes Existenz als wahrscheinlicher erscheinen lassen als seine Nichtexistenz.

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