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Koran 37,99–113 und das Opferfest im Islamischen Religionsunterricht

Veröffentlichung:1.1.2013

Der Fachartikel von Mark Chalil Bodenstein ist im Heft ru heute 02 2013 unter dem Titel „Koran 37,99 bis 113 und das Opferfest im Islamischen Religionsunterricht“ erschienen und umfasst etwa 2 Seiten, Seite 42 bis 43. Der Beitrag entwickelt didaktische Anregungen für eine koranorientierte Unterrichtseinheit zum Opferfest in der fünften Klasse. Theologisch behandelt der Artikel vor allem Fragen der Offenheit des Korantextes, der Rolle von Interpretation zwischen Autor Text und Leser, der symbolischen Tiefendimension religiöser Rituale sowie des Verhältnisses von historischer Exegese, gegenwärtiger Lebenswelt und religiöser Deutung.

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Mark Chalil Bodenstein entwirft eine Unterrichtskonzeption zum Opferfest ausgehend von Koran 37,99 bis 113, also der koranischen Erzählung von Ibrahim und der Opferprüfung. Das Opferfest ist vielen Lernenden aus ihrer Lebenswelt vertraut und eignet sich daher als Ausgangspunkt für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Koran. Ziel ist es, sowohl Zugangsweisen zum Korantext einzuüben als auch die symbolische Tiefe des Festes zu erschließen.

Der Korantext wird als offenes Kunstwerk verstanden. Er lädt die Lesenden dazu ein, Bedeutungen zu suchen, ohne eine einzige festgelegte Interpretation zu erzwingen. Exegese bewegt sich in der Spannung zwischen Intention des Autors, Struktur des Werkes und Perspektive der Lesenden. Dabei soll vermieden werden, eine definitive Bedeutung festzuschreiben. Stattdessen geht es um einen symbolischen Modus des Verstehens, der Thesen zulässt, ohne absolute Gewissheit zu beanspruchen.

Da im Religionsunterricht mit Übersetzungen gearbeitet wird, stehen nicht textkritische Detailfragen im Vordergrund, sondern die Deutung des übersetzten Textes im Zusammenhang der Lebenswelt der Lernenden. Übersetzungen sind selbst bereits Interpretationen, weshalb es sinnvoll sein kann, mehrere nebeneinanderzustellen. So wird deutlich, dass jede sprachliche Fassung eine bestimmte Lesart nahelegt.

Didaktisch schlägt der Autor vor, den Text zunächst ohne thematische Vorentlastung in den Raum zu stellen. Lernende sollen ihre Eindrücke äußern, Fragen formulieren und Lücken benennen. Der Text ist eher assoziativ als streng narrativ aufgebaut und enthält Leerstellen, die zur Deutung herausfordern. Diese Offenheit wird als Chance verstanden. Kreative Zugänge und eigenständige Rekonstruktionen der Erzählung stehen am Anfang.

Am Beispiel von Vers 99 zeigt der Autor, wie vielfältig Deutungen sein können. Das anonyme Ich gehe zu meinem Herrn kann als räumliche Bewegung, als Lebensweg oder als innere Hinwendung zu Gott verstanden werden. Erst durch Hinzunahme traditioneller Exegese oder der bekannten Abraham Geschichte verengt sich der Deutungshorizont. So lernen die Lernenden, wie Interpretationen entstehen und wie sie sich historisch entwickelt haben.

Auch die eigentliche Opfergeschichte wird als symbolischer Raum verstanden. Das Schlachten beim Opferfest bleibt äußerlich eine diesseitige Handlung. Durch den symbolischen Bezug auf die Geschichte Ibrahims gewinnt sie spirituelle Tiefe. Im Zentrum steht die Ergebung in den Willen Gottes, die Bereitschaft zum Opfer des Liebsten und zugleich die Barmherzigkeit Gottes, der das Menschenopfer nicht verlangt. Das Ritual wird so als Aktualisierung einer grundlegenden Glaubenserfahrung gedeutet.

Religionsgeschichtlich lässt sich die Erzählung in den größeren Zusammenhang von Opfertraditionen stellen. Der Übergang vom Menschenopfer zum Tieropfer markiert eine neue religiöse Dimension. Der personale Gott fordert und begnadigt. Damit wird der Glaube als Vertrauen in Gottes Willen und Barmherzigkeit sichtbar.

Zugleich eröffnet die Geschichte Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Lernenden. Themen wie Migration, Geduld, Standhaftigkeit oder Vertrauen können im Licht der Abraham Erzählung reflektiert werden. Auch Parallelen zur Auswanderung des Propheten Muhammad können angesprochen werden. So entsteht ein korrelativer Dialog zwischen Text und Gegenwart.

Insgesamt plädiert Bodenstein für einen Unterricht, der Interpretationsfähigkeit fördert und religiöse Kompetenz erweitert. Lernende sollen lernen, Texte zu deuten, zwischen Interpretation und Überinterpretation zu unterscheiden und bestehende Auslegungen kritisch zu prüfen. Der Koran wird nicht als starrer Gesetzestext vermittelt, sondern als vielschichtiger Symbolraum, der zu eigenständigem Nachdenken einlädt und das Verständnis religiöser Rituale vertieft.

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