Der richtige Umgang mit der Bibel
Inhaltliche Zusammenfassung:
Die Bibel ist das meistverbreitete Buch der Welt, wird jedoch sehr unterschiedlich rezipiert: Während manche Christen sie wörtlich nehmen, sehen andere sie kritisch als veraltetes oder gar gefährliches Werk. Dr. Josef Bordat betont im Gespräch, dass die Bibel aus vielen Büchern unterschiedlicher Zeiten besteht und für Christen Jesus Christus der zentrale rote Faden ist.
Wörtliches Verständnis sei problematisch: Wer die Bibel ernst nimmt, dürfe sie nicht wörtlich nehmen, sondern müsse sie kontextbezogen lesen. Die Bibel soll nicht konkrete Handlungsanweisungen liefern, sondern Grundhaltungen und Werte wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit vermitteln. Das mache sie auch heute noch relevant.
Jesus sprach in einfachen Gleichnissen, die zeitlos interpretierbar sind. Gleichnisse wie das vom barmherzigen Samariter müssen in heutige Lebenswelten übertragen werden, etwa auf Hilfe in der U-Bahn statt auf einem Esel in der Wüste.
Auch „harte“ Passagen oder Gottes Zorn müssen historisch und kulturell verstanden werden – nicht als ewige Drohungen, sondern als Ausdruck bestimmter religiöser Kommunikationsformen vergangener Zeiten. Jesus revolutionierte die Auslegung des Gesetzes, indem er sie konsequent in Liebe deutete, ohne die Traditionen aufzugeben.
Angesichts der Vielzahl an Bibelübersetzungen und Auslegungen empfiehlt Bordat einen vergleichenden Zugang, idealerweise unter Einbezug theologischer Fachkenntnisse oder gemeinsam in Bibelkreisen. Die Bibel sei Literatur, aber mehr als nur Literatur: Sie sei Heilige Schrift und zentrale Grundlage des christlichen Glaubens.
Für den Einstieg empfiehlt er, nicht von vorne nach hinten zu lesen, sondern mit dem Neuen Testament zu beginnen und das Alte Testament im Licht des Evangeliums zu erschließen. Die Bibel sollte nicht konsumiert, sondern im Gebet und in Meditation durchdrungen werden – individuell und gemeinschaftlich.