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Abraham im Neuen Testament und in der christlichen Tradition

Veröffentlichung:1.1.2012

Der Fachartikel von Maria Neubrand MC ist im Heft RELIGIONSUNTERRICHTheute 02 2012 auf den Seiten 8 bis 11 erschienen unter dem Titel „Abraham im Neuen Testament und in der christlichen Tradition“. Der Beitrag zeigt, wie Abraham im Neuen Testament als Identitätsfigur Israels verstanden wird und wie Paulus ihn auch für nichtjüdische Christusgläubige als Vater im Glauben deutet. Behandelt werden zentrale theologische Probleme wie Erwählung und Bund, Verhältnis von Israel und Kirche, Glaube und Werke, Beschneidung und Rechtfertigung sowie die Frage nach Substitutionstheologie und bleibender Erwählung Israels.

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Der Artikel stellt dar, dass mit Abraham und Sara nach den biblischen Erzählungen die besondere Geschichte Israels mit dem einen Gott beginnt. Gott offenbart sich als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Diese Gottesbezeichnung prägt das Selbstverständnis Israels und wird im Neuen Testament selbstverständlich übernommen. Auch Jesus und die ersten Christusgläubigen bekennen sich zu diesem Gott. Damit bleibt die Verwurzelung des christlichen Glaubens im Glauben Israels grundlegend.

Abraham ist Identitätsfigur des jüdischen Volkes. In ihm beginnt die Erwählungsgeschichte Israels. Gott ruft ihn aus der Völkerwelt heraus und verheißt ihm Land und zahlreiche Nachkommenschaft. Zugleich ist Abraham von Anfang an zum Segen für die Völker bestimmt. Seine Erwählung ist Gabe und Auftrag. Das Neue Testament setzt diese Bedeutung voraus und kennt keinen anderen Abraham als den der hebräischen Bibel. Die Schriften des Neuen Testaments verstehen das Alte Testament als weiterhin gültige Offenbarung Gottes. Die Verheißungen an Abraham gelten Israel bleibend.

Im Lukasevangelium wird in Magnifikat und Benediktus Gottes Treue zu Abraham und seinen Nachkommen gepriesen. Jesus spricht von Abraham, Isaak und Jakob als Teilhabern am Reich Gottes. Im Bild vom Schoß Abrahams wird Hoffnung auf Geborgenheit bei Gott ausgedrückt. Zugleich wird deutlich, dass die bloße Abstammung von Abraham keine Garantie für Rettung ist. Johannes der Täufer und auch Jesus betonen die Notwendigkeit von Umkehr und einem Leben nach Gottes Willen. Erwählung verpflichtet.

Im Johannesevangelium wird die Berufung auf Abraham kritisch hinterfragt, wenn sie nicht mit dem Handeln im Sinne Gottes übereinstimmt. Der Jakobusbrief betont, dass Glaube ohne Werke tot ist, und verweist auf Abrahams Bereitschaft, Isaak darzubringen. Der Hebräerbrief stellt Abraham als Glaubenszeugen vor, dessen Vertrauen auf Gott beispielhaft ist.

Eine besondere Zuspitzung erhält die Abrahamdeutung bei Paulus im Galaterbrief und im Römerbrief. Paulus argumentiert gegenüber nichtjüdischen Christusgläubigen, dass Abraham nicht nur Vater Israels, sondern auch Vater der Glaubenden aus den Völkern ist. Er stützt sich dabei auf Genesis 15,6, wonach Abraham Gott glaubte und ihm dies als Gerechtigkeit angerechnet wurde. Entscheidend ist für Paulus, dass diese Rechtfertigung vor der Beschneidung geschah. Daraus folgert er, dass auch Nichtjuden ohne Übernahme der jüdischen Gesetzesvorschriften Anteil an den Verheißungen Abrahams haben. Sie sind durch ihren Glauben Kinder Abrahams und Erben der Verheißung. Gleichzeitig betont Paulus, dass diese neue Erwählung die Erwählung Israels nicht ersetzt, sondern an ihre Seite tritt.

Der Artikel zeigt, dass diese paulinische Argumentation die christliche Selbstdeutung nachhaltig geprägt hat. Durch Jesus Christus verstehen sich nichtjüdische Glaubende als in Abraham verankert. Das Zweite Vatikanische Konzil greift diesen Gedanken auf und betont die bleibende geistliche Verbundenheit der Kirche mit dem Volk Israel.

In der christlichen Tradition wurde Abraham zudem allegorisch gedeutet. Die Erzählung vom Besuch der drei Männer bei Abraham wurde als Hinweis auf den trinitarischen Gottesglauben verstanden. Die Bindung Isaaks wurde als Vorausbild des Kreuzestodes Jesu interpretiert. Bildlich wird Abraham häufig als Träger der Gerechten im Schoß dargestellt.

Der Artikel verschweigt jedoch nicht die problematische Wirkungsgeschichte. In der christlichen Tradition entwickelte sich früh die Substitutionstheorie, nach der die Kirche an die Stelle Israels getreten sei. Dadurch wurde Juden die wahre Abrahamkindschaft abgesprochen. Auch neutestamentliche Texte wurden antijüdisch ausgelegt. Gegenwärtige Theologie widerspricht dieser Sicht und betont, dass Gottes Bund mit Israel nicht aufgehoben ist. Das jüdische Volk bleibt nach Gottes Willen das erwählte Volk des Gottes Abrahams.

Für den Religionsunterricht bedeutet dies, dass Lernende Abraham sowohl als jüdische Identitätsfigur als auch als verbindende Gestalt zwischen Judentum und Christentum verstehen sollen. Dabei ist die bleibende Erwählung Israels ebenso zu berücksichtigen wie die Einbindung der Glaubenden aus den Völkern in die Verheißung an Abraham.

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