RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Eulenfisch

Eulenfisch

Besser gemeinsam?

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel „Besser gemeinsam? Zur Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts“ von Jens Feld und Eckhard Nordhofen ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. 6 Seiten (S. 68–73).

Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, ob konfessioneller Religionsunterricht angesichts von Ökumene und religiöser Pluralität noch sinnvoll ist. Dabei werden theologische Probleme wie das Verhältnis von evangelischer und katholischer Kirche, unterschiedliche Kirchen und Sakramentsverständnisse sowie der Umgang mit religiösen Differenzen in einer pluralen Gesellschaft behandelt. Die Autoren argumentieren, dass konfessioneller Religionsunterricht weiterhin notwendig ist, um religiöse Identität zu entwickeln und eine tolerante Begegnung zwischen Religionen zu ermöglichen.

restricted content

Nach Registrierung auf www.eulenfischplus.de erhält man kostenlosen Zugriff auf die Inhalte.

Products

Der Artikel beschreibt zunächst die Entwicklung der ökumenischen Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese habe dazu geführt, dass evangelische und katholische Christen stärker auf das Gemeinsame schauen und frühere Feindseligkeiten überwinden konnten. Viele Fortschritte der Ökumene wären für frühere Generationen kaum vorstellbar gewesen. Dadurch entsteht die Frage, ob konfessionelle Unterschiede heute noch so wichtig sind, dass sie einen getrennten Religionsunterricht rechtfertigen.

Besonders im schulischen Kontext erscheint ein gemeinsamer Religionsunterricht zunächst praktisch. Wenn evangelische und katholische Lernende zusammen unterrichtet würden, müssten Klassen nicht mehr für den Religionsunterricht getrennt werden. Gerade in der Grundschule könnte dadurch die Klassengemeinschaft stabil bleiben und organisatorische Probleme würden reduziert.

Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass es gewichtige Gründe gibt, am konfessionellen Religionsunterricht festzuhalten. Sie verweisen zunächst auf die rechtliche Grundlage in Deutschland. Nach Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes ist Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach, das in Zusammenarbeit zwischen Staat und Religionsgemeinschaften durchgeführt wird. Der Staat stellt den organisatorischen Rahmen bereit, während die Religionsgemeinschaften für die Inhalte verantwortlich sind. Diese Konstruktion entstand nach den Erfahrungen mit totalitären Systemen im 20. Jahrhundert. Sie sollte verhindern, dass der Staat allein über religiöse Bildung entscheidet.

Ursprünglich ging man dabei davon aus, dass die Bevölkerung überwiegend aus evangelischen und katholischen Christen besteht. Inzwischen hat sich die religiöse Situation in Deutschland stark verändert. Neben den christlichen Kirchen gibt es viele Menschen ohne Konfession und zunehmend auch muslimische Lernende. In manchen Schulklassen ist der Anteil muslimischer Kinder sehr hoch. Dadurch wird die Idee eines allgemein gemeinsamen Religionsunterrichts schwieriger, weil die religiösen Unterschiede größer geworden sind.

Die Autoren betonen deshalb die Bedeutung religiöser Bildung für die Gesellschaft. Religion kann sowohl eine Kraft des Friedens als auch eine Quelle von Konflikten sein. Gerade deshalb sei es wichtig, dass junge Menschen religiöse Bildung erhalten und lernen, mit religiösen Differenzen umzugehen. Auch muslimischen Gemeinschaften steht grundsätzlich ein Religionsunterricht nach dem Grundgesetz zu.

Der Artikel beschreibt außerdem die historische Bedeutung von Differenzen in der Religionsgeschichte. In der sogenannten Sattelzeit um etwa 500 vor Christus entwickelte sich die Kritik am Polytheismus. Menschen begannen zu vermuten, dass Götter nur Projektionen menschlicher Bedürfnisse sein könnten. Daraus entwickelte sich in der Tradition Israels der Glaube an einen einzigen Gott, der nicht von Menschen gemacht ist, sondern sich offenbart. Diese Entwicklung zeigt nach Ansicht der Autoren, dass religiöse Differenzen zu wichtigen Erkenntnisprozessen führen können.

Vor diesem Hintergrund wird der Umgang mit Differenzen zu einer zentralen Aufgabe der Gegenwart. In einer religiös pluralen Gesellschaft müssen Menschen lernen, Unterschiede auszuhalten und respektvoll miteinander umzugehen. Die Autoren unterscheiden dabei zwischen schwacher und starker Toleranz. Schwache Toleranz bedeutet, dass man Unterschiede akzeptiert, weil sie einem selbst nicht wichtig sind. Starke Toleranz entsteht dagegen, wenn Menschen eine eigene religiöse Überzeugung besitzen und dennoch andere Überzeugungen respektieren.

Damit Lernende eine solche starke Toleranz entwickeln können, brauchen sie zunächst eine eigene religiöse Identität. Genau hier sehen die Autoren die Aufgabe des konfessionellen Religionsunterrichts. Er ermöglicht es Lernenden, ihre eigene religiöse Tradition kennenzulernen und zu verstehen. Erst auf dieser Grundlage kann ein respektvoller Dialog mit anderen Religionen entstehen.

Trotz vieler Gemeinsamkeiten bestehen weiterhin Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Diese betreffen zum Beispiel das Verständnis von Kirche, das Amtsverständnis und die Bedeutung der Sakramente. Besonders in der katholischen Kirche haben Sakramente eine zentrale Rolle als Ausdruck des göttlichen Geheimnisses, während dies im evangelischen Christentum anders gestaltet ist. Diese Unterschiede sind nach Ansicht der Autoren nicht nur trennend, sondern können auch produktiv sein.

Die Geschichte des Monotheismus zeigt, dass Differenzen oft Motor für religiöse und theologische Entwicklungen waren. Auch innerhalb des Christentums können unterschiedliche Perspektiven zu neuen Einsichten führen. Deshalb kann es sinnvoll sein, konfessionelle Unterschiede nicht einfach aufzulösen, sondern sie im Dialog miteinander zu reflektieren.

Für die Schule bedeutet dies, dass konfessioneller Religionsunterricht weiterhin eine wichtige Rolle spielen kann. Er ermöglicht eine klare religiöse Profilbildung und schafft zugleich die Grundlage für einen respektvollen Umgang mit anderen religiösen Überzeugungen. In einer zunehmend pluralen Gesellschaft wird eine solche Differenzpädagogik zu einer zentralen Aufgabe.

Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass die Zeit eines profilierten konfessionellen Religionsunterrichts nicht vorbei ist. Im Gegenteil fordern die gesellschaftlichen Veränderungen eher eine Stärkung dieser Form religiöser Bildung.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 2. Der Mensch und seine Mitmenschen.

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.