Das Interview beleuchtet die Situation der katholischen Kirche in der heutigen Türkei, einem Land mit reichem christlichen Erbe. Papst Johannes Paul II. bezeichnete die Türkei einst als „Heiliges Land der Kirche“. Orte wie Antiochia oder Smyrna (heute Izmir) spielten eine zentrale Rolle im frühen Christentum. Heute machen Christen dort jedoch nur noch einen verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung aus.
Erzbischof Martin Kmetec, geboren 1956 im damaligen Jugoslawien, schildert seinen Weg zum Priestertum in einem kommunistischen Umfeld, das Religion benachteiligte, aber nicht offen verfolgte. Seine Berufung wurde durch franziskanische Einflüsse geprägt. Nach Stationen im Libanon und Istanbul wurde er 2020 Erzbischof von Izmir – eine kleine Diözese mit etwa 5.000 Gläubigen auf einer Fläche von 100.000 km².
Zentrale Aufgaben der Kirche in der Türkei:
Seelsorge und Glaubensverkündigung trotz kleiner Zahl und beschränkter Freiheiten.
Übersetzung liturgischer Texte ins Türkische (z. B. neues Messbuch).
Katechese und Ausbildung von Katechumenen.
Medienarbeit und Publikationen, z. B. zu Ehe, Evangelien, Heiligenleben.
Herausforderungen:
Fehlende gesellschaftliche Anerkennung von Christen.
Vorurteile und falsche Bilder in Medien.
Kein öffentlicher Missionseifer möglich; Evangelisierung erfolgt vor allem über persönliche Begegnungen, Internet und Literatur.
Ökumene:
Gute Zusammenarbeit mit orthodoxen, armenischen und anglikanischen Kirchen, z. B. bei gemeinsamer Nutzung von Kirchenräumen.
Anregung für Christen im Westen:
Touristen könnten zur Sichtbarkeit der Kirche beitragen, indem sie nicht nur Strände, sondern auch christliche Orte besuchen und sich für die Geschichte und Gegenwart der einheimischen Christen interessieren.