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Die Mysterien Gottes erlebbar machen

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel „Die Mysterien Gottes erlebbar machen“ (Interview mit Eckhard Nordhofen) ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 3 Seiten (S. 71–73).

Der Beitrag behandelt zentrale Fragen zur Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts. Thematisiert werden theologische Probleme wie die Bedeutung der Inkarnation, das Verständnis von Gottes Geheimnis, die Theodizeefrage sowie das Verhältnis von religiöser Praxis und religiösem Lernen. Der Autor argumentiert, dass konfessioneller Religionsunterricht notwendig ist, damit Lernende eine eigene religiöse Identität entwickeln und das christliche Mysterium nicht nur theoretisch, sondern auch erfahrungsbezogen kennenlernen.

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Im Interview erläutert Eckhard Nordhofen seine Gründe für die Unterstützung eines konfessionellen Religionsunterrichts. Ausgangspunkt sind seine eigenen Erfahrungen im schulischen Bereich. Er betont, dass ein profilierter Religionsunterricht nicht allein aus der Lebenswelt der Lernenden entwickelt werden kann. Zentrale Inhalte des christlichen Glaubens wie die Inkarnation Gottes in Jesus Christus gehören nicht zur alltäglichen Erfahrung von Kindern. Deshalb müsse Religionsunterricht diese Inhalte bewusst vermitteln und sie in Beziehung zur Kirche setzen. Nur in einem klar konfessionellen Bezug könne das Christentum angemessen verstanden werden.

Nordhofen widerspricht der Idee, Lernende besonders in den ersten Grundschuljahren im Klassenverband gemeinsam zu unterrichten. Stattdessen plädiert er für einen sogenannten mystagogischen Ansatz. Dieser Ansatz geht davon aus, dass religiöse Wirklichkeit nicht nur durch Erklärungen verstanden werden kann, sondern auch durch eigene Erfahrungen. Bestimmte Lebensbereiche wie Liebe oder Religion erschließen sich erst, wenn Menschen sie selbst erleben. Deshalb ist es für den Religionsunterricht wichtig, religiöse Praxis erfahrbar zu machen.

Dabei geht es nicht um eine Rückkehr zu einem rein katechetischen Unterricht, wie er vor der Würzburger Synode diskutiert wurde. Nordhofen betont, dass die Synode nie beabsichtigt habe, Religionsunterricht und kirchliche Praxis vollständig zu trennen. Vielmehr habe sich der Religionsunterricht damals stark an schulischen Argumenten orientiert, weil seine Existenz begründet werden musste. Inzwischen habe sich die Situation verändert. Für viele Lernende ist der Religionsunterricht heute die erste und oft einzige Begegnung mit dem Christentum.

Daraus ergibt sich nach Nordhofen die Notwendigkeit, den Religionsunterricht stärker theologisch auszurichten. Es geht nicht nur um allgemeine Religiosität, sondern um den biblischen Glauben an Gott. Dieser Glaube stellt eine Alternative zu einer rein auf Bedürfnisse ausgerichteten Religiosität dar. Ein Beispiel dafür zeigt sich in der Erfahrung von Leid und Tod. Wenn ein Kind hört, dass Gott lieb ist, aber trotzdem ein geliebter Mensch stirbt, entsteht eine schwierige Frage nach Gottes Güte und Macht. Diese Problematik führt zur klassischen Theodizeefrage, also zur Frage, wie ein guter und allmächtiger Gott Leid zulassen kann.

Nordhofen betont, dass der biblische Gott nicht vollständig verstanden werden kann. Gott bleibt ein Geheimnis, dessen Wege sich dem Menschen oft entziehen. Gleichzeitig verkündet das Johannesevangelium, dass Gott den Menschen in Liebe nahe ist. Diese Spannung gehört zum christlichen Glauben und muss im Religionsunterricht thematisiert werden.

In der Grundschule kann diese Auseinandersetzung jedoch nicht über komplexe theologische Texte erfolgen. Stattdessen sollte das Geheimnis Gottes auf einer erfahrungsbezogenen Ebene vermittelt werden. Hier kommt die Bedeutung einer ganzheitlichen Pädagogik zum Tragen. Religiöse Erfahrungen können durch Symbole, Rituale und Materialien vermittelt werden. Gegenstände wie Tücher, Kerzen, Blumen oder Steine können Lernprozesse unterstützen, weil sie eine sinnliche Annäherung an religiöse Inhalte ermöglichen.

Nordhofen hebt außerdem die besondere Bedeutung der kirchlichen Symbol und Ritualsprache hervor. Die Kirche verfügt über eine eigene Form der Kommunikation, die über Worte hinausgeht. Dazu gehören Gottesdienste, liturgische Gewänder, das Kirchenjahr, gemeinsames Gebet und religiöse Musik. Diese Ausdrucksformen machen das Geheimnis Gottes erfahrbar und zeigen, dass Gott nicht einfach ein Gegenstand der Welt ist, sondern ein unverfügbares Geheimnis.

Dabei warnt Nordhofen davor, religiöse Symbolik als rückwärtsgewandt zu betrachten. Die Erfahrung von Mysterium ist für ihn ein zentraler Bestandteil des biblischen Glaubens. Sie bewahrt Menschen davor, die Welt als vollständig erklärbar und kontrollierbar zu betrachten. Religiöse Rituale und Symbole eröffnen deshalb Räume der Freiheit und des Staunens.

Diese Überlegungen stehen in engem Zusammenhang mit dem Konzept der Differenzpädagogik. In einer zunehmend pluralen Gesellschaft begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen. Neben katholischen und evangelischen Christen gibt es auch viele konfessionslose Menschen und zunehmend Muslime. In dieser Situation ist es unrealistisch, religiöse Unterschiede einfach aufzulösen.

Stattdessen besteht die Aufgabe darin, einen friedlichen Umgang mit diesen Differenzen zu lernen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Lernende zunächst ihre eigene religiöse Tradition kennenlernen. Erst wenn sie mit ihrer eigenen Religion vertraut sind, können sie einen echten Dialog mit anderen Religionen führen. Einen interreligiösen Dialog bereits in der Grundschule zu führen hält Nordhofen deshalb für wenig sinnvoll.

Zum Schluss äußert sich Nordhofen auch zur Diskussion über kompetenzorientierten Unterricht und Bildungsstandards. Er sieht darin zwar neue Begriffe und Konzepte, betont aber, dass guter Unterricht im Kern immer ähnliche Ziele verfolgt. Wichtig ist vor allem, dass Lerninhalte eine Verbindung zum Leben der Lernenden haben. Gleichzeitig darf der Religionsunterricht seine spezifischen Inhalte nicht verlieren. Die biblische Religion ist eine Offenbarungsreligion und kann nicht allein aus menschlichen Erfahrungen erklärt werden.

Deshalb kommt es im Religionsunterricht vor allem auf die Inhalte an. Die Aufgabe der Methodik besteht darin, diese Inhalte so zu vermitteln, dass sie für Lernende verständlich und bedeutsam werden. Religionsunterricht muss daher sowohl lebensweltlich anschließen als auch theologische Inhalte ernst nehmen.

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