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Eulenfisch

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Die Casula im bewegten heiligen Spiel der Liturgie

Veröffentlichung:1.1.2011

Der Artikel „Die Casula im bewegten heiligen Spiel der Liturgie“ von Karl Heinz König ist im Heft ru heute enthalten und umfasst 4 Seiten, von Seite 84 bis 87. Der Beitrag beschreibt die geschichtliche Entwicklung der Casula als liturgisches Gewand von der frühen Kirche bis zur Gegenwart. Dabei zeigt der Autor, wie sich Bedeutung, Form und Gestaltung des Messgewandes im Zusammenhang mit Liturgie, Kirchenverständnis und Kunst verändert haben. Theologisch behandelt der Fachartikel vor allem die Fragen nach der Würde der Liturgie, der Rolle des Priesters, dem Verhältnis von Amt und Gemeinde, der Christusförmigkeit des Zelebranten sowie der Bedeutung von Symbolen, Farben und Bildern im Gottesdienst.

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Der Artikel zeichnet die Geschichte der Casula als liturgisches Gewand des Priesters nach und zeigt, dass sie auf eine sehr lange Tradition zurückgeht. Ihre Ursprünge liegen in der festlichen Kleidung der römischen Antike. Tunika und Casula waren zunächst Bestandteile der gehobenen Profankleidung. Die Casula war ein mantelartiger Überwurf, der Schutz bot und zugleich die Person kennzeichnete. Auch die Tunika blieb in veränderter Form in der liturgischen Kleidung erhalten und wurde zum Vorbild der Albe.

Für die frühe Kirche vor der Konstantinischen Wende betont der Artikel, dass es noch keine ausgeprägte liturgische Sonderkleidung für Amtsträger gab. Im Vordergrund stand die Gleichheit aller Getauften. Der Gottesdienst war noch weniger durch Repräsentation als durch gemeinsames Gebet, Unterweisung und Verkündigung geprägt. Das weiße Gewand der Getauften besaß eine wichtige symbolische Bedeutung. Erst nach der Konstantinischen Wende veränderte sich der Charakter des Gottesdienstes. Er wurde stärker repräsentativ verstanden und orientierte sich teilweise an alttestamentlichen Kultvorstellungen. In diesem Zusammenhang entwickelten sich besondere Gewänder für die verschiedenen kirchlichen Ämter. Die Casula wurde seit dem Hochmittelalter zum typischen Gewand von Priester und Bischof bei der Messfeier, während der Diakon die Dalmatika trug.

Im Lauf der Zeit trat der ursprüngliche Charakter des Gewandes zurück und seine Funktion als Träger liturgischer Symbole gewann an Bedeutung. Da der Priester mit dem Rücken zur Gemeinde zelebrierte, wurde besonders die Rückseite des Messgewandes wichtig. Sie wurde zum Bildträger, während die Gläubigen von der eigentlichen Feier oft nur die Hochhebung von Hostie und Kelch sahen. Hinzu kamen die liturgischen Farben, die je nach Fest und Kirchenjahreszeit unterschiedliche Bedeutungen trugen. Rot stand etwa für Märtyrer und Pfingsten, Schwarz für Trauer, Violett für Buße, Gold oder Gelb für Licht und Ewigkeit und Grün für das Leben und die Sonntage im Jahreskreis. Dieser Farbkanon wurde im Mittelalter gefestigt und in der Neuzeit verbindlich geregelt.

Der Artikel beschreibt dann die Veränderungen durch die tridentinische Reform. Diese wollte bestimmte Formen einer übersteigerten Schaufrömmigkeit zurückdrängen. Besonders Karl Borromäus forderte eine größere Nüchternheit und Zurückhaltung bei der Gestaltung liturgischer Gewänder. Figurenschmuck und reiche Ornamente sollten reduziert werden. Dieser Purismus setzte sich aber nicht überall vollständig durch. Auch in späteren Jahrhunderten blieben reich verzierte Messgewänder mit Bildern, Symbolen und Ornamenten in Gebrauch. Zugleich wurde stärker betont, dass das Gewand nicht der Selbstdarstellung des Priesters dienen solle. Vielmehr solle der Träger sich selbst zurücknehmen und das Gewand als Zeichen seiner Ausrichtung auf Christus verstehen. Die traditionellen Ankleidegebete machen deutlich, dass das liturgische Gewand mit Reinigung, Heil und geistlicher Haltung verbunden ist.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels liegt auf der Herstellung der Paramente. Über viele Jahrhunderte waren besonders Frauenklöster Zentren qualitätsvoller Textilkunst. Dort entstanden in geduldiger Handarbeit aufwendig bestickte Messgewänder mit biblischen Szenen und christlichen Symbolen. Als Vorlagen dienten Buchmalerei, Tafelbilder, Grafiken und Glasmalerei. Besonders anspruchsvoll waren Darstellungen wie Verkündigung, Passion, Auferstehung und Himmelfahrt. Einfachere Symbole wie Kelch, Hostie oder Christusmonogramme waren leichter herzustellen. Weil Material und Arbeitsaufwand teuer waren, brauchte es oft wohlhabende Stifter. Vor allem bedeutende Kirchen und Klöster wurden mit solchen kostbaren Gewändern ausgestattet. Später bemühten sich auch Pfarrgemeinden um eigene Paramente und gründeten Vereine zur Herstellung liturgischer Textilien. Neben guter Handwerkskunst entstand dabei auch manches Mittelmaß. Außerdem gab es in Residenzstädten kunsthandwerkliche Werkstätten, die ebenfalls hochwertige Paramente herstellten.

Im 19. Jahrhundert kam es im Zuge neuer kirchlicher und kunstgeschichtlicher Interessen zu einer Wiederbelebung der Beschäftigung mit mittelalterlichen Formen und Techniken. Kirchliche Kunstvereine und Ausstellungen förderten die Reform der Paramentik. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts suchte die Werkkunstbewegung nach einer zeitgemäßen Gestaltung, die sich vom bloßen Historismus lösen sollte.

Einen entscheidenden Einschnitt brachte das Zweite Vatikanische Konzil. Die Liturgiereform wollte die bewusste Mitfeier und die tätige Teilnahme der Gläubigen stärken. Die Liturgie wurde in der Volkssprache gefeiert und der Priester stand nun der Gemeinde zugewandt am Altar. Dadurch verlor die Rückseite des Messgewandes ihre frühere Sonderrolle. Gleichzeitig kehrte man wieder stärker zur weiten Form der Casula zurück, die als besonders würdevoll galt.

Der Autor fragt auch nach dem Verhältnis von Kirche und moderner Kunst. Er nennt Beispiele, in denen bedeutende Künstler moderne Messgewänder entwarfen, etwa Henri Matisse und Alfred Manessier. Einen besonderen Höhepunkt sieht er in der Ausstellung CASULA von 1992 in Köln, bei der internationale Gegenwartskünstler Caseln gestalteten. An ausgewählten Beispielen zeigt der Artikel unterschiedliche Wege moderner religiöser Kunst. Georg Meistermann arbeitet mit klarer christlicher Symbolik. Gregoriy Amenoff greift mit seinem Karfreitagsmotiv noch erkennbar christliche Bildsprache auf. Markus Lüpertz wählt eine offenere Form, die Deutungsspielräume lässt. Heinz Mack setzt auf Farbe, Licht und Abstraktion statt auf figürliche Darstellung.

Am Ende betont der Artikel, dass liturgische Gewänder nicht nur einzelne Kunstobjekte sind. Sie gehören in das Gesamtereignis der Liturgie. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Farbe, Form, Bewegung, Sprache, Musik, Wahrnehmung und gemeinschaftlichem Handeln. Die Casula ist deshalb nicht nur historisches Kleidungsstück oder dekoratives Objekt, sondern Teil des heiligen Spiels der Liturgie. Sie trägt dazu bei, den Unterschied zwischen Alltag und Gottesdienst erfahrbar zu machen und die Feier als heiligen Raum wahrzunehmen.

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