Claudia Gärtner untersucht in ihrem Artikel drei zentrale Herausforderungen für performatives Lernen im Religionsunterricht. Erstens thematisiert sie die Ästhetisierung und Digitalisierung jugendlicher Selbstdarstellung, exemplifiziert durch die Selfie-Kultur und Instagram-Praktiken. Sie argumentiert, dass Jugendliche als professionelle Performer tätig sind und permanente Rückmeldungen für ihre Selbstdarstellung erhalten. Dies stellt performatives Lernen vor die Frage, wie das Fremde und Andere von Religion in subjektzentrierten Prozessen eingeholt werden kann. Zweitens analysiert Gärtner religiösen und weltanschaulichen Pluralismus in drei Aspekten: Religionspluralismus erfordert differenzierte Grenzmarkierungen bei interreligiösen Lernsettings; Konfessionslosigkeit zwingt zu Inszenierungen im Modus des „als ob"; Fundamentalismus stellt die Herausforderung dar, fremde Erfahrungsräume zu öffnen. Drittens erörtert sie Inklusion im Zusammenhang mit kognitiver Leistungsfähigkeit und zeigt auf, dass die notwendige Reflexion performativen Handelns bei Schülern mit Förderschwerpunkt Lernen prekär ist. Im Fazit plädiert Gärtner dafür, performatives Lernen als alteritätsorientierte Lernprozesse zu verstehen, die religiöse Fremdheit bewahren, statt sie zu überwinden. Sie fordert, dass Lehrpersonen und religionspädagogische Theoriebildung die Offenheit performativer Zugänge mit hermeneutisch-religiöser und theologischer Deutungskompetenz verbinden müssen, ohne dabei religiöse Weltdeutungen in ihrer Fremdheit einzuebnen.