RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Eulenfisch

Eulenfisch

Time to Say Goodbye

Veröffentlichung:1.1.2013

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Die Zeit in der zeitgenössischen Kunst“ von August Heuser erschienen und umfasst etwa 3 Seiten (S. 86 bis 88). Der Artikel zeigt anhand ausgewählter Werke zeitgenössischer Künstler, wie das Thema Zeit in der modernen Kunst dargestellt und reflektiert wird. Behandelt werden dabei insbesondere theologische Fragen nach Vergänglichkeit, Ewigkeit, Sinn der Zeit, Gegenwart Gottes und dem Verhältnis von menschlicher Zeit und Heilszeit.

restricted content

Nach Registrierung auf www.eulenfischplus.de erhält man kostenlosen Zugriff auf die Inhalte.

Products

Der Artikel beschäftigt sich mit der Bedeutung der Zeit in der zeitgenössischen bildenden Kunst. Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass Zeit für Menschen schwer zu fassen ist. Sie vergeht ständig, lässt sich nicht aufhalten und steht zugleich in enger Verbindung mit der Vergänglichkeit des Lebens. Diese grundlegende Erfahrung wird in verschiedenen Kunstwerken moderner Künstler thematisiert und reflektiert.

Der österreichische Künstler Leo Zogmayer gestaltet eine Uhr ohne Ziffern, auf deren Zifferblatt nur das Wort Jetzt steht. Damit verschiebt sich die Bedeutung der Uhr von der Messung der Zeit hin zur Konzentration auf den gegenwärtigen Moment. Für Zogmayer ist entscheidend, dass der Mensch im Jetzt handelt und Verantwortung übernimmt. Der gegenwärtige Moment wird als Ort menschlicher Präsenz verstanden. Gleichzeitig wird ein theologischer Gedanke sichtbar, denn auch das göttliche Handeln geschieht nach christlichem Verständnis immer im Jetzt.

Der japanische Künstler On Kawara beschäftigt sich mit dem fortlaufenden Charakter der Zeit. In seinem Werk One Million Years werden Zahlen von eins bis eine Million vorgelesen und dabei jeweils mit den Angaben vor Christus oder nach Christus verbunden. Die lange und monotone Lesung erzeugt eine meditative Atmosphäre und lässt Zuhörende den endlosen Fluss der Zeit wahrnehmen. Ein weiteres bekanntes Werk Kawaras sind seine Datumsbilder. Dabei malt er auf einfarbige Bildflächen jeweils das Datum des Tages, an dem das Bild entstanden ist. Die Bilder markieren Zeitpunkte, ohne deren Bedeutung zu erklären. Dadurch wird deutlich, wie viele Tage der menschlichen Geschichte letztlich ohne besondere Erinnerung vergehen.

Joseph Beuys setzt sich in seiner Installation Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch intensiver mit der Frage nach dem Sinn der Zeit auseinander. Das komplexe Kunstwerk besteht aus vielen Objekten, die symbolisch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darstellen. Ein Bergsegment steht für den kosmischen Ursprung der Welt, während ein Kompass die von Menschen gestaltete Welt symbolisiert. Zwischen diesen Polen steht das menschliche Handeln in Technik und Kultur. Beuys verbindet diese Gedanken mit biblischen Motiven wie den Figuren Kain und Abel. Das Werk verweist schließlich mit dem Symbol des Hirsches auf Christus. So entsteht eine Deutung der Zeit, die Anfang, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet und auf eine spirituelle Dimension verweist.

Der Künstler Daniel Bräg arbeitet mit Motiven aus der Natur wie Früchten, Kräutern oder Blumen. Seine Installationen zeigen Prozesse des Wachsens, Reifens und Vergehens. Damit knüpfen sie an die Tradition der Vanitas Darstellungen der Kunstgeschichte an, die an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern. Bräg nutzt moderne Formen wie Einmachgläser oder Kühlschränke, in denen Lebensmittel konserviert werden. Dadurch wird sichtbar, wie Menschen versuchen, Vergänglichkeit aufzuhalten. Gleichzeitig erinnern diese Werke daran, dass mitten im Leben immer auch der Tod präsent ist. In kirchlichen Räumen gestaltet Bräg Werke aus medizinischen Materialien, die auf Heilung und Hoffnung verweisen und damit auf Jesus Christus als Heiland und auf eine Zukunft jenseits von Tod und Verfall.

Christian Marclay schließlich greift das Thema Zeit in seinem Video The Clock auf. Der Film besteht aus tausenden Filmszenen aus der Geschichte des Kinos. In jeder Szene erscheint eine Uhr, die genau der realen Zeit entspricht, zu der das Video abgespielt wird. Dadurch erleben die Betrachtenden Zeit gleichzeitig als reale Gegenwart und als filmische Inszenierung. Die vielen Szenen verbinden sich im Kopf der Betrachtenden zu einer scheinbaren Geschichte. Zeit wird hier zu einer Konstruktion aus Erinnerung, Wahrnehmung und Emotion.

Am Ende des Artikels wird deutlich, dass Zeit nicht nur ein Thema der Kunst ist, sondern auch eine zentrale Dimension religiöser Erfahrung. In der Bibel spielt Zeit eine wichtige Rolle zwischen Heilszeit und Endzeit. Deshalb ist das Thema auch für den Religionsunterricht bedeutsam. Lernende erfahren Zeit in ihrem Alltag oft als knapp oder belastend, etwa wenn sie sagen, dass sie keine Zeit haben. Kunst kann helfen, über diese Erfahrungen nachzudenken und die eigene Existenz im Fluss der Zeit zu reflektieren. Letztlich erinnert der Artikel daran, dass menschliches Leben zeitlich begrenzt ist und am Ende der Zeit in eine andere Wirklichkeit übergeht.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.