Der Artikel beschreibt das Verhältnis von Mensch und Tier als tief widersprüchlich. In modernen Gesellschaften schwankt es zwischen zwei Extremen. Einerseits werden Tiere verdinglicht, wirtschaftlich ausgebeutet und als bloße Rohstofflieferanten behandelt. Andererseits werden sie verniedlicht, verkitscht und teilweise vermenschlicht. Beide Sichtweisen verfehlen nach Auffassung des Autors das Wesen des Tieres. Er will deshalb eine verlorengegangene Dimension zurückgewinnen, die dem Menschen und den Tieren gleichermaßen gerecht wird.
Zu Beginn beschreibt der Text verschiedene Einstellungen zum Fleischkonsum. Manche Menschen leben vegetarisch oder vegan und verstehen dies als moralisch richtige Haltung. Andere halten Fleischessen für selbstverständlich, natürlich und kulturell verankert. Wieder andere wollen Fleisch zwar essen, aber möglichst ohne an das getötete Tier erinnert zu werden. Gerade diese Haltung begünstigt nach Ansicht des Autors eine Fleischindustrie, die Tiere weitgehend nach den Regeln des Marktes behandelt. Das Tier wird zum Produzenten von Fleisch, Eiern, Milch oder Leder. Die idyllischen Bilder auf Verpackungen stehen dabei in starkem Gegensatz zur Realität industrieller Tierhaltung. So zeigt sich eine Form der Ausbeutung, die kaum noch nach dem Wohl des Tieres fragt.
Gleichzeitig beobachtet der Autor eine gegenteilige Tendenz. Tiere erscheinen in Filmen, Geschichten und Spielwaren als niedlich und liebenswert. Haustiere werden oft stark umsorgt, emotional aufgewertet und fast wie Familienmitglieder behandelt. Damit verbindet sich eine Vermenschlichung des Tieres, die ebenso problematisch ist wie seine Verdinglichung. Während einige Tiere geliebt und verwöhnt werden, vegetieren andere in Versuchslaboren oder in der Massentierhaltung. Das Verhältnis des Menschen zum Tier bleibt dadurch widersprüchlich und von Willkür geprägt.
Der Autor weitet diese Beobachtung auf das Verhältnis des Menschen zu sich selbst aus. Auch der Mensch steht seiner eigenen Natur widersprüchlich gegenüber. Einerseits versteht er sich als bloßes Naturwesen und Tier unter Tieren. Andererseits versucht er, alles Naturhafte in sich zu kontrollieren, technisch zu beherrschen und zu überwinden. Geburt, Sterben, Altern, Körperlichkeit und Sexualität werden aus dem unmittelbaren Lebenszusammenhang herausgelöst und zunehmend technisch organisiert oder kulturell überformt. Der Mensch entfremdet sich dadurch nicht nur von der Natur außerhalb seiner selbst, sondern auch von seiner eigenen Natürlichkeit.
Im nächsten großen Schritt fragt der Artikel nach dem eigentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Aus biblischer Sicht sind Mensch und Tier beide Geschöpfe Gottes. Der Mensch nimmt jedoch eine besondere Stellung ein, weil Gott mit ihm in Beziehung tritt und ihm Freiheit schenkt. Daraus ergibt sich Verantwortung. Der Auftrag, über die Tiere zu herrschen, darf deshalb nicht als Recht zur Ausbeutung verstanden werden, sondern als Verpflichtung zur Fürsorge. Mensch und Tier gehören gemeinsam zur Schöpfung und teilen die Welt miteinander.
Auch die klassische Philosophie wird herangezogen. Der Mensch ist nach dieser Tradition ein vernünftiges und sprachfähiges Lebewesen. Er gehört also zum Tierreich, unterscheidet sich aber dadurch, dass er sein Leben nicht bloß lebt, sondern führen muss. Tiere folgen ihrer Natur, Menschen müssen sich zu ihrer Natur verhalten. Sie können Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und nach dem guten Leben fragen. Deshalb kann ein Mensch nicht einfach sagen, er sei eben so. Er ist nie nur das, was ihm vorgegeben ist, sondern immer auch das, was er aus sich macht.
Darin erkennt der Autor einen grundlegenden Unterschied. Tiere leben in der Gegenwart und folgen ihrer artgemäßen Lebensform. Menschen dagegen leben in einem größeren zeitlichen Horizont. Sie erinnern sich an ihre Vergangenheit, entwerfen Zukunft und wissen um ihre Endlichkeit. Gerade das Wissen um den Tod macht es möglich, das eigene Leben als Ganzes zu betrachten und nach seinem Gelingen zu fragen. Menschen haben deshalb nicht nur ein Dasein, sondern einen Lebenslauf, eine Biographie. Diese Offenheit macht große kulturelle Leistungen möglich, aber auch schwere Verbrechen. Der Mensch kann gut oder böse handeln. In dieser Freiheit liegt seine besondere Würde, aber auch seine besondere Gefährdung.
Trotz dieser Differenz betont der Autor auch die Nähe zwischen Mensch und Tier. Tiere können Gefährten des Menschen sein, ihn nähren, schützen, entlasten und trösten. Menschen können zu Tieren eine echte Beziehung entwickeln und um sie trauern. Diese Nähe darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tiere anders leben als Menschen. Der neuzeitliche Dualismus von Geist und Materie hat dieses Verhältnis zusätzlich verschärft. Seit Descartes wurden Tiere oft auf bloße Materie reduziert, während der Mensch als Geistwesen erschien. Als Gegenreaktion entstand dann die gegenteilige Überbetonung der Nähe zwischen Mensch und Tier. Beide Extreme bestehen heute nebeneinander fort.
Als Ausweg schlägt der Autor vor, die Welt des Lebendigen neu in den Blick zu nehmen. Menschen und Tiere gehören beide zu dieser Welt, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Weil der Mensch in Freiheit handelt und die gemeinsame Welt gestaltet, trägt er eine besondere Verantwortung für das Leben. Diese Verantwortung darf nicht in Willkür umschlagen, sondern muss sich an dem orientieren, was für Lebewesen wirklich gut ist. Daraus ergibt sich eine neue ökologische Perspektive. Der Mensch soll die Welt nicht nur nutzen, sondern als gemeinsames Haus verstehen, das er mit anderen Lebewesen teilt.
Diese Sicht verändert auch den Umgang mit Tieren. Sie sind dann weder bloße Dinge noch Ersatzmenschen, sondern Tiere mit einem eigenen Wert und einer eigenen Lebensweise. Wer verantwortlich lebt, fragt nicht nur nach menschlichen Interessen, sondern danach, was für ein Tier als Tier gut ist. Zugleich verlangt diese Verantwortung, dass der Mensch auch seine eigene Natur ernst nimmt und sich nicht vollständig von ihr abspaltet. Der Autor fasst dies in dem Gedanken zusammen, dass man nur dann wirklich menschlich leben kann, wenn man auch den Tieren erlaubt, tierlich zu leben.
Am Ende warnt der Artikel davor, dass die Spannungen zwischen Natur und Kultur weiter wachsen könnten, wenn der Mensch seine Verantwortung nicht wahrnimmt. Dann drohe eine Entwurzelung des Menschen von seiner eigenen Lebenswelt. Der Text plädiert deshalb für ein erneuertes Verständnis von Mensch, Tier und Natur, das von Gemeinschaft, Verantwortung und Achtung vor allem Lebendigen geprägt ist.