Der Roman folgt Eva Gruber, die von der Polizei in eine psychiatrische Klinik in Wien eingewiesen wird, wo sich die Grenzen zwischen Verantwortung und Unschuld sowie zwischen Realität und Konstruktion verwischen. Lehners Werk verbindet die Sphären von Staat, Religion und dysfunktionaler Familie nicht nur strukturell durch Kapitelüberschriften („Der Vater", „Der Sohn", „Der Heilige Geist"), sondern auch thematisch durch zentrale Fragen zu Identität, Heimat als Ort von Trauma und dem Konflikt zwischen Verantwortung und Rettung.
Das zentrale erzählerische Merkmal ist die Verwendung einer unzuverlässigen Erzählinstanz. Dabei manifestiert sich eine paradoxe Doppelstruktur: Während Eva ihre Umwelt verzerrt darstellt und die Erzählstruktur selbst instabil ist, agiert sie gleichzeitig stringent, kalkuliert und verfolgt ihre Ziele präzise. Diese kontrolierte Unzuverlässigkeit verleiht dem Text trotz inhaltlicher Brüche eine kohärente innere Logik. Die Sprache balanciert zwischen Komik und Tragik, zwischen grotesken Überzeichnungen und schelmischem Humor, wodurch Vertrautes ins Absurde kippt.
Im Zentrum stehen drei gesellschaftliche Säulen, die Eva unterdrücken: eine traumatisierte, dysfunktionale Familie mit schwachem Vater und Bruder; eine Religion, verkörpert durch moralisch fragwürdige Pfarrer und verschlossene Kirchen; und der österreichische Staat in Gestalt von Polizei und Psychiater. Diese drei patriarchalen Gewalten – Vater, Gottvater, Vaterland – üben Macht und Kontrolle aus. Die Textanalyse deutet an, dass Eva selbst, die biblische „Männin", durch ihre subversiven Strategien möglicherweise zur Befreiung oder „Erlösung" führen könnte.