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Europas Verantwortung und die Gabe der Hoffnung

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel „Europas Verantwortung und die Gabe der Hoffnung“ von Holger Zaborowski ist im Heft ru heute unter dem Titel „Flucht in die Fremde“ enthalten. Der Artikel umfasst 5 Seiten. Er behandelt theologische und ethische Probleme wie Flucht und Vertreibung, Menschenwürde, Verantwortung gegenüber dem Fremden, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Hoffnung sowie die Frage nach der Identität Europas. Die Hauptthese lautet, dass Flüchtende nicht nur Hilfe brauchen, sondern Europa auch an seine eigenen Werte und an die Bedeutung von Hoffnung erinnern.

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Der Artikel beginnt mit einer eindringlichen Beschreibung des Traumas der Flucht. Flucht und Vertreibung gehören zur Menschheitsgeschichte und reichen bis in die Gegenwart. Menschen verlieren durch Krieg, Gewalt, politische Konflikte, wirtschaftliche Ungerechtigkeit oder Naturkatastrophen ihre Heimat und werden gezwungen, ins Ungewisse aufzubrechen. Dabei verlieren sie nicht nur ihren Wohnort, sondern oft auch Sicherheit, Vertrauen und das Gefühl, irgendwo wirklich zuhause zu sein. Die Erfahrungen von Angst, Scham, Verlust und Gewalt wirken lange nach. Selbst wenn Geflüchtete an einem neuen Ort ankommen, bleibt die frühere Heimat innerlich präsent. Viele leben in einem Zustand zwischen Vergangenheit und Zukunft, ohne sichere Perspektive.

Vor diesem Hintergrund wendet sich der Autor Europa zu. Er macht deutlich, dass die Flüchtlingsfrage nicht nur ein politisches, sondern auch ein moralisches und geistiges Thema ist. In den Bildern von überfüllten Booten, ertrunkenen Menschen und erschöpften Familien zeigt sich, dass Europa vor einer grundlegenden Bewährungsprobe steht. Der Umgang mit Flüchtenden entscheidet mit darüber, ob Europa seinen eigenen Werten gerecht wird. Zugleich weist der Autor darauf hin, dass viele Staaten außerhalb Europas noch größere Lasten tragen. Europa darf deshalb weder in Selbstmitleid noch in Gleichgültigkeit verfallen.

Ein wichtiger Gedanke des Artikels betrifft die Sprache. Der Autor kritisiert Begriffe, die Flüchtende entmenschlichen. Wenn von Flüchtlingskrise, Flüchtlingswellen oder Flüchtlingsströmen gesprochen wird, geraten die einzelnen Menschen mit ihrer Würde und ihrer Geschichte aus dem Blick. Solche sprachlichen Bilder machen aus Personen eine anonyme Masse. Dagegen fordert der Autor eine Sprache des Menschlichen. Flüchtende sollen nicht nur als Teil eines Problems erscheinen, sondern als konkrete Menschen, die Namen, Gesichter, Hoffnungen und Leiden haben. Besonders Journalismus, Literatur und Kunst können dazu beitragen, den einzelnen Menschen sichtbar zu machen und ihm seine Würde zurückzugeben.

Im Zentrum des Artikels steht dann die These von der Gabe der Hoffnung. Der Autor widerspricht der Vorstellung, Menschen auf der Flucht seien hoffnungslos. Gerade der Schritt zur Flucht zeigt, dass Hoffnung noch vorhanden ist. Niemand flieht nur vor etwas weg, sondern immer auch auf etwas hin. Flüchtende hoffen auf Überleben, Sicherheit, Freiheit, Würde und eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder. Diese Hoffnung versteht der Autor als ein Geschenk, das Flüchtende nach Europa bringen.

Dem stellt er die innere Lage Europas gegenüber. Europa erscheint ihm müde, erschöpft und oft auf die Sicherung des Bestehenden fixiert. Kreativität, Mut, Solidarität und Zukunftsvertrauen seien vielfach schwächer geworden. Darum könnten gerade Flüchtende Europa an etwas erinnern, das es weitgehend verloren hat, nämlich an eine Hoffnung, die über bloßen Wohlstand und persönliche Bequemlichkeit hinausgeht. In diesem Sinn wird die Begegnung mit Flüchtenden nicht nur zur Aufgabe, sondern auch zur Chance.

Darauf aufbauend deutet der Autor die Identität Europas als offen und von außen her geprägt. Europa hat nach seiner Ansicht immer wieder durch das Andere und durch den Fremden gelernt, was es selbst ist. Wer Europa gegen alles Fremde abschotten will, verrät daher gerade die Offenheit, die zu seiner Geschichte gehört. Die eigentliche Gefahr für Europa liegt nicht in den Fremden, sondern in einer inneren Entleerung seiner Werte. Besonders problematisch ist es, wenn sich Menschen auf ein christliches Europa berufen, ohne dem leidenden Nächsten konkret zu helfen.

Am Ende beschreibt der Artikel, was Hilfe bedeuten kann. Sie kann darin bestehen, Fluchtursachen zu bekämpfen und Lebensbedingungen in den Herkunftsregionen zu verbessern. Sie kann aber auch bedeuten, Menschen aufzunehmen, ihnen eine neue Heimat zu ermöglichen und gemeinsam mit ihnen an einer zukünftigen europäischen Identität zu arbeiten. Europa bleibt nach Auffassung des Autors nur dann wirklich Europa, wenn es sich an Gerechtigkeit, Menschenrechten und Verantwortung orientiert. Gerade in der Begegnung mit den Fremden zeigt sich, ob Europa seiner eigenen Idee treu bleibt.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 1. Grundzüge christlicher Moral im Kontext philosophischer Ethik.

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