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Denn der Tempel Gottes ist heilig – und das seid ihr

Veröffentlichung:1.6.2009

Der Fachartikel ist im Heft ru heute 04 2009 unter dem Titel „Denn der Tempel Gottes ist heilig und das seid ihr. Predigt beim Religionslehrertag am 25. September 2009 im Mainzer Dom“ enthalten und umfasst 3 Seiten (Seiten 6 bis 8).

Karl Kardinal Lehmann deutet das Domjubiläum vom paulinischen Gedanken her, dass nicht zuerst der Bau, sondern die Gemeinde selbst Gottes heiliger Tempel ist. Theologisch behandelt die Predigt vor allem die Spannung zwischen äußerem Kirchenbau und lebendiger Kirche, die Frage nach geschichtlicher Verantwortung und Schuld der Kirche, die Inkulturation des Evangeliums in wechselnden Zeiten und Kulturen sowie die Bedeutung von Schrift, Gottesdienst und Zeugnis in einer pluralen Gegenwart.

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Der Text ist eine Predigt an Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Mainzer Dom und setzt bei einem paulinischen Kernwort an. Nicht zuerst der Tempel als Gebäude ist heilig, sondern die Gläubigen selbst sind Gottes Bau und Gottes Tempel. Darin sieht der Prediger etwas Revolutionäres in der Religionsgeschichte, weil Heiligkeit nicht primär an Steinen hängt, sondern an Menschen, die Gott gehören und in denen der Glaube Gestalt gewinnt. Von dort aus stellt er die Frage, wie ein Domjubiläum angemessen gefeiert werden kann, ohne in die Gefahr zu geraten, nur alte Steine zu feiern, sich hinter Geschichte zu verstecken oder zu vergessen, dass Christen heute in ihrer Zeit Gottes Bau sein sollen. Zugleich betont er, dass der Dom dennoch wichtig ist, weil er den Glauben in besonderer Weise sichtbar macht und zum Nachdenken anstößt. Der Dom erinnert daran, dass Christen aus einer langen Geschichte kommen, die bis zu Christus und darüber hinaus in die biblischen Ursprünge zurückreicht. Er macht bewusst, dass menschliches Leben raumzeitlich und leiblich gebunden ist und dass man die Grenzen, die Müdigkeit und Unvollkommenheit des Lebens nicht überspringen kann.

Die Feier eines tausendjährigen Domes bedeutet außerdem, die Last der Geschichte mitzudenken. Der Prediger spricht davon, dass man sich nicht einfach von der Vergangenheit abkoppeln kann. Zur Gemeinschaft des Glaubens über Jahrhunderte gehört auch Schuld und Sünde, die zu tragen ist, ebenso wie manches, das nicht Vorbild sein kann. Gerade diese Nüchternheit stellt auf den Boden der Wirklichkeit und schützt vor Selbstüberschätzung. Der Dom wird als Bau aus der romanischen Zeit gedeutet, die stark im Bewusstsein stand, mitten in der Geschichte zu leben und Verantwortung in Gesellschaft und Notlagen zu übernehmen. So erscheint der Dom als fest gegründet in den Fragen und Problemen der jeweiligen Gegenwart.

Gleichzeitig wird der Dom als Zeichen von Bewegung und Entwicklung beschrieben. Jedes Jahrhundert hat an ihm gebaut und Spuren hinterlassen. Unterschiedliche Stilformen und Kunstschichten zeigen, dass jede Zeit ihren Wert hat und Neues entstehen lässt. Genannt werden Beispiele aus verschiedenen Epochen, von alten Kreuzdarstellungen bis zu moderner Kunst. An diesen Veränderungen wird eine christliche Grundüberzeugung sichtbar: Das Christentum ist nicht an eine einzige Kultur oder Sprache gebunden. Der Geist Gottes führt in neue Räume, Sprachen, Zeiten und Kulturen. Darum dürfen Christen Vertrauen haben, dass der Geist auch in zukünftige Zeiten weiterführt und dass dabei die Treue zum Evangelium möglich bleibt, ohne einfach Altes nur zu wiederholen. Der Dom steht so für Beständigkeit und Wandel zugleich, für Wachstum und Veränderung, aber auch für Einheit in der Vielfalt, weil alle Darstellungen letztlich auf den einen Herrn Jesus Christus verweisen.

Entscheidend ist für den Prediger jedoch, dass der Dom kein Museum ist. Er ist zuerst Haus Gottes, Ort des Lobes und des Gottesdienstes. Das, was den Dom über tausend Jahre eigentlich trägt, ist das ununterbrochene Gebet und die Feier des Glaubens, das Bedürfnis von Menschen, Gott zu loben und ihn Gott sein zu lassen, nicht nur Bitten vorzulegen. Zugleich wird anerkannt, dass Menschen Räume brauchen, um Gott in der Öffentlichkeit des Lebens einen Ort zu geben, auch wenn Gott selbst keinen Dom braucht. Daraus folgt aber eine Warnung: Die Ehrfurcht vor dem heiligen Haus darf nicht ablenken von der paulinischen Pointe, dass die Glaubenden selbst Gottes Bau sind. Deshalb werden Bilder aus dem Neuen Testament aufgenommen, etwa dass Christen lebendige Steine sind und durch ihr Leben Zeugnis geben sollen. Der Prediger freut sich, dass zum Domjubiläum viele Gruppen aus der Gegenwart kommen und deutet dies als Zeichen, dass Kirche heute da ist und in ihrer Zeit weiterbauen will.

Schließlich führt die Predigt zur Mitte des Glaubens, dem Wort Gottes. Eine Ausstellung macht sichtbar, wie präsent die Schrift im Dom ist, etwa durch Darstellungen von Menschen mit einem Buch. Daraus leitet der Prediger ab, dass die Heilige Schrift auch heute Zentrum des Glaubens bleibt. Er erinnert an die Szene im Johannesevangelium, in der viele weggehen und Jesus die Jünger fragt, ob auch sie gehen wollen. Petrus antwortet, dass Jesus Worte ewigen Lebens hat. Dieses bleibende Wort wird als Fundament beschrieben, das trägt, wenn anderes wankt, im Leben Einzelner und in der Gesellschaft. Für Religionslehrkräfte wird daraus ein Auftrag: diese Botschaft weiterzugeben, nicht nur durch Worte, sondern durch das eigene Leben als Zeugnis, damit auch kommende Generationen Zugang zu dem finden, was der Glaube als tragend und lebensstiftend bekennt.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.1a Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Sinn und Lebensglück.

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.5 Fragen an Kirche – umstrittene Kirche.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.3 Dem Lebenssinn auf der Spur: Jesus Christus – dem Auferstandenen nachfolgen.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Auserwählt sein Mose und das Volk Gottes
  • Berufen sein die Firmung Nachfolge Christi

Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 8. Ursprung, Auftrag und Weg der Kirche.

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