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Glauben ist mehr! Wie religiöse Beheimatung gelingen kann

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel „Glauben ist mehr! Wie religiöse Beheimatung gelingen kann“ von Ursula Schumacher ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. 5 Seiten (S. 59–63). Der Beitrag thematisiert die Frage, wie religiöse Beheimatung und Glaubensbindung in einer zunehmend säkularen Gesellschaft entstehen und im Religionsunterricht reflektiert werden können. Behandelt werden zentrale theologische Probleme wie die Weitergabe des Glaubens unter Bedingungen der Säkularisierung, die Bedeutung religiöser Erfahrung, die Rolle von Gemeinschaft sowie der Wahrheitsanspruch des Glaubens. Der Artikel entwickelt daraus didaktische Impulse für den Religionsunterricht der Sekundarstufe.

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Der Artikel geht von der Beobachtung aus, dass sich das gesellschaftliche Umfeld des christlichen Glaubens stark verändert hat. Bereits Karl Rahner sprach von einer winterlichen Zeit des Glaubens. Heute verstärken Kirchenskandale, steigende Austrittszahlen und gesellschaftliche Säkularisierung das Gefühl einer Krise. Besonders junge Menschen haben häufig keinen selbstverständlichen Zugang mehr zum Glauben. Religionssoziologische Forschung zeigt jedoch, dass Religiosität nicht einfach verschwindet, sondern in der modernen Gesellschaft zu einer Option unter vielen geworden ist. Menschen können sich bewusst für oder gegen religiöse Deutungen entscheiden.

Diese Optionalisierung des Glaubens verändert auch die Bedingungen der Glaubensweitergabe. Damit Menschen sich für den christlichen Glauben entscheiden, muss dieser als sinnvolle und attraktive Lebensoption wahrgenommen werden. Der Artikel fragt deshalb nach Gründen, warum Menschen im Glauben eine Heimat finden können. Dabei werden drei zentrale Dimensionen betrachtet: Erfahrung, Gemeinschaft und Wahrheit.

Zunächst wird die Bedeutung von Erfahrung thematisiert. Karl Rahner formulierte die bekannte These, dass der Mensch der Zukunft ein Mystiker sein wird oder nicht mehr sein wird. Damit ist gemeint, dass Glauben zunehmend auf persönlichen Erfahrungen beruht. Diese Erfahrungen müssen jedoch nicht spektakulär sein. Es geht vielmehr um alltägliche Erfahrungen wie Trost, Inspiration oder neue Kraft. Solche Erfahrungen können religiös gedeutet werden, müssen es aber nicht. Deshalb reicht Erfahrung allein nicht aus, um Glauben dauerhaft zu begründen. Sie bildet eine notwendige Voraussetzung, braucht jedoch weitere Deutungsrahmen.

Eine zweite Dimension ist die soziale und gemeinschaftliche Seite des Glaubens. Weltdeutungen entstehen nicht isoliert, sondern im Austausch mit anderen Menschen. Vertrauen in glaubwürdige Personen und Beziehungen spielt eine zentrale Rolle. Menschen übernehmen Deutungen häufig aus ihrem sozialen Umfeld. Wenn religiöse Gemeinschaften schwächer werden, nimmt auch die Wahrscheinlichkeit ab, dass religiöse Deutungen weitergegeben werden. Besonders im Jugendalter ist diese soziale Dimension wichtig, da junge Menschen stark an den Überzeugungen ihres Umfelds orientiert sind. Glauben ist daher nicht nur eine individuelle Überzeugung, sondern auch ein Ausdruck von Vertrauen und Beziehung. Dieses Vertrauen bezieht sich sowohl auf andere Menschen als auch auf Gott selbst. Praktiken wie Gebet oder Gottesdienst werden von Glaubenden als Ausdruck dieser Beziehung verstanden.

Neben Erfahrung und Gemeinschaft betont der Artikel eine dritte Dimension, nämlich den Wahrheitsaspekt des Glaubens. Glauben bedeutet nicht nur Vertrauen oder emotionale Bindung, sondern enthält auch Aussagen über die Wirklichkeit. Glaubensüberzeugungen haben eine existentielle Bedeutung für das Leben der Glaubenden. Aussagen über Gottes Liebe, über Hoffnung trotz menschlicher Begrenztheit oder über die Wirksamkeit des Gebets bieten Deutungsmuster für das eigene Leben. Dadurch kann der Glaube Sinn stiften und Erfahrungen in einen größeren Zusammenhang einordnen.

Im zweiten Teil des Artikels wird gefragt, wie diese Überlegungen im Religionsunterricht aufgegriffen werden können. Dabei wird betont, dass Religionsunterricht nicht primär der Glaubensweitergabe dient. Diese Aufgabe gehört zur Katechese. Der Religionsunterricht soll vielmehr Verständnis für den Glauben ermöglichen und Lernenden helfen zu verstehen, was Glauben für glaubende Menschen bedeutet. Ein solches Verständnis kann Vorurteile abbauen und Empathie fördern.

Der vorgestellte Unterrichtsimpuls beginnt mit der Analyse des Begriffs glauben. Im Alltag wird glauben häufig als unsicheres Wissen verstanden. Demgegenüber wird im christlichen Verständnis Glauben stärker als Vertrauen und Beziehung gedeutet. Texte von Joseph Ratzinger verdeutlichen diese Perspektive. Lernende sollen darüber diskutieren, ob Glauben tatsächlich eine schwächere Form von Wissen ist oder ob Vertrauen eine eigenständige Form der Gewissheit darstellt.

Anschließend werden Ergebnisse einer empirischen Jugendstudie herangezogen, die zeigt, warum manche Jugendliche heute im Glauben eine Heimat finden. Interviews mit religiösen Jugendlichen geben Einblick in persönliche Motivationen und Erfahrungen. Abschließend werden verschiedene kreative Aufgaben vorgeschlagen, etwa Gespräche über Glaubenserfahrungen, Umfragen oder der Besuch eines Jugendgottesdienstes. Solche Erfahrungen können religiöse Praxis zumindest ansatzweise erfahrbar machen und die theoretische Reflexion ergänzen.

Der Artikel zeigt insgesamt, dass religiöse Beheimatung heute nicht mehr selbstverständlich entsteht, sondern auf Erfahrungen, Beziehungen und überzeugenden Deutungsangeboten beruht. Religionsunterricht kann dazu beitragen, diese Dimensionen verständlich zu machen und Lernenden einen reflektierten Zugang zum Phänomen Glauben zu eröffnen.

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