Interview mit einem nigerianischen Priesterseminaristen in Heiligenkreuz (Österreich)
In einem Beitrag der Reihe „Gesichter der Weltkirche“ erzählt Ugala Michael Aekba, ein Priesterseminarist aus Nigeria, im Priesterseminar Leopoldinum im Stift Heiligenkreuz bei Wien, von seiner Berufung und seinen Erfahrungen auf dem Weg zum Priestertum.
1. Berufung und familiäre Widerstände:
Michael schildert, dass er schon früh den Wunsch hatte, Priester zu werden. Als Ministrant spürte er eine erste Hinwendung zum Glauben. Seine Mutter war jedoch nicht katholisch und sein Vater lehnte seine Berufung strikt ab. Dennoch hielt er an seinem Wunsch fest, auch wenn er zwischenzeitlich in einem kleinen Priesterseminar in Nigeria Zweifel bekam. Zwei spirituelle Erlebnisse – ein intensiver Moment in der Kapelle und die inspirierende Gebetsweise eines Priesters – stärkten schließlich seine Entscheidung.
2. Unterstützung durch Kirche statt Familie:
Da seine Familie ihn nicht unterstützte, erhielt er entscheidende Hilfe durch seinen Bischof Anthony Ad und einen Rektor seines Seminars, die seine Berufung anerkannten und ihm den Weg ins Seminar ermöglichten.
3. Wechsel nach Österreich:
Sein Bischof entschied, ihn zum Studium nach Österreich zu schicken. Der Kulturschock war groß: die Sprachbarriere, der Kleidungsstil in Europa und ein spürbarer Unterschied in der religiösen Praxis machten ihm anfangs zu schaffen.
4. Unterschiede zwischen Nigeria und Mitteleuropa:
Michael beschreibt, dass in Nigeria fast alle – insbesondere Jugendliche – regelmäßig in die Kirche gehen, während er in Europa vor allem ältere Menschen in Gottesdiensten erlebt. In Afrika sei der Glaube lebendiger, emotionaler und stärker in den Alltag eingebunden. Der Mangel an Berufungen in Europa sei für ihn auch auf eine „spirituelle Bequemlichkeit“ zurückzuführen – viele hätten „alles“ und fühlten daher keine Notwendigkeit, sich an Gott zu wenden.
5. Umgang mit Berufung in Europa:
Wenn er in Europa als Priester wirken solle, wolle er besonders die Eucharistie in den Mittelpunkt stellen und etwa durch eucharistische Anbetung vor der Messe Menschen ansprechen. Dabei betont er, dass er keinen festen Plan habe, sondern auf die Entscheidung seines Bischofs vertraue.
6. Bedeutung der Eucharistie und theologische Erkenntnisse:
Michael empfindet die tägliche eucharistische Anbetung im Seminar als zentrale geistliche Kraftquelle. Besonders beeindruckt hat ihn im Studium die theologische Erkenntnis, dass bei jeder gültigen Taufe – unabhängig vom Spender – Christus selbst handelt.
7. Sicherheit in Nigeria und Bereitschaft zum Martyrium:
Trotz der prekären Sicherheitslage in Teilen Nigerias äußert Michael keine Angst vor einer möglichen Rückkehr. Er verweist auf das priesterliche Ideal der Bereitschaft zum Martyrium.
Fazit:
Michael Aekbas Weg zeigt eindrücklich, wie Berufung auch gegen Widerstände reifen kann, wie lebendig Glaube in anderen kulturellen Kontexten ist – und wie befruchtend der Austausch innerhalb der Weltkirche sein kann. Sein Beispiel kann Impulse geben, die Bedeutung gelebten Glaubens und priesterlicher Präsenz für junge Menschen neu zu bedenken.