Interview mit Pfarrer Matthäus Hilus
Das Interview aus dem Magazin "Gesichter der Weltkirche" stellt Pfarrer Matthäus Hilus vor – ein Priester mit polnischen Wurzeln, der in Bayern aufgewachsen ist und heute im Erzbistum Köln tätig ist. Er berichtet eindrücklich von seiner religiösen Sozialisation, seinem Weg ins Priesteramt und seinen weltkirchlichen Erfahrungen.
1. Biografischer Hintergrund:
Hilus wurde 1981 in Polen geboren und emigrierte 1988 mit seiner Familie nach Deutschland. Der Glaube war in seiner Familie stark präsent; sein Vater war im Priesterseminar. Der neokatechumenale Weg prägte Hilus’ Glaubensentwicklung entscheidend.
2. Berufung und Ausbildung:
Er trat mit 21 Jahren ins Priesterseminar Redemptoris Mater in Köln ein. Die internationale und missionsorientierte Ausrichtung des Seminars (z. B. Aufenthalte in Tschechien und der Slowakei) vermittelte ihm ein tiefes Verständnis für weltkirchliche Kontexte.
3. Erfahrungen in Missionsländern:
Tschechien: stark säkularisiert, wenig religiöses Grundverständnis, herausfordernde Glaubensgespräche.
Slowakei: herzliche Aufnahme, Begegnung mit der griechisch-katholischen Kirche und verheirateten Priestern – für Hilus eine ambivalente, aber bereichernde Erfahrung.
4. Aktuelle Tätigkeiten:
Jugendseelsorger in Köln: Leitung einer Jugendkirche mit vielfältigen Angeboten wie Gottesdiensten, Pilgerreisen (z. B. Venedig–Assisi per Fahrrad), Social-Media-Präsenz und persönlichen Gesprächen. Ziel: junge Erwachsene in ihrer Sinnsuche zu begleiten.
Hochschulseelsorge (KHG Köln): bietet psychosoziale Beratung, finanzielle Unterstützung, Gemeinschaftserfahrungen und niederschwellige Kontaktmöglichkeiten zur Kirche.
5. Geistliches Leben und Herausforderungen:
Hilus betont die Wichtigkeit des Gebets, das diszipliniert gepflegt werden müsse, um psychisch und geistlich gesund zu bleiben. Er nimmt sich täglich eine Dreiviertelstunde Zeit für das persönliche Gebet und ist in einer geistlichen Gemeinschaft eingebunden.
6. Kirche in Deutschland und Weltkirche:
Er sieht die deutsche Kirche materiell gut ausgestattet, aber geistlich mit Entwicklungspotenzial. Kritik äußert er an zu viel Lamentieren und fordert stattdessen einen praxisnahen, freudigen Glaubensstil.
7. Persönliche Stärken:
Hilus sieht sich als kreativen Motivator und Beziehungsmensch, der junge Erwachsene durch lebendige Formate zum Nachdenken über ihren Lebenssinn anregen möchte.
8. Fazit:
Das Priestertum ist für Hilus ein sinnerfüllter, unbürgerlicher Lebensstil, der es ermöglicht, Gott und Menschen zu dienen. Das Interview bietet wertvolle Einblicke in glaubensorientierte Jugendarbeit, interkulturelle kirchliche Erfahrungen und seelsorgerliche Herausforderungen in säkularen Kontexten – geeignet als Reflexionsimpuls für den Religionsunterricht oder für kirchliche Bildungskontexte.