Der Artikel untersucht, was echter Widerstand ist und wie er sich von Kritik, Protest oder bloßer Meinungsäußerung unterscheidet. Zu Beginn macht der Autor deutlich, dass der Begriff Widerstand in der Gegenwart oft zu schnell und zu ungenau verwendet wird. Nicht jede Demonstration und nicht jede öffentlich geäußerte Unzufriedenheit ist schon Widerstand. Ein zu weiter Begriff verharmlost die Erfahrungen der Menschen, für die Widerstand eine letzte und lebensgefährliche Möglichkeit war, etwa in der Zeit des Nationalsozialismus. Deshalb fordert der Autor begriffliche Genauigkeit.
An Beispielen aus dem Dritten Reich zeigt der Text, dass Widerstand dort begann, wo Menschen nicht nur innerlich auf Distanz zum Regime gingen, sondern aktiv handelten und sich dem Unrecht entgegenstellten. Genannt werden unter anderem die Weiße Rose und die Männer des 20. Juli. Diese Menschen bezeugen, dass man sich einem System verweigern und Nein sagen kann, auch wenn fast alle anderen mitlaufen. Widerstand zeigt sich dort, wo Menschen Grenzen anerkennen, die unter keinen Umständen überschritten werden dürfen, und wo Begriffe wie Ehre, Anstand und Gewissen ihren eigentlichen Sinn behalten.
Der Autor weitet den Blick über die deutsche Geschichte hinaus und erinnert daran, dass es auch in anderen Diktaturen und bis in die Gegenwart hinein Widerstand gibt. Er verweist auf totalitäre Systeme und auf moderne Beispiele wie Edward Snowden. Damit macht er deutlich, dass die Gefährdung von Freiheit nicht vergangen ist. Selbst im liberalen Rechtsstaat kann eine Situation entstehen, in der Widerstand nötig wird, wenn staatliche Ordnungen ihre eigenen Ideale verraten und die Freiheit und Würde des Menschen bedrohen.
Ein zentraler Gedanke des Artikels ist, dass echter Widerstand nicht einfach darin besteht, gegen etwas zu sein. Gegen etwas zu sein kann viele Ursachen haben, etwa Trotz, Zerstörungslust oder den Wunsch nach Selbstinszenierung. Ein solcher Widerstand bleibt oberflächlich und dient oft nur der Selbstbestätigung. Wahrer Widerstand hingegen hat einen positiven Kern. Er richtet sich auf etwas, das für einen Menschen von höchster Bedeutung ist. Er entspringt Überzeugungen, die nicht beliebig sind und die nicht aufgegeben werden können, ohne sich selbst zu verraten. Widerstand hängt deshalb mit Identität, Treue zu sich selbst und mit einem unbedingten inneren Anspruch zusammen.
Der Artikel betont, dass solche festen Überzeugungen heute oft unter Verdacht geraten. Wer an nicht verhandelbaren Wahrheiten festhält, gilt schnell als engstirnig oder fanatisch. Deshalb unterscheidet der Autor sorgfältig zwischen menschlichem Widerstand und terroristischem Widerstand. Terroristischer Widerstand ist ideologisch gebunden, dient nicht dem Guten und zerstört Freiheit. Menschlicher Widerstand dagegen erwächst aus Freiheit, dient der Wahrheit und ist auf das Gute bezogen. Er geschieht nicht aus blinder Gefolgschaft, sondern aus Verantwortung.
Diese Verantwortung betrifft nicht nur die eigene Person, sondern auch andere Menschen und in manchen Fällen die Verantwortung vor Gott. Echter Widerstand ist deshalb für den Autor ein moralisches und theologisches Phänomen. Er ist mit dem Gewissen verbunden. Im Gewissen meldet sich eine Wahrheit, die zum Zeugnis und zum Handeln ruft. Wer diesem Ruf folgt, wird oft einsam, weil Widerständige nur selten auf breite Zustimmung zählen können. Gerade darin aber werden sie zu Zeugen der Wahrheit. Sie reden ehrlich, wo Lüge herrscht, sie handeln gerecht, wo Unrecht regiert, und sie üben Liebe, wo Hass das Miteinander bestimmt.
Der Autor hebt hervor, dass die Erinnerung an die Widerstandskämpfer der Geschichte bewahrt werden muss. Sie sind Vorbilder, weil sie zeigen, dass Menschlichkeit auch in dunklen Zeiten möglich bleibt. Dadurch wird Geschichte nicht nur zu einer Geschichte des Schreckens, sondern auch zu einer Geschichte der Hoffnung. Einzelne Gerechte können die Ehre der ganzen Menschheit bewahren.
Im letzten Teil entfaltet der Artikel die Begriffe Würde und Demut des Widerstands. Widerstand ist nur möglich, wenn Menschen bereit sind, Nachteile und Opfer auf sich zu nehmen. Damit ist nicht gemeint, Leiden zu verherrlichen. Vielmehr wird deutlich, dass für den Menschen nicht das bloße Überleben das höchste Gut ist. Es gibt Werte, Überzeugungen und Wahrheiten, die über die reine Selbsterhaltung hinausgehen. Für Christinnen und Christen liegt dieses höchste Gut in Gott, in der Treue zu seinem Willen und in der Liebe zu Gott und zum Nächsten.
Der Autor verbindet diese Gedanken mit der Menschenwürde. Der Mensch ist ein freies und moralisches Wesen. Darin liegt seine Würde. Diese Würde kann ihm niemand nehmen, wohl aber kann der Mensch sie durch eigenes Denken und Handeln verraten. Deshalb braucht Widerstand Mut. Zugleich braucht er Demut. Demut bedeutet hier, eine Ordnung anzuerkennen, die größer ist als der Mensch selbst. Sie bedeutet auch, sich den Herausforderungen der eigenen Zeit zu stellen, ohne in Fatalismus zu verfallen. Mit Dietrich Bonhoeffer beschreibt der Autor das spannungsvolle Zusammenspiel von Widerstand und Ergebung. Beides muss vorhanden sein und mit Entschlossenheit ergriffen werden.
So kommt der Artikel zu dem Ergebnis, dass echter Widerstand immer Mut und Demut zugleich verlangt. Er erwächst aus Gewissen, Wahrheit, Freiheit und Verantwortung. Viele Widerständige handeln im Verborgenen und ohne sich selbst als Heldinnen oder Helden zu verstehen. Sie tun einfach das, was ihnen anständig und geboten erscheint. Gerade darin liegt ihre Größe. Solange es Menschen gibt, die unter schwierigen Bedingungen anständig bleiben, gibt es Hoffnung für die Zukunft.