Martin Hailer definiert Dogmatik als eine theologische Disziplin, die entsteht, wo das Evangelium als Gottes gnädige Selbstzuwendung Geschichte bewusst macht und Menschen zur reflektierenden Antwort herausfordert. Dogmatik ist kein Selbstzweck, sondern eine Durchgangsstation zwischen dem Hören des Evangeliums und seiner Bezeugung, die mit begrifflichen Mitteln arbeitet, die immer uneigentliche Rede bleiben. Sie funktioniert als methodisches Probier-Denken, das biblische Erinnerungen, historische Konzepte und gegenwärtige Anfragen ordnend zusammenbringt. Der Artikel diskutiert kontrovers, ob Gott selbst oder die angemessene christliche Rede von Gott den Gegenstand bildet, und argumentiert gegen propositionale Erkenntnisse Gottes. Stattdessen orientiert sich Dogmatik am Christusgeschehen und an Gottes Erfahrbarkeit im Leben. Hailer betont, dass Dogmatik mit dem Heiligen Geist beginnt, der wirksam, absichtsvoll und unterscheidend gegenwärtig ist. Die Disziplin arbeitet mit abstrahierenden Rückschlüssen aus Gottes Handlungsweisen und formuliert Aussagen wie "Gott ist xy", deren eigentlicher Ort aber das Lob Gottes ist. Dogmatik zielt auf verbindliche Aussagen ab, bleibt aber der Hoffnung und Revision verpflichtet, was sie von dogmatischen Sätzen verbietet.