Der Artikel stellt die Graphic Documentary über den Pallottinerpater Richard Henkes vor und beschreibt ihre Bedeutung für den Unterricht. Richard Henkes war ein katholischer Priester, der während der Zeit des Nationalsozialismus offen Kritik an der Ideologie des Regimes äußerte. Als Lehrer, Prediger und Seelsorger widersprach er der nationalsozialistischen Propaganda und beteiligte sich an der Verbreitung kirchenkritischer Texte gegen das Regime, unter anderem der Enzyklika Mit brennender Sorge und der Predigten von Bischof Clemens August Graf von Galen gegen das sogenannte Euthanasie Programm. Aufgrund seiner Haltung wurde er mehrfach angezeigt, 1943 verhaftet und schließlich in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort meldete er sich freiwillig zur Pflege von Typhuskranken, infizierte sich selbst und starb 1945 kurz vor der Befreiung des Lagers. Sein Handeln war von seinem christlichen Glauben, seinem Gewissen und dem Ideal geprägt, sich aus Liebe für andere zu opfern.
Die Graphic Documentary verbindet historische Quellen mit einer erzählerischen und bildhaften Darstellung. Sie gehört zur Gattung der Graphic Novel, geht jedoch durch ihre starke Orientierung an historischen Dokumenten darüber hinaus und wird daher als Graphic Documentary bezeichnet. Bilder und Texte wirken gemeinsam und ermöglichen eine vielschichtige Darstellung der Geschichte. Durch Rückblenden werden verschiedene Lebensstationen von Richard Henkes erzählt, etwa seine Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg, seine Ausbildung zum Priester, seine Tätigkeit als Seelsorger sowie seine Verhaftung und sein Leben im Konzentrationslager Dachau.
Für den Unterricht wird besonders die erweiterte Ausgabe der Graphic Documentary empfohlen. Sie ist in acht Kapitel gegliedert und enthält zusätzlich vertiefende Texte und Briefe von Richard Henkes. Dadurch können Lernende unterschiedliche Lebensphasen und zentrale Themen seines Lebens erschließen. Die Darstellung in Bildern unterstützt das Verständnis, weil Lernende heute in einer stark visuell geprägten Medienwelt aufwachsen. Die Arbeit mit einer Graphic Novel fördert sowohl das Lesen als auch das Sehverstehen, da Bild und Text gemeinsam interpretiert werden müssen.
Der Artikel betont außerdem die religionspädagogische Bedeutung des Themas. Die Beschäftigung mit der NS Zeit führt zu grundlegenden Fragen über das Verhältnis von Kirche, Staat und Ideologie. Lernende können erkennen, dass Christen ihrem Gewissen als Stimme Gottes folgten und deshalb Widerstand gegen Unrecht leisteten. Am Beispiel von Richard Henkes wird deutlich, wie christlicher Glaube zu Zivilcourage und persönlichem Mut führen kann.
Ergänzend zur Graphic Documentary gibt es eine Lehrerhandreichung mit sechs thematischen Bausteinen für den Unterricht in der Sekundarstufe. Diese behandeln unter anderem das Leben im Konzentrationslager Dachau, die Geschichte des Lagers, die Biografie von Richard Henkes, die Enzyklika Mit brennender Sorge, das nationalsozialistische Euthanasie Programm sowie Fragen nach Rechtsextremismus und gesellschaftlicher Verantwortung heute. Die Materialien ermöglichen auch fächerverbindendes Lernen zwischen Religion, Geschichte und Deutsch.
Der Artikel hebt hervor, dass die Beschäftigung mit der Geschichte von Richard Henkes nicht nur historische Kenntnisse vermittelt. Sie regt Lernende auch dazu an, über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen nachzudenken, etwa über Rechtsextremismus, Diskriminierung und die Verantwortung jedes Einzelnen für Demokratie und Menschenwürde.