Gewissen gegen Gehorsam
Die Sendung „Glaubenskompass“ widmet sich dem seligen Franz Jägerstätter, einem österreichischen Landwirt und tiefgläubigen Katholiken, der sich 1943 aus Gewissensgründen weigerte, für das NS-Regime Kriegsdienst zu leisten, und dafür hingerichtet wurde.
Der Historiker Jakob Knapp schildert Jägerstätters Lebensweg: Aufgewachsen in einem streng katholischen Milieu, geriet Jägerstätter in jungen Jahren in eine Phase der Haltlosigkeit, bis er durch seine Ehefrau Franziska Schwaninger wieder zu einem festen Glauben fand. Sie war eine zentrale Stütze seines Widerstands.
Zunächst leistete Jägerstätter wie Millionen andere 1940 den Fahneneid auf Hitler. Doch durch ein wachsendes, christlich erleuchtetes Gewissen erkannte er, dass es sich nicht um einen Verteidigungs-, sondern um einen rassistisch motivierten Vernichtungskrieg handelte. Sein „Nein“ bedeutete die Todesstrafe. Trotz Bitten von Bischöfen und Dorfbewohnern hielt er an seiner Überzeugung fest.
Während seiner Haft schrieb Jägerstätter, dass Gott uns ein Gewissen gegeben habe, um Gut und Böse zu erkennen – nicht, um blind zu gehorchen. Für ihn war es keine Sünde, einen ungerechten Krieg zu verweigern. Diese Haltung war lange umstritten, doch Papst Benedikt XVI. setzte sich später für seine Seligsprechung ein (2007).
Jägerstätters Vermächtnis liegt in seinem mutigen Zeugnis gegen das Prinzip des blinden Gehorsams. Seine Geschichte stellt eine bleibende Herausforderung für die Kirche, die Moral und das Gewissen jedes Einzelnen dar – damals wie heute.