Der Artikel analysiert Feministische Theologie als theologische Bewegung, die sich zwar etabliert hat, aber oft als überholt wahrgenommen wird, während Gender-Diskurse an Bedeutung gewinnen. Der Autor argumentiert, dass diese Wahrnehmung nur bedingt zutrifft, da Feministische Theologie bleibende Relevanz besitzt, solange Gleichberechtigung nicht vollständig verwirklicht ist. Feministische Theologie verdankt sich der säkularen Frauenbewegung, deren erste Welle (Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert) um Wahlrecht, Bildung und Berufszugang kämpfte, während die zweite Welle (1970er Jahre) Befreiung von struktureller Diskriminierung anstrebte. Die Bewegung wirkte in Kirchen und führte zur Kritik an patriarchalen und androzentrischen Strukturen des Christentums. Ein zentrales Merkmal ist ihre notwendig parteiliche, kämpferische und herrschaftskritische Haltung, die auf die Veränderung von Geschlechterverhältnissen als Machtstrukturen zielt. Im Unterschied zur Gender-Theologie, die auch deskriptiv arbeiten kann, ist Feministische Theologie inhärent politisch und emanzipatorisch. Der Artikel betont, dass moderne Feministische Theologie Intersektionalität, Diversität und queere Geschlechtsidentitäten integriert hat und nicht auf Opferrollen reduziert werden darf. Die Verhältnisbestimmung zwischen Feministischer und Gender-Theologie bleibt eine bleibende theoretische und praktische Aufgabe. Abschließend wird konstatiert, dass Feministische Theologie weder durch Gender-Theologie ersetzt noch als überwunden betrachtet werden sollte, sondern komplementäre Perspektiven bietet.