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Eulenfisch

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Postmetaphysik der Sitten

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel von Michael Hochschild mit dem Titel „Postmetaphysik der Sitten – Wie die lange Kette von Demut und Widerstand gesprengt wurde“ ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. vier Seiten (S. 117–120).

Der Artikel behandelt theologische und religionsphilosophische Probleme rund um Demut, Widerstand, Säkularisierung und Postsäkularität. Er diskutiert insbesondere, wie sich die traditionelle religiöse Tugend der Demut im Übergang von der christlichen Moral über die Aufklärung bis zur heutigen postmodernen Gesellschaft verändert hat und welche Rolle Pädagogik und Resilienz heute anstelle klassischer moralischer oder religiöser Tugenden spielen.

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Der Artikel untersucht das Verhältnis von Demut und Widerstand in historischer und gesellschaftlicher Perspektive und beschreibt einen Wandel von religiösen und moralischen Tugendvorstellungen hin zu pädagogischen und psychologischen Konzepten der Gegenwart. Ausgangspunkt ist die Beobachtung einer besonderen kulturellen Haltung in Frankreich, die Kunst, Lebensstil und Politik verbindet. Diese französische Lebenskunst zeigt sich auch im politischen Stil von Präsident Emmanuel Macron, der nach den Protesten der Gelbwesten einen neuen Politikstil entwickelte, der stärker auf Vermittlung, Verständnis und pädagogische Kommunikation setzt.

Der Autor nutzt dieses Beispiel, um eine größere historische Bewegung zu beschreiben. Demnach wandelt sich das Verhältnis von Demut und Widerstand im Verlauf der Geschichte grundlegend. Im Mittelalter waren beide Begriffe eng mit religiösen Vorstellungen verbunden. Demut galt als zentrale christliche Tugend, die den Gehorsam gegenüber Gott ausdrückte und die Bereitschaft zum Leiden und zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit begründete.

Mit der Aufklärung verändert sich diese Vorstellung. In der Moralphilosophie von Immanuel Kant wird Demut nicht mehr religiös verstanden, sondern als moralisches Bewusstsein der eigenen Begrenztheit gegenüber dem moralischen Gesetz. Die religiöse Tugend wird damit säkularisiert und in eine philosophische Ethik überführt. Dennoch bleibt eine wichtige Kontinuität bestehen. Demut bleibt eine individuelle Aufgabe, die nur wenige Menschen wirklich erfüllen können. Sie wird zu einer Art moralischer Exzellenz, die über die gewöhnliche Ethik hinausgeht.

Der Autor zeigt außerdem, dass sowohl religiöse als auch philosophische Formen von Demut immer mit einer Form von Widerstand verbunden sind. Wer eine moralische Wahrheit erkennt, steht oft im Konflikt mit gesellschaftlichen Verhältnissen. Daher entstehen Figuren des Widerstands wie Märtyrer oder politische Helden, die bereit sind, für ihre Überzeugung einzustehen.

In der Politik zeigt sich das Verhältnis von Demut und Widerstand jedoch anders. Hier stehen Machtinteressen und Personenkult häufig stärker im Vordergrund als moralische Einsicht. Trotzdem bleibt die Verbindung zwischen Demut und Widerstand ein wichtiges Element politischer und gesellschaftlicher Dynamik.

Im weiteren Verlauf argumentiert der Autor, dass sich in der Moderne eine neue Rolle der Pädagogik entwickelt hat. Bildung übernimmt Funktionen, die früher Religion und Moral innehatten. Schule bewahrt Tradition, ermöglicht individuelle Selbstverwirklichung und vermittelt gesellschaftliche Werte. In diesem Sinne wird die Schule zu einer zentralen Institution der modernen Gesellschaft. Lehrerinnen und Lehrer übernehmen eine Rolle, die früher religiösen Autoritäten zukam.

Der rasante technologische und soziale Wandel des 21. Jahrhunderts verstärkt diese Entwicklung. Neue Formen des Zusammenlebens mit Technologie und Natur entstehen. Dadurch verändern sich auch die klassischen moralischen Kategorien. In der postsäkularen Gegenwart verlieren die traditionellen Konzepte von Demut und Widerstand ihre zentrale Bedeutung.

An ihre Stelle tritt zunehmend das Konzept der Resilienz. Resilienz beschreibt die Fähigkeit von Individuen oder Systemen, Krisen und Veränderungen zu bewältigen. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Pädagogik, wird heute aber in vielen wissenschaftlichen Disziplinen verwendet. Dabei verschiebt sich der Fokus von einem moralischen Gesamtcharakter des Menschen hin zu einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen, die Widerstandsfähigkeit ermöglichen.

Der Autor sieht darin einen Bruch mit der langen Tradition der Verbindung von Demut und Widerstand. Während früher einzelne moralische Vorbilder oder religiöse Helden im Mittelpunkt standen, wird Widerstandsfähigkeit heute als eine Sammlung von Eigenschaften betrachtet, die viele Menschen entwickeln können.

Abschließend diskutiert der Artikel, ob dieser Wandel positiv oder problematisch ist. Einerseits könnten resiliente Systeme besser mit den zunehmenden Krisen der modernen Welt umgehen. Andererseits besteht die Gefahr, dass humanistische Werte und moralische Ideale an Bedeutung verlieren. Der Autor stellt deshalb die Frage, wie Mitmenschlichkeit und humanes Zusammenleben unter den Bedingungen einer technologisch geprägten Zukunft bewahrt werden können.

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