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Eulenfisch

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Ihr Weg war ein demütiger

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Ihr Weg war ein demütiger. Die jüdische Nonne Luise Löwenfels“ erschienen und umfasst etwa zwei Seiten. In Form eines Interviews mit Schwester Christiane Humpert wird der Lebensweg von Luise Löwenfels sowie der aktuelle Stand ihres Seligsprechungsprozesses dargestellt. Thematisiert werden theologische Probleme wie das Verhältnis von Judentum und Christentum, religiöse Konversion, die Deutung von Martyrium sowie die Frage nach Glaubenstreue und Gewissensentscheidung in einer Zeit der Verfolgung.

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Der Artikel ist als Gespräch mit Schwester Christiane Humpert gestaltet. Sie ist Postulatorin im Seligsprechungsprozess von Luise Löwenfels. Ihre Aufgabe besteht darin, den gesamten Prozess organisatorisch zu begleiten. Dazu gehört es, Forschende einzubinden, historische Quellen zu sammeln und wissenschaftliche Arbeiten über das Leben von Luise Löwenfels zu koordinieren. Ein Teil der historischen Forschung wird von einer Historikerin übernommen, doch auch Schwester Christiane beteiligt sich intensiv an der Recherche.

Über das Leben von Luise Löwenfels sind nur wenige persönliche Zeugnisse erhalten. Es existiert ein Gedicht, das sie 1940 zur ersten Ordensprofess auf Niederländisch geschrieben hat. Außerdem gibt es ein weiteres kleines Gedicht mit dem Titel Die Christnachtfrau sowie einige kurze Gebete. Ein Brief an einen Priester ist ebenfalls überliefert. Diese wenigen Dokumente geben einen kleinen Einblick in ihre Spiritualität und ihren Glauben.

Der Kontakt zur Familie besteht heute nur noch über einen Neffen, der nach dem Krieg in den USA geboren wurde. In Gesprächen mit ihm wurde deutlich, dass in der Familie weiterhin die Frage gestellt wird, warum Luise ihre jüdische Religion verlassen hat. Schwester Christiane erklärt in diesem Zusammenhang, dass Judentum und Christentum eine gemeinsame Grundlage in der Bibel haben. Sie verweist darauf, dass die biblischen Geschichten häufig von Menschen erzählen, die ihren Weg im Glauben unter der Führung Gottes verändern.

Im Seligsprechungsprozess spielt normalerweise die Anerkennung eines Wunders eine wichtige Rolle. Im Fall von Luise Löwenfels ist dies jedoch nicht notwendig, weil es um die Anerkennung ihres Martyriums geht. Sie wurde nicht wegen ihres katholischen Glaubens verhaftet, sondern weil sie als Jüdin galt. Für die nationalsozialistischen Behörden spielte ihre Konversion keine Rolle. Sie wurde trotz ihres Ordenslebens als Jüdin verfolgt und schließlich ermordet.

Der Artikel beschreibt auch Parallelen zu Edith Stein. Beide Frauen waren jüdischer Herkunft und zum katholischen Glauben übergetreten. Sie wurden gemeinsam mit anderen konvertierten Juden in den Niederlanden verhaftet. Zunächst wurden sie in ein Lager gebracht und später in das Durchgangslager Westerbork transportiert. Von dort wurden sie mit fast tausend weiteren Menschen in Viehwaggons nach Auschwitz deportiert. Kurz nach ihrer Ankunft wurden viele der Gefangenen, darunter auch Luise Löwenfels und Edith Stein, in den Gaskammern ermordet.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage nach Widerstand und Demut im Leben von Luise Löwenfels. Schwester Christiane beschreibt sie als zurückhaltende und eher unsichere junge Frau aus einer religiösen jüdischen Familie. Ihre Brüder standen ihrem Interesse am katholischen Glauben kritisch gegenüber. Trotzdem suchte sie immer wieder Möglichkeiten, mehr über den katholischen Glauben zu lernen.

Eine Szene aus ihrer Jugend verdeutlicht diese Haltung. Bei einer öffentlichen Veranstaltung wurden jüdische Teilnehmende aufgefordert, den Platz zu verlassen. Luise erkannte, dass sie als Jüdin gemeint war. Gleichzeitig äußerte sie deutlich ihren Wunsch, katholisch zu werden. Dieses Verhalten zeigt, dass sie ihren Glaubensweg konsequent verfolgte, auch wenn sie dadurch in Konflikt mit ihrer Umgebung geriet.

Schwester Christiane betont, dass ihr Verhalten kein lauter oder politischer Widerstand war. Vielmehr handelte es sich um eine stille Form der Konsequenz. Luise blieb ihrer inneren Überzeugung treu und setzte ihren Weg im Glauben fort. Gleichzeitig verlor sie ihre jüdische Herkunft nicht aus dem Blick. Mitschwestern berichteten später, dass sie regelmäßig für ihre Familie und für das jüdische Volk gebetet habe.

Der Artikel zeichnet damit das Bild einer Frau, deren Lebensweg von Demut, innerer Konsequenz und tiefem Glauben geprägt war. Ihr stilles Festhalten an ihrem Glaubensweg wird als Ausdruck einer persönlichen Glaubensentscheidung und als Zeugnis ihres Martyriums gedeutet.

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