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Fritz Bauer InstitutJüdisches Museum Frankfurt

Fritz Bauer Institut,

Jüdisches Museum Frankfurt

25 Jahre Schindlers Liste

Veröffentlichung:1.1.1970

Die vom pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des jüdischen Museums entwickelte Unterrichtsreihe zum Film „Schindlers Liste “ ermöglicht eine filmanalytische Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Dabei wird der Film selbst ins Zentrum der Unterrichtseinheit gesetzt, die den Zusammenhang von Bildebene, Tonebene, Inhalt und dramaturgischer Entwicklung untersucht. Die analytische Beschäftigung mit „Schindlers Liste“ ist gerade deshalb sinnvoll, da diese Ebenen einander oft widersprechen und die dadurch erzeugte kognitive Dissonanz die Filmerzählung eingehender reflektieren lässt. Das Unterrichtskonzept enthält neben Schülermaterialien (ab Seite 11) und Lösungen (Seite 8 ff.) eine didaktische und methodische Einführung in die Geschichte des Films und wesentliche Kriterien der Filmanalyse. Mithilfe von vier ausgewählten Ausschnitten sollen die zentralen Inhalte des Films und ihre szenische Umsetzung analysiert werden.

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Vier Ausschnitte sind angegeben, um die zentralen Filminhalte zu analysieren. Die erste Szene untersucht die Sabotage Schindlers in seiner eigenen Munitionsfabrik. Auch dadurch tritt er als gerechter unter den Völkern heraus. Fünf Aufgaben unterstützen hier. Dabei wird der Widerspruch zwischen gut funktionierender Waffenproduktion und gleichzeitiger Sabotage aufgedeckt. Unter Hochdruck werden defekte Waffen hergestellt.

Der zweite Ausschnitt thematisiert die Erlebnisse der Arbeiter in Schindlers Fabrik. Auch hier werden die vier Ebenen in einer Tabelle erfasst und die Erlebnisse von Zeitzeugen der Deportation werden erfasst. Der dramaturgische Bogen der Entwicklung mit der erlösenden Ankunft in Schindlers Fabrik werden erfasst. Fast alle anderen Deportierten haben eine Klimax des Grauens bei ihrer Ankunft in den KZs und Arbeitslagern der NS-Organisationen erfahren.

Die dritte Szene behandelt die erneute Deportation der jüdischen Kinder der Fabrikarbeiter in ein KZ. Diese Szene zeigt die grenzenlose Willkür in den NS-Konzentrationslagern auf. Dabei wird die emotionale Situation der Kinder und Mütter untersucht. Die Szene beginnt erfreulich mit den winkenden Kindern, doch dann wird den noch ahnungslosen Müttern klar, dass sie von ihren Kindern getrennt werden und diese wohl nicht überleben werden.

Die vierte Szene wird das Fluchtprojekt Schindlers, um die jüdischen Arbeiter vor der erneuten Deportation in den sicheren Tod nach Auschwitz zu retten. Dazu wird ein Gespräch zwischen Schindler und einem NS-Verwaltungsbeamten untersucht. Schindler versucht die jüdischen Arbeiter als wertvollen Besitz zu deklarieren, während der Beamte sie als zu beseitigende Schädlinge sieht. Damit wird das Menschenbild des Nationalsozialismus und das heutige Menschenbild reflektiert. Erneut werden die Funktionen von Kamerapositionen und Requisiten diskutiert. So kann eine Gardine mit der Verschleierung von Schindlers Anliegen der Rettung seiner Arbeiter assoziiert werden. Auch hier sind diese Kniffe des Regisseurs in den Lösungen ausführlich beschrieben.

Es schließen sich Weitere nicht ganz so detailliert ausgeformte Möglichkeiten zur Analyse weiterer Sequenzen an.

Die Reflexion der Zusammenhänge wird über den Vergleich des Films mit einem Zeitzeugenbericht ermöglicht. Die Authentizität der im Film dargestellten Zusammenhänge wird dabei herausgearbeitet. Dazu werden Unterschiede und Übereinstimmungen des Berichtes tabellarisch gesammelt. Anschließend werden Gründe für die Änderungen entwickelt und diskutiert.

Die Sequenz endet mit der Beurteilung von Schindlers Charakter. Dazu wird eine Definition von „Held“ erarbeitet. Eine Stichwortsammlung aus dem Zeitzeugenbericht zu Schindler wird angelegt, die Eigenschaften Schindlers angibt. Im Anschluss wird diskutiert, inwiefern Schindler als Held angesehen werden kann.

Ein weiteres Material behandelt die persönliche Zusammenarbeit des Zeitzeugen mit Schindler. Darin zeigt sich erneut Schindlers Fähigkeit, Göth umzustimmen und so den Schutz der jüdischen Arbeiter zu ermöglichen. Eine ganze Fabrik zu sabotieren war so sicher nicht möglich. Dennoch leistete Schindler unter Gefahr für sich selbst das Menschenmögliche zum Schutz seiner Arbeiter.


Hinweise:


Auf der (US-amerikanischen) Internetseite von Universal Pictures Dome Entertainment sind vier kurze Ausschnitte aus dem Film „Schindlers Liste“ und Auszüge aus Zeitzeugengesprächen abgelegt. Diese lassen über den Link im Begleitmaterial erreichen.

Drei transkribierte Auszüge aus einem Interview mit Mieczyslaw Pemper komplettieren die Materialien. Der damals 23-Jährige wurde wegen seiner Deutsch- und Stenografiekenntnisse Stenograf des Lagerkommandanten Göth in Plaszów. Als Vertrauter Oskar Schindlers konnte er ihm wichtige Informationen weitergeben und wirkte auch an jener Liste mit, die dem Buch des australischen Journalisten Thomas Keneally den Namen gab. In Steven Spielbergs Verfilmung des Romans von Thomas Keneally trägt die Kunstfigur des Isaak Stern sowohl Züge des jungen Mietek Pemper als auch des Schindler-Vertrauten Stern. Der US-Regisseur lud Pemper zusammen mit anderen „Schindlerjuden“ 1993 zu den Dreharbeiten nach Krakau ein. In dem Interview äußerte sich auch Pemper zu Unterschieden und Übereinstimmungen zwischen seinen Erinnerung und der filmischen Erzählung Spielbergs.

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