Der Artikel untersucht die Frage, wie sich innerhalb des Christentums die Vorstellung entwickeln konnte, dass der eine Gott dreifaltig ist. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das Christentum wie Judentum und Islam zu den monotheistischen Religionen gehört und am Glauben an den einen Gott festhält. Zugleich unterscheidet sich das Christentum von den beiden anderen Religionen dadurch, dass es Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist versteht. Gerade diese Verbindung von Einheit und Vielheit stellt eine der größten Herausforderungen der christlichen Theologie dar.
Die Autorin zeigt, dass diese Entwicklung keineswegs selbstverständlich war. Das frühe Christentum entstand im jüdischen Kontext und übernahm daher den strengen Monotheismus Israels. Auch die antike Philosophie, besonders der Neuplatonismus, betonte die absolute Einheit des Göttlichen. Vielheit galt dort eher als Zeichen von Unvollkommenheit. Vor diesem Hintergrund war die Entstehung einer Trinitätstheologie religionsgeschichtlich etwas sehr Ungewöhnliches. Dass sich dennoch ein trinitarisches Gottesbild herausbildete, ist deshalb erklärungsbedürftig.
Der entscheidende Anstoß lag in der Frage nach der Person Jesu. Die christologische Frage, wer Jesus von Nazareth ist, wurde zum Motor der Trinitätstheologie. Schon im Neuen Testament gibt es nach der Autorin Ansätze einer hohen Christologie. Dazu gehören das Wunderwirken Jesu, sein besonderer Sendungsanspruch, seine enge Beziehung zu Gott als Vater sowie die Überzeugung, dass in der Begegnung mit Jesus Gott selbst erfahrbar wird. Aussagen über die Präexistenz Christi und Hoheitstitel wie Messias, Sohn Gottes oder Herr unterstreichen diese besondere Nähe Jesu zu Gott.
In der frühen Kirche wurde diese Frage weiter vertieft. Dabei spielte das Konzil von Nizäa eine entscheidende Rolle. Gegen die Lehre des Arius, der Christus als geschaffen verstand, bekannte das Konzil, dass der Sohn dem Vater wesensgleich ist. Damit hielt die Kirche daran fest, dass in Jesus Christus nicht nur ein besonderes Geschöpf, sondern wahrer Gott gegenwärtig ist. Die Autorin betont, dass damit der antike Gottesbegriff tiefgreifend verändert wurde. Gott wird nun nicht mehr nur als unberührbare Einheit gedacht, sondern als Wirklichkeit, in der Kommunikation und Mitteilung selbst ihren Platz haben.
Im weiteren Verlauf stellt der Artikel wichtige Modelle der Trinitätstheologie vor. Eine zentrale Rolle spielt Augustinus mit seinem Werk über die Trinität. Er sucht ein Abbild der Dreifaltigkeit im menschlichen Geist. Dort unterscheidet er Selbstgegenwart, Selbsterkenntnis und Selbstliebe. Diese Struktur wird für ihn zur Analogie für Vater, Sohn und Heiligen Geist. Der Vater entspricht dem Ursprung, der Sohn dem inneren Wort oder Bild, der Geist der Liebe. Diese Überlegungen sind anspruchsvoll, zeigen aber den Versuch, die Dreifaltigkeit nicht als äußere Vielheit, sondern als innere Beziehungswirklichkeit zu verstehen.
Neben Augustinus nennt die Autorin weitere Bilder und Analogien, etwa Quelle, Fluss und See oder drei Flammen in einem Feuer. Solche Bilder können helfen, stoßen aber auch schnell an Grenzen. Besonders wichtig sind deshalb Ansätze, die Gott als Lebensfülle und Beziehungsdynamik verstehen. Gott ist demnach nicht starre Einheit, sondern lebendige Fülle. Diese Vorstellung eröffnet auch die Frage, ob Beziehung nicht überhaupt ein Grundzug allen Seins ist.
Besonders ausführlich wird die Liebesanalogie behandelt. Augustinus denkt Liebe vor allem vom menschlichen Geist her und fragt, wie Selbstliebe, Selbsterkenntnis und Selbstgegenwart eine trinitarische Struktur erkennen lassen. Richard von Sankt Viktor entwickelt dagegen ein stärker personales Modell. Wenn Gott Liebe ist, dann muss es in Gott selbst ein Gegenüber geben. Vollkommene Liebe erschöpft sich aber nicht in einer Zweierbeziehung, sondern öffnet sich auf einen Dritten hin. Deshalb denkt Richard Gott als Gemeinschaft von Liebenden, in der der Dritte der Mitgeliebte ist. Dieses Modell ist anschaulich, birgt aber die Gefahr, Gott zu sehr als Gemeinschaft mehrerer selbstständiger Personen zu verstehen.
Hier wird die Grundspannung der Trinitätstheologie sichtbar. Einerseits darf die Einheit Gottes nicht verloren gehen. Andererseits muss ernst genommen werden, dass Christus und der Geist so eng mit Gott verbunden sind, dass Gott ohne sie nicht mehr gedacht werden kann. Die christliche Theologie muss deshalb einen Weg zwischen zwei Irrwegen finden. Der eine Irrweg ist der Tritheismus, also die Vorstellung von drei Göttern. Der andere Irrweg ist der Modalismus, also die Vorstellung, Vater, Sohn und Geist seien nur verschiedene Erscheinungsweisen desselben Gottes ohne wirkliche Unterscheidung.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass diese Spannung nicht endgültig auflösbar ist. Trinitätstheologie ist deshalb immer auch eine Theologie der Grenze. Es ist leichter zu sagen, wie der dreifaltige Gott nicht gedacht werden darf, als positiv zu erklären, wie Gottes innerstes Wesen beschaffen ist. Dennoch bleibt die Aufgabe bestehen, von Gott zu sprechen, in Bildern und tastenden Begriffen. Gerade darin zeigt sich nach Schumacher eine angemessene Haltung des Glaubens. Gott bleibt größer als alle menschlichen Begriffe. Die Lehre von der Dreifaltigkeit bewahrt deshalb nicht nur die christliche Überzeugung von Jesus Christus und dem Geist, sondern auch das Geheimnis Gottes selbst.