Der vorliegende Artikel untersucht die Chancen und Grenzen interreligiöser Lehr- und Lernprozesse im Religionsunterricht an Förderschulen. Förderschulen sind durch große Heterogenität in den kognitiven, körperlich-motorischen und emotionalen Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler gekennzeichnet, weshalb eine "Pädagogik der Vielfalt" zentral ist. Der Artikel erörtert die komplexe Frage, wie religiöse Bildung aus einer Binnenperspektive einer Religion heraus gestaltet werden kann und gleichzeitig dem Anspruch auf gemeinsamen Unterricht genügt. Eine enge Verknüpfung von interreligiösem und interkulturellem Lernen wird als besonders sinnvoll erachtet, wobei die Differenzierung zwischen Religion und Kultur unterschiedlich beantwortet wird. Durch die Wahrnehmung religiöser Vielfalt in der Alltagskultur können Schülerinnen und Schüler ihre religiöse Identität entwickeln und religiöse Urteilskompetenz erwerben. Der Artikel betont, dass entwicklungspsychologische Modelle für die Elementarisierung komplexer interreligiöser Inhalte herangezogen werden sollten. Besonders geeignet für Förderschulen sind ästhetisches Lernen, Begegnungslernen, symboldidaktisch organisierte Lernprozesse und performative Lernformen. Das Personalisierungsprinzip ermöglicht es Kindern, gelebte Religion am Beispiel von Gleichaltrigen zu erleben. Eine Differenzierung nach vier Zugangsformen (basal-perzeptiv, konkret-handelnd, anschaulich-modellhaft, abstrakt-begrifflich) wird als hilfreich herausgestellt. Innere Differenzierung, offene Lernformen und Freiarbeit sind zentrale Anforderungen an den Religionsunterricht in Förderschulen. Durch die Einbindung interreligiösen Lernens in die Schulkultur, insbesondere durch gemeinsam gestaltete Feste mit Schülerinnen, Schülern, Lehrenden, therapeutischem Fachpersonal und Eltern, können Förderschulen zeigen, wie Religionen zu einem gelingenden Miteinander in der pluralen Gesellschaft beitragen.