Die moderierte Gruppendiskussion ist eine qualitative Forschungsmethode, die seit den 1950er Jahren zur Erforschung von Meinungen und Einstellungen in sozialen Gefügen eingesetzt wird. Sie basiert auf vier grundlegenden Maximen: Menschen sind Mitglieder verschiedener sozialer Gruppen, menschliches Handeln ist immer sozial, eine individualistisches Perspektive führt zu verzerrten Erkenntnissen, und das Verständnis von Gruppenprozessen erfordert die Analyse von Wirkungszusammenhängen statt nur Meinungszählungen. Die Methode unterscheidet sich von Alltagsgesprächen und parallelen Interviews, da sie kollektive Wissensbestände auf Basis konjunktiver Erfahrungsräume analysiert. Sie eignet sich besonders für die Untersuchung von schulischem Lernen wie Religionsunterricht und informellem Lernen wie Konfirmandenunterricht. Bei der Stichprobenwahl werden Realgruppen (natürliche oder künstliche Gruppen) von Ad-hoc-Gruppen unterschieden, sowie homogene von heterogenen Gruppen. Die empfohlene Gruppengröße beträgt acht Teilnehmende, wobei auch Mini-Gruppen (vier bis sechs Personen), Triaden (drei Personen) oder Dyaden (zwei Personen) möglich sind. Kleinere Gruppen ermöglichen mehr individuelle Sprechzeit und authentischere Interaktionen. Zur Sicherung der Validität und Reliabilität sollten zwei bis fünf Diskussionen durchgeführt werden. Obwohl die Methode in der Wirtschaftsforschung etabliert ist, bleibt sie in der Religionspädagogik noch wenig bekannt und genutzt.