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Die Überwindung des Todes in der Bibel

Veröffentlichung:1.1.2012

Der Fachartikel von Thomas Hieke zeichnet die Entwicklung des Glaubens an die Überwindung des Todes innerhalb der Bibel nach – von vorsichtigen Ansätzen im Alten Testament bis zur zentralen Bedeutung der Auferstehung im Neuen Testament.

Ausgangspunkt ist die grundlegende Einsicht des Apostels Paulus: Ohne die Auferstehung Jesu Christi gäbe es kein Neues Testament, ja der christliche Glaube selbst wäre sinnlos (vgl. 1 Kor 15). Der Glaube an die Überwindung des Todes – entgegen aller Alltagserfahrung – bildet das Fundament des Christentums. Zugleich zeigt ein Blick in das Alte Testament, dass dieser Glaube nicht von Anfang an selbstverständlich war, sondern sich allmählich entwickelte.

Das Heft Religionsunterricht heute 01/2012 steht unter dem Leitthema „… und das Leben der kommenden Welt“ und widmet sich zentral der christlichen Hoffnung auf Auferstehung, Vollendung und Zukunft angesichts von Tod, Leid und Vergänglichkeit. Es richtet sich ausdrücklich an Religionslehrkräfte und verbindet biblische Grundlagen, systematisch-theologische Klärungen, liturgische Praxis sowie didaktische Zugänge für den Unterricht in der Sekundarstufe I und I


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In weiten Teilen des Alten Testaments herrscht zunächst die Vorstellung, dass die Toten als Schatten in der Scheol, der Unterwelt, existieren und von Gott getrennt sind. Texte wie Psalm 6 betonen, dass die Toten Gott nicht mehr loben können. Eine eigentliche Auferstehungshoffnung ist hier noch nicht greifbar. Allerdings wächst zunehmend die Überzeugung, dass Gottes Macht auch vor der Todeswelt nicht Halt machen kann. Diese theologische Einsicht führt schrittweise zu der Frage: Wenn Gott Macht über die Toten hat, kann er sie dann auch wieder zum Leben erwecken?

Ein wichtiger Zwischenschritt ist die Vision vom Totengebein in Ezechiel 37. Dort wird in eindrücklichen Bildern die Wiederbelebung vertrockneter Knochen geschildert. Diese Szene ist jedoch nicht als wörtliche Massenauferstehung zu verstehen, sondern als Bild für die nationale Wiederherstellung Israels nach Exil und Unterdrückung. Dennoch setzt die Vision voraus, dass Gott grundsätzlich Macht über den Tod besitzt.

Auch einzelne Psalmen formulieren eine vorsichtige Hoffnung über den Tod hinaus. Psalm 49 spricht davon, dass Gott den Beter „aus dem Reich des Todes loskauft“ und „aufnimmt“. Ähnliche Töne finden sich in Psalm 73. Diese Aussagen bleiben jedoch noch unscharf; sie deuten eine bleibende Gemeinschaft mit Gott an, ohne konkrete Vorstellungen vom „Wie“ zu entwickeln.

Deutlicher wird die Auferstehungshoffnung in späten Texten wie Jesaja 24–27. In Jesaja 25 wird verheißen, dass Gott „den Tod für immer beseitigt“. Jesaja 26,19 spricht sogar ausdrücklich davon, dass die Toten leben und aufstehen werden. Hier zeichnet sich erstmals die Hoffnung auf eine allgemeine Auferstehung ab. Noch klarer formuliert das Buch Daniel (Dan 12), dass viele der im Staub Schlafenden erwachen werden – einige zum ewigen Leben, andere zum Gericht. Die Auferstehung wird hier Teil einer endzeitlichen Erwartung.

Historisch gewinnt diese Hoffnung besondere Bedeutung in Zeiten der Verfolgung, vor allem im 2. Jahrhundert v. Chr. Unter der Herrschaft des Seleukidenkönigs Antiochus IV. Epiphanes wurden fromme Juden verfolgt und getötet. Das zweite Makkabäerbuch (2 Makk 7) schildert das Martyrium einer Mutter und ihrer sieben Söhne. Angesichts ihres ungerechten Leidens wird die Hoffnung auf eine leibliche Auferstehung ausdrücklich formuliert: Gott, der die Welt aus dem Nichts geschaffen hat, kann auch Tote neu erschaffen und ihnen ewiges Leben schenken. Hier wird die Auferstehung zur Antwort auf die Frage nach Gottes Gerechtigkeit.

Das Buch der Weisheit entwickelt den Gedanken weiter. Es betont, dass „die Seelen der Gerechten in Gottes Hand“ sind und spricht von Unsterblichkeit und ewiger Gemeinschaft mit Gott. Der Tod wird nicht mehr als endgültige Vernichtung verstanden, sondern als Übergang in Gottes Ruhe. Diese Vorstellungen stehen bereits an der Schwelle zum Neuen Testament.

Im Neuen Testament ist die Auferstehungshoffnung im Judentum zur Zeit Jesu bereits verbreitet, wenn auch nicht unumstritten (etwa bei den Sadduzäern). Mit der Auferstehung Jesu Christi erhält die Hoffnung jedoch einen konkreten historischen Bezugspunkt. Jesu Auferweckung wird als Anfang und Garantie der allgemeinen Auferstehung verstanden. Das Johannesevangelium bringt dies in Jesu Wort „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11) auf den Punkt.

Paulus verbindet die Auferstehung Jesu untrennbar mit der Hoffnung der Gläubigen. In 1 Thessalonicher 4 tröstet er die Gemeinde mit der Zusage, dass Gott auch die Verstorbenen zur Herrlichkeit führen wird. In 1 Korinther 15 beschreibt er die Auferstehung mit dem Bild vom Samenkorn: Was verweslich gesät wird, wird unverweslich auferweckt. Der Tod bleibt zwar eine Realität, verliert jedoch seinen endgültigen Charakter.

Schließlich greift die Offenbarung des Johannes die alttestamentliche Verheißung aus Jesaja 25 auf und entwirft das Bild einer neuen Schöpfung (Offb 21): Gott wird bei den Menschen wohnen, alle Tränen abwischen, und „der Tod wird nicht mehr sein“. Die endgültige Vernichtung des Todes bleibt eine endzeitliche Hoffnung, die auf Gottes zukünftiges Handeln verweist.

Zusammenfassend zeigt der Artikel: Der Glaube an die Überwindung des Todes ist kein ursprünglicher, sondern ein gewachsener Gedanke innerhalb der biblischen Tradition. Er entsteht aus dem Vertrauen auf Gottes Macht und Gerechtigkeit, verdichtet sich in Zeiten von Leid und Verfolgung und findet im Neuen Testament seine Mitte in der Auferstehung Jesu Christi. Für den christlichen Glauben ist diese Hoffnung konstitutiv: Ohne sie wäre der Glaube inhaltsleer.

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