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Eulenfisch

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Zwischen Welten

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel „Zwischen Welten“ von Frank Seibel ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst die Seiten 117 bis 121. In einem Interview sprechen Karin Hildebrand und Franziska Schubert über Heimat, Glauben, Kirche und gesellschaftliche Veränderungen. Der Beitrag verbindet persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen und politischen Fragen. Theologisch behandelt der Artikel insbesondere Probleme wie die Bedeutung von Glauben für Identität und Orientierung, die Rolle der Kirche in einer pluralen Gesellschaft, Fragen nach Gemeinschaft und Heimat sowie die Verantwortung religiöser Gemeinschaften für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Der Artikel stellt ein Gespräch zwischen Karin Hildebrand und Franziska Schubert dar, die unterschiedlichen Generationen angehören und unterschiedliche Lebenswege haben. Beide verbindet jedoch ihr Engagement in Gesellschaft und Kirche sowie ihr Interesse an politischen und sozialen Fragen. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage nach Heimat und nach Orten oder Menschen, bei denen sich ein Mensch geborgen fühlen kann.

Karin Hildebrand beschreibt Heimat weniger als einen bestimmten Ort, sondern vor allem als Beziehungen zu Menschen, denen sie vollkommen vertrauen kann. Heimat entsteht für sie dort, wo sie sich ehrlich äußern kann und verstanden wird. Gleichzeitig hat sie auch eine emotionale Bindung an bestimmte Landschaften und Regionen, etwa an Südtirol, das sie seit ihrer Kindheit kennt und mit positiven Erinnerungen verbindet.

Franziska Schubert beschreibt Heimat stärker als eine regionale Erfahrung. Für sie ist die Region der Oberlausitz, in der sie aufgewachsen ist und lebt, der zentrale Ort ihres Heimatgefühls. Dort erlebt sie soziale Nähe und Vertrautheit. Sie wuchs in einer konfessionell gemischten Familie auf, da ihr Vater evangelisch und ihre Mutter katholisch war. Diese Erfahrung führte dazu, dass sie sich früh mit religiösen Fragen auseinandersetzen und ihren Glauben begründen musste.

Im Gespräch wird deutlich, dass der christliche Glaube für beide Frauen eine wichtige Rolle spielt. Für Franziska Schubert ist der Glaube eine Quelle von Orientierung, Trost und Mut. Besonders die biblische Botschaft Fürchtet euch nicht ist für sie eine zentrale Grundlage ihres Handelns auch in der Politik. Der Glaube gibt ihr Zuversicht und stärkt sie in schwierigen Situationen.

Gleichzeitig sprechen beide Gesprächspartnerinnen auch kritisch über die Kirche. Franziska Schubert nennt zum Beispiel Reformfragen wie die Rolle der Frauen in der Kirche. Dennoch sieht sie den Glauben weiterhin als festen Bestandteil ihres Lebens. Kirche versteht sie vor allem als Gemeinschaft von Menschen, die sich austauschen, miteinander sprechen und gemeinsam Erfahrungen teilen.

Ein weiteres Thema des Artikels ist die Veränderung von Kirche und religiösem Leben in unterschiedlichen Regionen. Während die Kirche im Westen Deutschlands oft eine selbstverständliche gesellschaftliche Präsenz hat, ist sie im Osten eher eine Minderheit. In der ostdeutschen Diaspora entstand teilweise eine enge Gemeinschaft von Gläubigen, die sich gegenseitig unterstützten, die aber auch als begrenzend erlebt werden kann. Offene ökumenische Formen von Gottesdiensten und Begegnungen werden daher als bereichernd erlebt.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wenden sich die beiden Frauen gesellschaftlichen Entwicklungen zu. Sie beobachten, dass öffentliche Diskussionen schwieriger geworden sind, weil Menschen schneller in politische oder ideologische Kategorien eingeordnet werden. Dadurch wird es schwieriger, unterschiedliche Meinungen offen auszutauschen.

Die Corona Pandemie wird als eine Situation beschrieben, die bestehende gesellschaftliche Spannungen verstärkt hat. Politische Entscheidungen werden häufig auf wenige Zahlen reduziert, während komplexe Lebensrealitäten zu wenig berücksichtigt werden. Beide Gesprächspartnerinnen betonen, dass Menschen wieder stärker als ganze Personen wahrgenommen werden sollten und nicht nur als wirtschaftliche Faktoren.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die politische Situation in Ostdeutschland. Karin Hildebrand erinnert sich an die frühen Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, in denen viele Menschen große Hoffnungen auf neue Möglichkeiten der Mitgestaltung hatten. Mit der Zeit entstand jedoch bei manchen Menschen Enttäuschung darüber, dass sie ihre Erwartungen an politische Beteiligung nicht erfüllt sahen.

Franziska Schubert betont, dass es tatsächlich viele Möglichkeiten der demokratischen Beteiligung gibt, diese jedoch oft zu wenig bekannt sind. Deshalb sei politische Bildung besonders wichtig. Menschen müssen lernen, wie sie sich an demokratischen Prozessen beteiligen können.

Auch Protestbewegungen werden angesprochen. Schubert macht deutlich, dass Kritik an politischen Entscheidungen legitim ist, dass jedoch eine Zusammenarbeit mit extremistischen Gruppen nicht akzeptabel ist.

Ein weiterer Aspekt betrifft die sozialen Erfahrungen vieler Menschen in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung. Viele Menschen mussten über Jahre hinweg zum Arbeiten in den Westen pendeln und konnten dadurch ihre Heimatregion nur eingeschränkt mitgestalten. Diese Erfahrungen von Unsicherheit und fehlender Teilhabe können langfristig das Gefühl von Zugehörigkeit und Identität beeinflussen.

Am Ende des Gesprächs wird die Frage gestellt, welche Rolle Kirchen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt nach der Pandemie spielen können. Beide Gesprächspartnerinnen sehen hier eine wichtige Aufgabe. Kirchen können Räume für Begegnung schaffen, Gespräche ermöglichen und Menschen miteinander in Kontakt bringen. Entscheidend ist dabei eine offene und respektvolle Haltung gegenüber allen Menschen.

Kirche soll sich nicht von der Welt abgrenzen, sondern als Teil der Gesellschaft verstehen. In diesem Zusammenhang wird der Gedanke formuliert, dass Menschen nicht nur von Umwelt sprechen sollten, sondern von Mitwelt. Damit wird betont, dass Menschen in gegenseitiger Verantwortung miteinander verbunden sind.

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