Oliver Reis analysiert in diesem Artikel aktuelle katholische Schulbücher für Grundschule und Fördererschule, die nach 2010 in Neuauflagen erschienen sind und ministerielle sowie kirchliche Zulassung haben. Der Zeitpunkt ab 2010 wird gewählt, weil die Schulbücher dieser Generation die Kompetenzorientierung auf hohem Niveau umgesetzt haben, die sich seit 2008 als didaktisches Unterrichtsprinzip etabliert hat. Die Kompetenzorientierung führt zu klar strukturierten Lernprozessen mit Vorschauen, Evaluationen und operatorenbezogenen Aufgaben über verschiedene Anforderungsstufen. Ein zentrales Problem besteht darin, wie konfessionell normierte Handlungsformen kirchen- und religionsfernen Schülern anregendes Bildungsangebot bieten können. Reis entwickelt ein differenziertes Analyseschema mit fünf Kategorien: das Anliegen des Buches (Verständnis von Zielgruppe und Gegenstand), der Ausgangspunkt des Lernprozesses (Verhältnis zur Lebenswelt), offenes versus geschlossenes Denken (Transparenz von Perspektiven und Vorgehensweisen), die innere methodische Struktur (Aufgabenkultur und Wissensvermittlung) sowie die mediale Gestaltung (Vernetzung von Texten, Bildern, Aufgaben und digitalen Ressourcen). Diese Kriterien verdichtet Reis auf zwei Grundfragen: Wie stellt ein Schulbuch Schülerbild und Sachverständnis zueinander dar, und wie wird diese Grundform methodisch-medial organisiert? Die Analyse zeigt exemplarisch am Beispiel des Religionsbuches vom Patmos-Verlag, das in der Tradition von Hubertus Halbfas steht, wie unterschiedliche Schulbücher religiöse Sprachschulung und symbolisches Verständnis von Wirklichkeit differenziert umsetzen.