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Angst hinter Gartenzäunen

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Fachartikel „Angst hinter Gartenzäunen“ von Matthias Cameran ist im Heft ru-heute unter dem Titel „Angst hinter Gartenzäunen“ erschienen und umfasst etwa 4 Seiten (S. 59–62). Der Artikel analysiert das Musikvideo zum Song „Angst“ der Rockband Rammstein und deutet dessen gesellschaftskritische Symbolik. Thematisiert werden vor allem Rassismus, gesellschaftliche Angst, Populismus und mediale Manipulation. Theologisch berührt der Beitrag Fragen nach Menschenwürde, Fremdenfeindlichkeit, Verantwortung gegenüber dem Anderen sowie der ethischen Bewertung von Angst und Gewalt in der Gesellschaft.

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Der Artikel untersucht das Musikvideo zum Song Angst vom Album Zeit der Band Rammstein und interpretiert dessen Bildsprache als gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit Angst, Rassismus und politischer Manipulation. Rammstein gehört zu den international erfolgreichsten deutschen Rockbands. Mit ihrem Album Zeit beziehen sie deutlich politisch Stellung gegen gesellschaftliche Missstände wie Sexismus, Rassismus und mediale Einflussnahme. Das Musikvideo zu Angst wird im Artikel detailliert beschrieben und in seiner symbolischen Bedeutung gedeutet.

Zu Beginn zeigt das Video eine Schwarze Mutter mit ihrem Kind, die in einer kargen Umgebung innerhalb eines Kreises aus Stacheldraht sitzt. Die Szene vermittelt Ausweglosigkeit und Begrenzung von Lebensmöglichkeiten. Die Frau betrachtet ein Smartphone, auf dem später deutlich wird, dass sie Bilder aus einer anderen Welt sieht. Diese Szene bildet den Rahmen für die weitere Handlung.

Im Zentrum des Videos steht eine Gruppe bürgerlich gekleideter Männer, dargestellt von den Bandmitgliedern. Sie leben in einer scheinbar geordneten Vorstadtsiedlung mit gepflegten Gärten, Zäunen und Computerarbeitsplätzen. Anfangs kommunizieren sie freundlich miteinander und pflegen eine idyllische Nachbarschaft. Gleichzeitig werden sie über Bildschirme mit einer Figur konfrontiert, die Angstbotschaften verbreitet. Diese Rolle übernimmt der Sänger der Band, der als eine Art populistischer Prediger inszeniert wird.

Im Verlauf des Videos reagieren die Männer zunehmend auf diese Angstbotschaften. Sie beginnen ihre Gartenzäune zu verstärken und schließlich durch Mauern zu ersetzen. Gleichzeitig installieren sie Überwachungskameras und bewaffnen sich. Die Angst vor einer vermeintlichen Bedrohung führt zu immer stärkerer Abschottung und Misstrauen gegenüber den Nachbarn. Die ursprüngliche Gemeinschaft zerfällt und verwandelt sich in ein System gegenseitiger Überwachung und Feindseligkeit.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Figuren, die als Cheerleader auftreten. Sie präsentieren Backsteine und Waffen wie Waren in einer Verkaufsshow. Dadurch symbolisieren sie wirtschaftliche Interessen, die von Angst profitieren. Der Artikel interpretiert diese Figuren als Hinweis darauf, dass Angst politisch und wirtschaftlich instrumentalisiert werden kann.

Der Songtext greift das bekannte Kinderspiel Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann auf. Im Video erscheint jedoch kein Schwarzer Mann. Der Ausdruck steht vielmehr für eine diffuse Angst vor dem Fremden und Unbekannten. Diese Angst kann sich auf Menschen anderer Herkunft beziehen, aber auch auf allgemeine gesellschaftliche Zukunftsängste. Der Artikel stellt einen Zusammenhang zur sogenannten German Angst her, also einer kulturell geprägten Angst vor Veränderung.

Am Höhepunkt des Videos eskaliert die Situation. Die Männer richten ihre Waffen gegen ihre eigenen Bildschirme und schließlich bricht das gesamte System zusammen. Mauern und Strukturen stürzen ein und die Figuren werden in einen Strudel der Selbstzerstörung gezogen. Damit verdeutlicht das Video, dass eine Gesellschaft, die sich von Angst und Misstrauen leiten lässt, letztlich sich selbst zerstört.

Im Abspann kehrt das Video zur Anfangsszene zurück. Nun wird deutlich, dass sowohl die Welt der Männer als auch die Situation der Frau medial vermittelt sind. Die Männer beobachten die Frau über einen Fernseher, während sie ihrerseits über das Smartphone Bilder sieht. Diese Darstellung macht deutlich, dass beide Lebenswelten nur durch Medien voneinander erfahren. Gleichzeitig zeigt sie die Distanz zwischen privilegierten Gesellschaften und marginalisierten Menschen.

Die Zerstörung des Fernsehgeräts am Ende kann unterschiedlich interpretiert werden. Einerseits kann sie als Versuch verstanden werden, eine koloniale und rassistische Perspektive zu überwinden. Andererseits könnte sie auch als Verdrängung einer unangenehmen Realität gedeutet werden. Insgesamt zeigt das Musikvideo laut Artikel, wie Angst gesellschaftliche Strukturen verändert und zu Ausgrenzung, Gewalt und Selbstzerstörung führen kann.

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