Didaktisch ist der Workshop klar strukturiert und auf drei Doppelstunden angelegt, die jeweils unterschiedliche Lernschwerpunkte setzen. In der ersten Einheit werden grundlegende Begriffe geklärt: Ausgehend vom lateinischen discriminare („trennen, unterscheiden“) werden verschiedene Formen von Diskriminierung systematisch erschlossen. Eine bildgestützte Präsentation (vgl. S. 1) verdeutlicht, wie Diskriminierung als Nährboden für Rassismus, Nationalismus und Rechtsextremismus fungiert und historisch im Kolonialismus sowie im Nationalsozialismus kulminierte. Diese sachliche Einordnung gibt den Schülerinnen und Schülern Orientierung und schützt vor einer moralisierenden oder rein emotionalen Auseinandersetzung.
Die zweite Doppelstunde legt den Schwerpunkt auf persönliche Erfahrungen und Reflexion. In einem geschützten Stuhlkreis positionieren sich die Lernenden räumlich zu Aussagen und Symbolen – von Social Media über Fake News bis hin zu antisemitischen Parolen oder rechtsextremen Symbolen (vgl. S. 2). Diese Methode erlaubt es, Betroffenheit, Distanz oder Unsicherheit sichtbar zu machen, ohne einzelne Schülerinnen oder Schüler zu exponieren. In Kleingruppen werden anschließend eigene Erfahrungen als Betroffene, Auslösende oder Zeug:innen von Diskriminierung reflektiert, bevor ausgewählte Fälle gemeinsam analysiert werden. Besonders hervorzuheben ist die bewusste sprachliche Differenzierung zwischen „Betroffenen“ und „Auslösenden“, die eine Entkopplung von Person und Tat ermöglicht und präventiv wirkt.
In der dritten Doppelstunde wird der Fokus auf Handlungsorientierung gelegt. Die Lerngruppe entwickelt im Klassenrat einen gemeinsamen Vertrag gegen Diskriminierung, der auf Konsens, Argumentation und gegenseitiger Anerkennung basiert (vgl. S. 3). Dabei werden konkrete Interventions-, Unterstützungs- und Nachsorgestrategien erarbeitet, die den Schülerinnen und Schülern Sicherheit im Umgang mit diskriminierenden Situationen geben. Demokratie wird so nicht nur thematisiert, sondern praktisch eingeübt.
Für den katholischen Religionsunterricht ist der Workshop in besonderer Weise anschlussfähig. Zentrale Inhalte wie Menschenwürde, Gleichwertigkeit aller Menschen, Verantwortung für den Nächsten und der Einsatz gegen Unrecht entsprechen grundlegenden biblischen und sozialethischen Leitlinien. Die Auseinandersetzung mit Diskriminierung kann theologisch vertieft werden, etwa im Blick auf die Gottebenbildlichkeit aller Menschen, Jesu Umgang mit Ausgegrenzten oder die christliche Verpflichtung zu Zivilcourage und Solidarität. Zugleich unterstützt das Material eine dialogische und schülerorientierte Unterrichtskultur, die Raum für Zweifel, Ambivalenzen und Lernprozesse lässt. Der Workshop eignet sich daher sowohl für den regulären Religionsunterricht als auch für Projekttage, Präventionskonzepte oder fächerübergreifende Kooperationen im Bereich Demokratie- und Wertebildung.