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Eulenfisch

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Die gefährdete Natur und die Kunst der Schöpfung

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Fachartikel ist in der Zeitschrift ru-heute unter dem Titel „Die gefährdete Natur und die Kunst der Schöpfung“ von Holger Zaborowski erschienen. Der Artikel umfasst ca. 6 Seiten (S. 13–18).

Der Beitrag beschäftigt sich mit theologischen und philosophischen Fragen zur Schöpfung, zur ökologischen Krise und zur Verantwortung des Menschen für die Natur. Zaborowski beschreibt, dass der Mensch heute oft zwischen Ausbeutung der Natur und technischer Perfektionierung des Menschen steht und dabei sein ursprüngliches Verhältnis zur Schöpfung vergisst. Der Artikel fragt, wie ein verantwortlicher Umgang mit der Natur aussehen kann und welche Rolle ein christliches Schöpfungsverständnis dabei spielt.

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Der Artikel beschreibt zunächst die gegenwärtige ökologische Krise. Klimawandel, extreme Wetterereignisse, Artensterben und zerstörte Landschaften zeigen, dass der Mensch der Natur erheblichen Schaden zufügt. Diese Krise betrifft nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesellschaft. Konflikte, Hunger, Armut und Migration stehen in engem Zusammenhang mit der Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen. Der Mensch ist selbst Teil der Natur und lebt mit anderen Lebewesen im gemeinsamen Haus der Erde. Gerade deshalb ist es problematisch, dass der Mensch seine Verantwortung für dieses Haus häufig missachtet.

In der öffentlichen Diskussion wird oft von der Bewahrung der Schöpfung gesprochen. Interessant ist dabei, dass auch Menschen, die nicht an Gott glauben, den Begriff der Schöpfung verwenden. Darin zeigt sich möglicherweise eine Sehnsucht nach Sinn und nach einer Vorstellung, dass der Mensch mehr ist als ein zufälliges Produkt der Evolution. Die Rede von der Schöpfung kann Ausdruck der Hoffnung sein, dass das Leben eine tiefere Bedeutung besitzt und dass der Mensch eine besondere Würde hat.

Aus theologischer Sicht bedeutet Schöpfung jedoch mehr als nur Natur oder Umwelt. Schöpfung ist Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Welt. Alles, was existiert, ist von Gott geschaffen und steht in Beziehung zu ihm. Deshalb besitzt jedes Geschöpf eine eigene Würde. Der Mensch ist Teil der Schöpfung, hat aber zugleich eine besondere Aufgabe. Er soll die Schöpfung bewahren und verantwortungsvoll mit ihr umgehen. Diese Aufgabe kann jedoch missverstanden werden. Statt Pflege und Schutz entstehen häufig Ausbeutung und Zerstörung.

Ein zentrales Problem liegt im modernen Naturverständnis. Natur wird oft als Objekt betrachtet, das wissenschaftlich untersucht, technisch kontrolliert und wirtschaftlich genutzt werden kann. Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft liefern wichtige Erkenntnisse und Möglichkeiten. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Perspektiven allein das Denken bestimmen. Dann wird alles nur noch nach Nutzen, Funktion und wirtschaftlichem Gewinn bewertet. In dieser Sichtweise verliert die Natur ihren Eigenwert.

Diese Haltung führt dazu, dass der Mensch sich selbst von der Natur entfremdet. Natur wird zum Gegenstand der Nutzung. Wälder, Tiere oder Meere werden vor allem danach beurteilt, welchen Nutzen sie bringen. Gleichzeitig wendet der Mensch diese Logik auch auf sich selbst an. Die moderne Idee der Selbstoptimierung zeigt, dass der Mensch sich selbst wie ein Produkt behandelt, das verbessert, gesteigert und vermarktet werden soll. Die Ausbeutung der Natur setzt sich damit in der Selbstüberforderung des Menschen fort.

Eine einfache Rückkehr zu früheren Lebensweisen ist jedoch nicht möglich. Trotzdem entstehen heute neue Formen des Nachdenkens und Handelns. Viele Menschen versuchen bewusster zu leben, Ressourcen zu schonen, nachhaltiger zu wirtschaften oder gerechtere gesellschaftliche Strukturen zu entwickeln. Diese Entwicklungen zeigen den Beginn einer neuen Haltung der Verantwortung gegenüber der Natur.

Verantwortung bedeutet dabei nicht nur einzelne moralische Entscheidungen. Gemeint ist eine grundlegende Lebenshaltung. Natur ist nicht bloß ein Objekt des Menschen, sondern der Raum, in dem menschliches Leben möglich wird. Der Mensch sollte diesen Raum respektieren und schützen. In diesem Zusammenhang erinnert die antike Idee des Lebens gemäß der Natur daran, dass die Natur auch Grenzen setzt. Wer diese Grenzen missachtet, gefährdet letztlich auch das eigene Leben.

Der Autor betont außerdem, dass die ökologische Krise eng mit dem Selbstverständnis des Menschen verbunden ist. Solange der Mensch sein eigenes Leben nur technisch und funktional betrachtet, wird sich auch sein Verhältnis zur Natur nicht ändern. Deshalb braucht es ein neues Verständnis vom Menschsein. Der Mensch soll sein Leben nicht wie ein Produkt herstellen, sondern wie ein Kunstwerk gestalten.

Hier sieht der Autor eine wichtige Rolle für Religion und Kunst. Das Christentum erinnert daran, dass der Mensch Geschöpf Gottes ist und deshalb Demut gegenüber der Schöpfung lernen muss. Auch die Kunst kann helfen, ein kreativeres Verhältnis zur Welt zu entwickeln. Wer kreativ lebt, begegnet sich selbst, anderen Menschen und der Natur auf neue Weise.

Der Mensch kann dann als kreativer Mitgestalter der Schöpfung verstanden werden. Statt die Natur nur technisch zu beherrschen, kann er sie verantwortungsvoll und schöpferisch gestalten. In diesem Sinne wird der Mensch nicht zum Produzenten, sondern zu einem künstlerischen Gestalter innerhalb der Schöpfung. Eine solche Haltung eröffnet Hoffnung, dass der Mensch einen neuen und verantwortlicheren Umgang mit der Natur entwickeln kann.

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