Die Sendung „Brauchen wir Wirtschaftswachstum?“ aus der ARTE-Reihe „42 – Die Antwort auf fast alles“ nimmt die verbreitete Annahme in den Blick, dass wirtschaftliches Wachstum automatisch Wohlstand sichert, und stellt sie den ökologischen und sozialen Folgekosten gegenüber. Ausgehend von der Beobachtung, dass lebendige Organismen irgendwann aufhören zu wachsen, während Volkswirtschaften auf dauerhaftes Wachstum ausgerichtet sind, werden zentrale Spannungsfelder aufgearbeitet: die Überschreitung planetarer Grenzen, die ökologische Belastung durch steigenden Ressourcenverbrauch sowie die Frage, ob und wie sich gesellschaftliches Wohlergehen überhaupt angemessen messen lässt. Dabei wird die Rolle des Bruttoinlandsprodukts kritisch reflektiert, weil es zwar Marktleistung abbildet, aber unbezahlte Sorgearbeit, Verteilungsfragen und ökologische Schäden nicht erfasst. Die Sendung diskutiert zudem politische und ökonomische Abhängigkeiten, etwa die Kopplung staatlicher Einnahmen, Beschäftigung und sozialer Sicherung an Wachstum, und beleuchtet Lösungsansätze wie alternative Wohlstandsindikatoren, Steuer- und Arbeitszeitmodelle, Kreislaufwirtschaft und die Debatte um „grünes Wachstum“ beziehungsweise Postwachstum. Durch den Wechsel zwischen anschaulichen Erklärbildern, Expertinnen- und Expertenstimmen und globalen Beispielen wird ein komplexes Thema verständlich strukturiert und als Gegenwartsfrage erfahrbar.
Methodisch-didaktisch eignet sich das Medium besonders für die Sekundarstufe I (ab Klasse 9) und die Sekundarstufe II, weil es zentrale ökonomische Begriffe klärt und zugleich zur ethischen Urteilsbildung herausfordert. Für den Unterricht bietet sich eine mehrstufige Erschließung an: Zunächst kann eine fokussierte Filmbeobachtung mit klaren Leitfragen erfolgen, die die Argumentationslinien ordnet (Wachstum als Wohlstandsversprechen, Wachstum als Treiber ökologischer Krisen, Grenzen des BIP, Alternativen). Anschließend kann eine Begriffsarbeit die Schlüsselkonzepte sichern, etwa Wachstum, Wohlstand, BIP, externe Kosten, planetare Grenzen, Entkopplung, Rebound-Effekt, Kreislaufwirtschaft und alternative Indikatoren. In einem dritten Schritt ermöglicht eine Perspektivenarbeit kontroverse, nicht überwältigende Urteilsbildung: Lernende rekonstruieren begründete Positionen verschiedener Akteure (Politik, Unternehmen, Beschäftigte, Zivilgesellschaft, globale Süd-Perspektiven) und prüfen Zielkonflikte zwischen sozialer Sicherheit, globaler Gerechtigkeit und ökologischer Tragfähigkeit. Religionspädagogisch lässt sich die Sendung anschließen an die Frage nach dem „guten Leben“ und an Grundlinien christlicher Sozialethik, insbesondere Menschenwürde, Gemeinwohl, Solidarität, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung. Dabei kann die Unterscheidung von „Wachstum“ und „Wohlstand“ in religiöse Deutungshorizonte übersetzt werden, etwa als Reflexion über Maß, Genug, Freiheit von Konsumzwang und die Verantwortung für kommende Generationen. Interreligiöse und weltanschauliche Perspektiven lassen sich dialogisch einbeziehen, indem unterschiedliche Begründungen für Nachhaltigkeit und Genügsamkeit (religiös, humanistisch, ökologisch) vergleichend zur Sprache kommen. Eine handlungsorientierte Weiterführung kann über die Entwicklung von Kriterien für schulische oder lokale „Wohlstandsindikatoren“ erfolgen, ohne moralisierend zu wirken, indem Optionen argumentativ geprüft, Grenzen benannt und Entscheidungsspielräume sichtbar gemacht werden.