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Eulenfisch

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Frei sein – Spiritualität in der ökologischen Krise

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Fachartikel „Frei sein – Spiritualität in der ökologischen Krise“ von Katrin Bederna ist im Heft ru-heute / Eulenfisch im Abschnitt Praxis – Erneuere das Angesicht der Erde! enthalten und umfasst ca. fünf Seiten (S. 91–95).

Der Artikel thematisiert die ökologische Krise als spirituelle und theologische Herausforderung. Er diskutiert insbesondere die Fragen nach Schuld und Umkehr, dem Verhältnis des Menschen zur Schöpfung, Hoffnung trotz Krise und dem Verständnis von Freiheit angesichts ökologischer Grenzen. Anhand christlicher Spiritualität, insbesondere der Tradition von Franz von Assisi und ignatianischer Spiritualität, zeigt der Beitrag Möglichkeiten einer ökologischen Spiritualität und Transformation des Lebensstils auf.

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Der Artikel beschreibt die ökologische Krise als eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Obwohl seit Jahrzehnten bekannt ist, dass der Klimawandel das Leben auf der Erde bedroht, bleiben politische Maßnahmen und gesellschaftliche Veränderungen oft unzureichend. Viele Menschen im globalen Norden leben weiterhin so, als hätte die Krise keine Konsequenzen für ihren Alltag. Gleichzeitig erleben viele junge Menschen und Klimaaktivisten eine tiefe Verzweiflung über die Situation.

Die Autorin deutet diese Situation nicht nur als politische oder wirtschaftliche Krise, sondern auch als spirituelle Krise. Spiritualität beschreibt das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und zu Gott. In der ökologischen Krise zeigt sich, dass das dominierende Weltbild die Natur häufig nur als Ressource betrachtet. Eine ökologische Transformation erfordert deshalb auch eine Veränderung des inneren Selbst und Weltverhältnisses.

Ein erster Schritt ist eine Spiritualität der Umkehr. In der christlichen Tradition beginnt diese mit dem Eingeständnis von Schuld. Die Zerstörung der Mitwelt wird als Sünde verstanden, weil sie auch die Beziehung zu Gott verletzt. Deshalb fordert der christliche Glaube eine ökologische Umkehr, die nicht nur einzelne Handlungen verändert, sondern die grundlegende Logik der gegenwärtigen Lebensweise hinterfragt. Die ignatianischen Exerzitien können hierfür eine Orientierung geben. Sie beginnen mit einer kritischen Wahrnehmung der eigenen Verantwortung für die ökologische Krise und führen zu einer Unterscheidung der Geister, also zu der Frage, wie Menschen im Licht des Evangeliums handeln sollen.

Ein weiterer Aspekt ist eine Spiritualität der Natur. Moderne Gesellschaften betrachten Natur häufig nur unter dem Gesichtspunkt ihres Nutzens. Wälder erscheinen als Holz, Tiere als Produktionsmittel und Landschaften als wirtschaftliche Ressourcen. Dem stellt die Autorin eine andere Sichtweise gegenüber, die in der Spiritualität von Franz von Assisi sichtbar wird. Franziskus begegnet Tieren, Pflanzen und Elementen wie Geschwistern und spricht ihnen einen eigenen Wert zu. In dieser Perspektive ist die gesamte Schöpfung Teil eines Beziehungsnetzes, das auf Gott verweist. Diese Haltung fordert dazu heraus, Natur nicht nur als Mittel zum Zweck zu betrachten, sondern ihren Eigenwert zu achten.

Die ökologische Krise verlangt außerdem eine Spiritualität des Engagements und der Hoffnung. Der christliche Glaube verspricht keine einfache Lösung der Krise. Das Leiden der Welt und die Erfahrung der Abwesenheit Gottes gehören zur Realität. Dennoch kann der Glaube Menschen dazu ermutigen, sich für Veränderung einzusetzen. Ein biblisches Bild dafür ist das Gleichnis von der selbst wachsenden Saat. Menschen säen und handeln, aber das Wachstum liegt nicht vollständig in ihrer Macht. Dieses Gleichnis kann helfen, zwischen aktivem Engagement und dem Vertrauen auf eine größere Wirklichkeit zu balancieren.

Schließlich entwickelt der Artikel eine Spiritualität der Freiheit. In der ökologischen Krise wird deutlich, dass die Freiheit der Menschen begrenzt ist. Die Freiheit zu konsumieren, zu reisen oder Ressourcen zu nutzen steht im Konflikt mit der Freiheit anderer Menschen und zukünftiger Generationen. Christliche Spiritualität kann hier eine andere Form von Freiheit eröffnen. In der ignatianischen Tradition bedeutet Freiheit auch Indifferenz gegenüber Besitz und Dingen. Franziskus von Assisi lebte diese Freiheit radikal durch Armut und Besitzlosigkeit.

Für die Gegenwart bedeutet dies eine Orientierung an Suffizienz. Menschen besitzen und verbrauchen weniger Dinge, teilen Ressourcen, reparieren Gegenstände und gestalten ihren Alltag nachhaltiger. Diese Lebensweise ist nicht nur Verzicht, sondern kann neue Formen von Gemeinschaft, Zeit und Selbstwirksamkeit eröffnen. Letztlich beschreibt Freiheit in der ökologischen Krise die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und bewusst so zu handeln, dass Zukunft für alle möglich bleibt.

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