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Katholische Akademie Bayern

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Abschied als Aufbruch Der Schluss des Markusevangeliums

Veröffentlichung:1.6.2026

Der Fachartikel „Abschied als Aufbruch. Der Schluss des Markusevangeliums“ von Prof. Dr. Hans Georg Gradl, Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Theologischen Fakultät Trier, erschienen in der Zeitschrift zur debatte (Ausgabe 2/2026, Seiten 52 bis 55), beschäftigt sich mit dem ungewöhnlichen und offenen Ende des Markusevangeliums in Markus 16,1 bis 8. Im Mittelpunkt steht die Frage, weshalb das älteste Evangelium mit der Furcht, dem Entsetzen und dem Schweigen der Frauen am leeren Grab endet, obwohl ihnen die Auferweckung Jesu verkündet und der Auftrag zur Weitergabe der Osterbotschaft erteilt wird. Der Autor untersucht zunächst die unterschiedlichen überlieferten Schlussfassungen des Markusevangeliums und begründet anhand textkritischer, sprachlicher und historischer Argumente, weshalb Markus 16,8 als ursprünglicher und wahrscheinlich beabsichtigter Abschluss des Evangeliums anzusehen ist. Anschließend erschließt er die Erzählung vom leeren Grab in ihrem literarischen und theologischen Zusammenhang. Dabei werden insbesondere die Bedeutung der Frauen als Zeuginnen, die Symbolik des weggewälzten Steins, die Verkündigung der Auferweckung Jesu, die erneute Berufung des Petrus und der Auftrag zur Rückkehr nach Galiläa herausgearbeitet. Der Artikel verdeutlicht, dass die Osterbotschaft im Markusevangelium nicht von der Kreuzigung und dem Leiden Jesu getrennt werden kann. Der offene Schluss wird als bewusste Einladung an die Lesenden verstanden, die Geschichte Jesu im eigenen Leben fortzusetzen und die Botschaft von Ostern im Alltag durch Glauben, Hoffnung und gelebte Nachfolge wirksam werden zu lassen.

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II sowie für die vertiefende Behandlung der Passion und Auferstehung Jesu in der Sekundarstufe I. Es eröffnet vielfältige Möglichkeiten, die Themen Markusevangelium, Ostern, Auferstehung, christliche Hoffnung, Nachfolge Jesu, biblische Textkritik und die Bedeutung neutestamentlicher Erzählungen miteinander zu verbinden. Der Artikel bietet einen wissenschaftlich fundierten und zugleich lebensweltlich anschlussfähigen Zugang zur Osterbotschaft, indem er das ungewöhnliche Ende des Markusevangeliums nicht als erzählerischen Mangel, sondern als theologisch bedeutsame Gestaltung interpretiert. Die Lernenden können erkennen, dass biblische Texte nicht ausschließlich Informationen über vergangene Ereignisse vermitteln, sondern ihre Adressaten zur Auseinandersetzung mit grundlegenden Glaubensfragen und zur eigenen Stellungnahme herausfordern. Besonders gewinnbringend ist die Frage, weshalb das Markusevangelium keine ausführliche Begegnung mit dem Auferstandenen schildert, sondern die Geschichte mit einer offenen Zukunftsperspektive beendet. Das Medium fördert damit sowohl die Fähigkeit zur reflektierten Bibelauslegung als auch die Kompetenz, die christliche Auferstehungsbotschaft auf ihre Bedeutung für menschliche Erfahrungen von Verlust, Angst, Hoffnung und Neubeginn hin zu befragen.

Als Einstieg in die Unterrichtsarbeit bietet sich die Leitfrage „Kann eine gute Nachricht mit Angst und Schweigen enden?“ an. Die Lernenden können zunächst darüber nachdenken, welche Erwartungen sie an das Ende einer Geschichte haben und weshalb offene oder überraschende Schlussgestaltungen besonders zum Nachdenken anregen können. Hierzu eignen sich Beispiele aus Literatur, Film oder eigenen Leseerfahrungen. Anschließend kann Markus 16,1 bis 8 vorgelesen werden, ohne zunächst zusätzliche Informationen über die unterschiedlichen Schlussfassungen des Evangeliums zu geben. Die Lernenden können ihre unmittelbaren Eindrücke festhalten und formulieren, welche Fragen das Ende bei ihnen auslöst. Besonders interessant ist die Spannung zwischen der Botschaft „Er wurde auferweckt“ und der Reaktion der Frauen, die voller Furcht vom Grab fliehen und zunächst schweigen. Die Lernenden können diskutieren, weshalb eine solche Reaktion überraschend erscheint und welche Gefühle sie selbst mit der Vorstellung einer Begegnung mit dem Unerwarteten oder Unbegreiflichen verbinden. Auf diese Weise wird die besondere erzählerische Gestaltung des Markusschlusses zum Ausgangspunkt einer vertieften theologischen Auseinandersetzung.

Für die anschließende Erarbeitung empfiehlt sich eine genaue Textanalyse von Markus 16,1 bis 8. Die Lernenden können die Erzählung zunächst in einzelne Sinnabschnitte gliedern und deren jeweilige Funktion untersuchen. Dabei lassen sich der Gang der Frauen zum Grab, die Entdeckung des weggewälzten Steins, die Begegnung mit dem jungen Mann, die Verkündigung der Auferweckung Jesu, der Auftrag zur Weitergabe der Botschaft und die abschließende Reaktion der Frauen unterscheiden. Die Lernenden können herausarbeiten, welche Erwartungen durch die einzelnen Erzählabschnitte aufgebaut werden und wie sich diese im Verlauf der Geschichte verändern. Besonders wichtig ist die Beobachtung, dass die Frauen ursprünglich zum Grab kommen, um den Leichnam Jesu zu salben, dort aber mit einer Botschaft konfrontiert werden, die ihre bisherigen Vorstellungen grundlegend infrage stellt. Die Erzählung führt somit von der Erwartung des Todes zur Verkündigung neuen Lebens, ohne die Unsicherheit und Furcht der beteiligten Personen auszublenden.

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit der Entstehung und Überlieferung biblischer Texte. Der Artikel erläutert, dass neben dem Schluss in Markus 16,8 weitere kürzere und längere Schlussfassungen des Evangeliums überliefert sind, die das abrupte Ende ergänzen und offene Fragen beantworten. Die Lernenden können untersuchen, weshalb spätere Abschreiber und christliche Gemeinschaften möglicherweise das Bedürfnis hatten, die ursprüngliche Erzählung zu erweitern. Hierzu eignet sich ein Vergleich zwischen Markus 16,1 bis 8 und Markus 16,9 bis 20. Die Lernenden können herausarbeiten, welche zusätzlichen Informationen die längere Schlussfassung enthält und wie sich dadurch die Wirkung des Evangeliums verändert. Dabei kann auch auf die Parallelen zu den Ostererzählungen der anderen Evangelien eingegangen werden. Die Lernenden können erkennen, dass die Überlieferung biblischer Texte ein historischer Prozess ist und dass die wissenschaftliche Textkritik versucht, anhand unterschiedlicher Handschriften und sprachlicher Merkmale möglichst frühe Textfassungen zu rekonstruieren. Zugleich sollte verdeutlicht werden, dass textkritische Forschung nicht die religiöse Bedeutung der Bibel grundsätzlich infrage stellt, sondern zu einem differenzierten Verständnis ihrer Entstehung und Überlieferung beiträgt.

Für leistungsstärkere Lerngruppen bietet sich eine vertiefende Beschäftigung mit den im Artikel genannten textkritischen Argumenten an. Die Lernenden können untersuchen, weshalb die Handschriften Codex Vaticanus und Codex Sinaiticus für die Rekonstruktion des Markusschlusses eine besondere Bedeutung besitzen und welche Rolle sprachliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Schlussfassungen spielen. Auch die Tatsache, dass das Matthäusevangelium und das Lukasevangelium die Markusüberlieferung nur bis Markus 16,8 aufgreifen, kann als Argument betrachtet werden. Die Lernenden können diese Hinweise sammeln und bewerten, um nachzuvollziehen, weshalb der Autor Markus 16,8 als ursprünglichen und wahrscheinlich beabsichtigten Schluss versteht. Dabei wird deutlich, dass wissenschaftliche Aussagen über biblische Texte auf überprüfbaren Argumenten beruhen und zwischen historischer Wahrscheinlichkeit und endgültiger Gewissheit unterschieden werden muss.

Ein weiterer didaktischer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung der Frauen als Zeuginnen der Kreuzigung, Grablegung und Auferweckungsbotschaft. Die Lernenden können die entsprechenden Textstellen aus Markus 15 und 16 miteinander vergleichen und herausarbeiten, welche Rolle Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome innerhalb der Passionsgeschichte einnehmen. Besonders interessant ist, dass die Frauen im Gegensatz zu den geflohenen Jüngern die Kreuzigung und Grablegung Jesu begleiten und anschließend als Erste mit der Osterbotschaft konfrontiert werden. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung diese erzählerische Kontinuität für die Glaubwürdigkeit der Darstellung besitzt und weshalb gerade die Frauen zu zentralen Figuren des Ostergeschehens werden. Dabei bietet sich auch eine Verbindung zur Frage nach der Rolle von Frauen in den neutestamentlichen Schriften und in der frühen Kirche an. Die Lernenden können reflektieren, welche Bedeutung weibliche Glaubenszeugnisse für die Entstehung und Weitergabe christlicher Traditionen besitzen.

Besonders gewinnbringend ist die Auseinandersetzung mit der Symbolik des leeren Grabes. Der Artikel verdeutlicht, dass das leere Grab allein noch keine eindeutige Aussage über die Auferweckung Jesu ermöglicht, sondern erst durch die Verkündigung des jungen Mannes eine theologische Deutung erhält. Die Lernenden können untersuchen, weshalb ein Zeichen nicht automatisch seine eigene Bedeutung erklärt und welche Rolle Sprache, Glaubensüberzeugungen und religiöse Deutungen für das Verständnis außergewöhnlicher Erfahrungen spielen. Dabei kann die Frage aufgegriffen werden, ob die Auferstehung Jesu als historisches Ereignis im gleichen Sinne wie andere Ereignisse beschrieben und überprüft werden kann oder ob sie eine besondere Form religiöser Wirklichkeitsdeutung voraussetzt. Ziel ist es, die Lernenden zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von historischem Wissen, religiösem Glauben und theologischer Interpretation anzuregen. Unterschiedliche persönliche Überzeugungen sollten dabei ausdrücklich respektiert werden.

Die im Artikel herausgearbeitete Bildsprache des Ostermorgens eröffnet zudem einen ästhetischen Zugang. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung dem frühen Morgen, dem Sonnenaufgang, dem weggewälzten Stein, dem weißen Gewand des jungen Mannes und dem Aufblicken der Frauen zukommt. Dabei wird deutlich, dass der Evangelist mit sprachlichen Bildern arbeitet, die den Übergang von Trauer und Hoffnungslosigkeit zu einer neuen Perspektive auf das Leben veranschaulichen. Die Lernenden können diese Motive in einer Bildanalyse, einer kreativen Textgestaltung oder einer symbolischen Darstellung aufgreifen. Beispielsweise können sie ein Bild zum Thema „Vom Dunkel des Karfreitags zum Licht des Ostermorgens“ gestalten und erläutern, welche theologischen Aussagen sie mit den verwendeten Farben, Formen und Symbolen verbinden. Auch ein Vergleich mit ausgewählten Darstellungen der Auferstehung in der christlichen Kunst bietet sich an. Dabei sollte besonders darauf geachtet werden, zwischen den biblisch überlieferten Motiven und späteren künstlerischen Ergänzungen zu unterscheiden.

Ein zentraler theologischer Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenhang zwischen Kreuzigung und Auferweckung Jesu. Der Artikel betont, dass das Markusevangelium den gekreuzigten Jesus ausdrücklich in den Mittelpunkt der Osterbotschaft stellt. Die Lernenden können untersuchen, weshalb der junge Mann im Grab Jesus als den Nazarener und Gekreuzigten bezeichnet, bevor er seine Auferweckung verkündet. Dabei kann herausgearbeitet werden, dass die christliche Hoffnung auf Auferstehung nicht unabhängig von der Erfahrung des Leidens und Sterbens verstanden werden kann. Die Lernenden können reflektieren, welche Bedeutung es für das christliche Gottesbild besitzt, dass Jesus nicht als unverwundbarer Held dargestellt wird, sondern als Mensch, der Leid, Verlassenheit und Tod erfährt. Hier bietet sich eine Verbindung zur Kreuzestheologie und zur Theodizeefrage an. Die Lernenden können diskutieren, ob und inwiefern die Osterbotschaft eine neue Perspektive auf Leid und Tod eröffnet, ohne diese Erfahrungen zu verharmlosen oder einfache Erklärungen für menschliches Leiden anzubieten.

Eine vertiefende Auseinandersetzung kann durch den Vergleich mit ausgewählten paulinischen Texten erfolgen. Besonders geeignet ist 1 Korinther 15, in dem Paulus die Auferweckung Jesu als grundlegenden Inhalt des christlichen Glaubens beschreibt. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung die Formulierung besitzt, dass Jesus von Gott auferweckt wurde, und weshalb der Artikel die grammatische Passivform als Hinweis auf das Handeln Gottes interpretiert. Dabei kann die Unterscheidung zwischen Auferweckung und Auferstehung erläutert werden. Die Lernenden können herausarbeiten, dass die Auferweckung Jesu in den neutestamentlichen Texten als Handeln Gottes verstanden wird und damit eine Hoffnungsperspektive eröffnet, die über menschliche Möglichkeiten hinausweist. Zugleich können sie reflektieren, welche Bedeutung die Auferstehungsbotschaft für das christliche Verständnis von Leben, Tod und Zukunft besitzt.

Ein weiterer wichtiger Zugang ergibt sich aus der ausdrücklichen Erwähnung des Petrus in Markus 16,7. Die Lernenden können die Verleugnung Jesu durch Petrus in Markus 14,66 bis 72 mit dem Auftrag des jungen Mannes vergleichen, die Osterbotschaft auch Petrus zu übermitteln. Dabei kann untersucht werden, weshalb Petrus trotz seines vorherigen Versagens ausdrücklich angesprochen wird und welche Bedeutung dies für das Verständnis von Vergebung, Neuanfang und erneuter Berufung besitzt. Die Lernenden können reflektieren, wie der christliche Glaube mit menschlichem Scheitern und persönlicher Schuld umgeht und weshalb die Möglichkeit eines Neubeginns eine zentrale Dimension der Osterbotschaft darstellt. Hier bietet sich eine Verbindung zu den Themen Vergebung, Versöhnung, Schuld und Verantwortung an. Anhand lebensweltlicher Beispiele können die Lernenden darüber nachdenken, unter welchen Bedingungen Menschen nach einem Fehler erneut Vertrauen erfahren und Verantwortung übernehmen können.

Besonders bedeutsam ist die im Artikel entwickelte Deutung Galiläas als Ort des Alltags und der erneuerten Nachfolge. Die Lernenden können untersuchen, weshalb der junge Mann die Frauen auffordert, den Jüngern die Rückkehr nach Galiläa anzukündigen, und welche Bedeutung dieser Ort innerhalb des Markusevangeliums besitzt. Galiläa ist nicht nur der geografische Ausgangspunkt des öffentlichen Wirkens Jesu, sondern steht in der Deutung des Autors auch für die alltägliche Lebenswelt der Jünger. Die Lernenden können herausarbeiten, dass die Osterbotschaft nach dieser Interpretation nicht auf das außergewöhnliche Geschehen am Grab beschränkt bleibt, sondern im gewöhnlichen Leben wirksam werden soll. Eine mögliche Leitfrage lautet: „Wo liegt das Galiläa unseres Lebens?“ Die Lernenden können darüber nachdenken, welche Bedeutung Hoffnung, Vertrauen, Vergebung und Verantwortung in ihrem Alltag besitzen und wie sich christliche Nachfolge in konkretem Handeln ausdrücken könnte. Dabei sollte die persönliche Glaubensentscheidung offenbleiben und die Aufgabe als Einladung zur Reflexion verstanden werden.

Die offene Schlussgestaltung des Markusevangeliums bietet besonders vielfältige methodische Möglichkeiten. Die Lernenden können zunächst überlegen, wie sie die Geschichte nach Markus 16,8 fortsetzen würden. Dabei können sie einen inneren Monolog einer der Frauen am Grab verfassen, ein Gespräch zwischen den Frauen nach ihrer Flucht gestalten oder einen fiktiven Bericht über die Begegnung der Jünger mit der Osterbotschaft entwickeln. Anschließend werden die unterschiedlichen Fortsetzungen miteinander verglichen und auf ihre theologischen Aussagen hin untersucht. Besonders interessant ist die Frage, weshalb Markus selbst auf eine solche Fortsetzung verzichtet. Die Lernenden können erkennen, dass ein offenes Ende die Lesenden stärker in die Erzählung einbeziehen kann, weil es eigene Fragen, Vorstellungen und Entscheidungen herausfordert. Die zentrale These des Autors, dass die Geschichte Jesu im Leben der Lesenden weitergehen soll, kann auf diese Weise methodisch erfahrbar gemacht werden.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Durchführung eines theologischen Gesprächs über die Reaktion der Frauen. Die Lernenden können diskutieren, weshalb Furcht, Entsetzen und Schweigen im Markusevangelium nicht notwendigerweise als Zeichen fehlenden Glaubens verstanden werden müssen. Der Artikel deutet diese Reaktionen vielmehr als Ausdruck der überwältigenden Begegnung mit dem göttlichen Handeln. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung Ehrfurcht, Staunen und Unsicherheit innerhalb religiöser Erfahrungen besitzen und weshalb außergewöhnliche Erfahrungen nicht immer unmittelbar in Worte gefasst werden können. Dabei kann die Frage gestellt werden, ob Zweifel, Angst und Unsicherheit zum Glauben dazugehören können. Die Lernenden können unterschiedliche biblische Beispiele heranziehen und vergleichen, wie Menschen auf Gottesbegegnungen und unerwartete religiöse Erfahrungen reagieren.

Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Osterbotschaft eignet sich außerdem ein Vergleich der Auferstehungserzählungen in den vier Evangelien. Die Lernenden können Markus 16,1 bis 8 mit Matthäus 28,1 bis 10, Lukas 24,1 bis 12 und Johannes 20,1 bis 18 vergleichen. Dabei können sie herausarbeiten, welche Personen auftreten, wie das leere Grab beschrieben wird, welche Botschaften verkündet werden und welche Reaktionen die beteiligten Personen zeigen. Besonders wichtig ist die Frage, weshalb die Evangelien unterschiedliche erzählerische Schwerpunkte setzen und welche theologischen Anliegen darin sichtbar werden. Die Lernenden können erkennen, dass die Evangelien keine vollständig identischen Berichte liefern, sondern die Osterbotschaft jeweils aus einer bestimmten Perspektive darstellen. Dadurch wird die Fähigkeit gefördert, biblische Texte in ihrer literarischen Eigenständigkeit wahrzunehmen und unterschiedliche theologische Akzentsetzungen zu verstehen.

Auch die Bedeutung von Ostern für das gegenwärtige christliche Leben kann anhand des Mediums vertieft werden. Der Artikel betont, dass die Osterbotschaft nicht lediglich als Erinnerung an ein vergangenes Ereignis verstanden werden soll, sondern auf die Gestaltung des gegenwärtigen Lebens ausgerichtet ist. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung die Vorstellung eines Neubeginns für Menschen besitzt und wie sich Hoffnung angesichts von Scheitern, Verlust oder schwierigen Lebenssituationen ausdrücken kann. Dabei sollte deutlich werden, dass christliche Hoffnung nicht mit der Erwartung gleichgesetzt werden darf, dass sich alle Probleme unmittelbar lösen oder leidvolle Erfahrungen ungeschehen machen lassen. Vielmehr kann die Osterbotschaft als religiöse Perspektive verstanden werden, die Menschen dazu ermutigt, trotz bestehender Schwierigkeiten neue Handlungsmöglichkeiten wahrzunehmen und Verantwortung für das eigene Leben und das Zusammenleben mit anderen zu übernehmen.

Ein handlungsorientierter Zugang kann durch die Gestaltung einer Unterrichtsausstellung zum Thema „Ostern beginnt im Alltag“ entstehen. Die Lernenden können ausgewählte Motive des Markusschlusses aufgreifen und mit gegenwärtigen Erfahrungen von Hoffnung, Neuanfang und Verantwortung verbinden. Dabei können beispielsweise der weggewälzte Stein als Symbol überwundener Hindernisse, der Sonnenaufgang als Zeichen eines Neubeginns oder der Weg nach Galiläa als Bild für die Rückkehr in den Alltag gestaltet werden. Die Ergebnisse können durch kurze erläuternde Texte ergänzt werden, in denen die Lernenden die biblischen Grundlagen und ihre eigene Interpretation darstellen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Gestaltung eines Podcasts, in dem die Lernenden die Frage diskutieren, weshalb das Markusevangelium offen endet und welche Bedeutung diese Schlussgestaltung für heutige Menschen besitzen könnte.

Für die Ergebnissicherung bieten sich unterschiedliche argumentative Aufgabenformate an. Die Lernenden können einen theologischen Kommentar zur Frage „Warum endet das Markusevangelium mit Angst und Schweigen?“ verfassen oder die Aussage beurteilen, dass das offene Ende des Evangeliums kein Mangel, sondern ein bewusster theologischer Auftrag sei. Ebenso kann ein Vergleich zwischen dem ursprünglichen Markusschluss und den späteren Ergänzungen erstellt werden, in dem die unterschiedlichen Wirkungen der Schlussfassungen herausgearbeitet werden. Leistungsstärkere Lernende können einen argumentativen Essay zur Frage verfassen, ob das offene Ende des Markusevangeliums die Lesenden stärker zur persönlichen Auseinandersetzung mit der Osterbotschaft herausfordert als eine ausführliche Erscheinungserzählung. Eine weitere Aufgabe könnte darin bestehen, die These des Autors zu überprüfen, dass das Markusevangelium nicht einfach mit einer Erinnerung an Jesus abschließt, sondern auf eine Fortsetzung der Nachfolge im Leben der Lesenden ausgerichtet ist.

Aufgrund der wissenschaftlichen Argumentation und der zahlreichen exegetischen Fachbegriffe empfiehlt sich eine sorgfältige didaktische Reduktion und Differenzierung. Zentrale Begriffe wie Textkritik, Handschriftenüberlieferung, Auferweckung, Auferstehung, Passivum divinum, Kreuzestheologie, Nachfolge und Evangelium sollten vor oder während der Textarbeit erläutert werden. Für jüngere Lerngruppen können ausgewählte Textabschnitte gekürzt und durch Leitfragen, Schaubilder oder bildliche Darstellungen erschlossen werden. Leistungsstärkere Lernende können ergänzend die unterschiedlichen Schlussfassungen des Markusevangeliums vergleichen und die textkritischen Argumente des Autors eigenständig prüfen. Besonders sinnvoll ist eine Verbindung mit dem Deutschunterricht, da die Analyse offener Erzählenden, literarischer Spannung und erzählerischer Perspektiven zusätzliche Zugänge zum Verständnis des biblischen Textes eröffnet. Auch eine Zusammenarbeit mit den Fächern Geschichte und Ethik bietet sich an. Insgesamt fördert das Medium die biblische Deutungskompetenz, die historische Urteilskompetenz, die religiöse Sprachfähigkeit, die ethische Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit, zentrale Aussagen des christlichen Glaubens auf ihre Bedeutung für das eigene Leben und die Gesellschaft hin zu befragen. Es verdeutlicht, dass Ostern im Markusevangelium nicht als abgeschlossene Geschichte erscheint, sondern als Beginn einer neuen Perspektive auf das Leben, die sich in Hoffnung, Verantwortung und gelebter Nachfolge entfalten kann.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q1 Jesus Christus – das menschgewordene Wort Gottes

Q1.2 Die Auferstehung Jesu: Hoffnung über den Tod hinaus.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 1. Botschaft und Anspruch Jesu und das Selbstverständnis der frühen Kirche.

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