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Eulenfisch

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Lückenfüller & Lückenbüßer – Diakone im Zivilberuf

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel „Lückenfüller & Lückenbüßer – Diakone im Zivilberuf“ von Norbert Hark ist nach dem vorliegenden Auszug nicht in ru heute, sondern in Eulenfisch erschienen. Der sichtbare Umfang beträgt sieben Seiten, nämlich S. 41 bis 47.

Der Artikel untersucht, wie Ständige Diakone im Zivilberuf ihr eigenes Amt verstehen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sie ein eigenständiges diakonales Profil haben oder ob sie vor allem Aufgaben übernehmen, weil Priester und andere Seelsorgende fehlen. Theologisch behandelt der Beitrag vor allem die Probleme der Bestimmung des Propriums des Diakonats, des Verhältnisses von Diakonat und Priestertum, der pastoralen Identität des Diakons sowie der Frage, ob Diakone aus einem Mangel heraus nur Ersatz sind oder einen eigenen kirchlichen Dienst verwirklichen.

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Der Artikel geht von der Beobachtung aus, dass seit der Wiedererrichtung des Ständigen Diakonats durch das Zweite Vatikanische Konzil viel über das theologische Eigenprofil dieses Amtes gesprochen wurde, es aber nur wenige empirische Untersuchungen darüber gibt, wie Diakone selbst ihr Amt verstehen. Genau hier setzt das Projekt Pro Diakonia an. Zwischen 2015 und 2019 wurden Ständige Diakone im Zivilberuf in allen deutschsprachigen Diözesen befragt. Die Aussagen wurden mit der Methode der Grounded Theory ausgewertet, um aus den Interviews typische Muster und ein tragfähiges Deutungsmodell zu gewinnen.

Ein zentrales Ergebnis lautet, dass Diakone im Zivilberuf in der kirchlichen Praxis häufig dort tätig werden, wo andere Seelsorgende nicht präsent sind oder fehlen. Dafür taucht in den Interviews besonders häufig das Bild des Lückenbüßers auf. Gemeint ist damit, dass Diakone Aufgaben übernehmen, die eigentlich bei Priestern oder anderen pastoralen Mitarbeitenden liegen, weil diese nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. Zugleich empfinden viele Diakone diese Beschreibung als problematisch, weil sie ihr Amt dadurch auf eine bloße Ersatzfunktion reduziert sehen.

Die Interviewpartner betonen immer wieder, dass sie keine Hilfspriester oder Ersatzpriester sein wollen. Sie wünschen sich ein klares eigenes Profil des Diakonats. Dennoch zeigt sich in ihren Aussagen eine deutliche Ambivalenz. Einerseits lehnen sie die Reduktion auf priesterähnliche Ersatzdienste ab, andererseits sind sie bereit, in konkreten Notsituationen Taufen, Beerdigungen, Wortgottesfeiern oder andere pastorale Aufgaben zu übernehmen, wenn sonst niemand da ist. Gerade der Priestermangel übt einen starken Druck aus und prägt damit das Selbstverständnis vieler Diakone. Sie wollen nicht als defizitäre Priester wahrgenommen werden, sehen sich aber oft genau in solche Rollen gedrängt.

Der Autor zeigt jedoch, dass die Lage komplexer ist. Die pastorale Lücke entsteht nicht nur durch den Mangel an Priestern. Vielmehr wirken verschiedene Ebenen zusammen. Auf der kirchlichen Ebene gibt es Erwartungen aus der Pfarrei, aus der amtlichen Kirche, von theologischen Leitbildern und von anderen Seelsorgenden. Diese Erwartungen definieren, wo ein Diakon gebraucht wird und welche amtlichen Kompetenzen von ihm erwartet werden. Wo Priester fehlen oder andere Seelsorgende überlastet sind, entsteht eine Leerstelle, die der Diakon füllen kann oder soll.

Eine zweite Ebene betrifft die Bedürfnisse der Menschen. Hier zeigt sich ein anderer Blick auf dieselbe Situation. Für die Betroffenen ist keine kirchliche Lücke entscheidend, sondern ein konkreter Bedarf. Menschen wünschen Begleitung in Krisen, liturgische Feiern, geistliche Unterstützung, Hilfe bei Krankheit, Sterben, Trauer oder biografischen Übergängen. In dieser Perspektive handeln Diakone nicht als Ersatz für andere, sondern als kirchliche Ansprechpartner, die auf reale menschliche Bedürfnisse reagieren. Der Autor deutet dies als eine positive Wendung. Dann sind Diakone nicht Lückenbüßer, sondern Lückenfüller.

Eine dritte Ebene betrifft die Diakone selbst. Ihre Motivation speist sich aus dem Auftrag Jesu, aus einem starken Drang zu handeln, aus dem Wunsch nach Selbstwirksamkeit und aus persönlichen Kompetenzen. Manche erleben den Diakonat auch als Antwort auf frühere biografische Wünsche oder ungelöste Berufungsvorstellungen. Deshalb entstehen Lücken nicht nur von außen, sondern werden auch von den Diakonen selbst wahrgenommen, gesucht oder mitgestaltet. Sie finden in solchen Situationen einen Raum, in dem sie sinnvoll handeln und ihre Berufung konkret leben können.

Der Artikel arbeitet daher heraus, dass der Begriff Lückenbüßer zu eng und zu negativ ist. Er beschreibt zwar eine reale Erfahrung vieler Diakone im kirchlichen Alltag, verfehlt aber das Ganze. Die Diakone handeln nicht nur fremdbestimmt, sondern verfolgen auch eigene pastorale und spirituelle Motive. Sie reagieren auf konkrete menschliche Bedürfnisse und bringen ihre Charismen ein. Dadurch wird aus einer bloßen Mangelsituation ein Ort verantwortlichen Handelns.

Am Ende plädiert der Autor dafür, das Selbstkonzept des Ständigen Diakonats nicht ausschließlich vom Priestermangel her zu bestimmen. Zwar bleibt dieser ein wichtiger Einflussfaktor, aber er erklärt das Amt nicht vollständig. Zukunftsfähig wird der Diakonat dort, wo er als eigenständiger, charismenorientierter und situationsbezogener Dienst verstanden wird. Diakone sind dann nicht in erster Linie Ersatz für Priester, sondern eigenständige kirchliche Akteure, die auf pastorale, mitmenschliche und auch persönliche Handlungsräume antworten. So gewinnt der Diakonat ein positives Profil, das sich am Bedarf der Menschen, am Auftrag des Evangeliums und an den konkreten Fähigkeiten der Diakone orientiert.

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