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Eulenfisch

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Maligne Berufungsgeschichten

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel „Maligne Berufungsgeschichten“ von Susanne Nordhofen ist nach dem vorliegenden Auszug im Heft Eulenfisch enthalten und umfasst S. 89 bis 96, also 8 Seiten. Der Artikel untersucht, was eine echte religiöse Berufung von einer malignen Berufung unterscheidet. Dabei zeigt er, dass Berufung theologisch nur dann tragfähig ist, wenn sie nicht auf Projektion, Machtstreben, Manipulation oder Realitätsflucht beruht. Behandelt werden vor allem die theologischen Probleme der Unterscheidung der Geister, das Verhältnis von Gottesruf und menschlicher Einbildung, die Frage nach wahren und falschen Propheten, das Spannungsverhältnis von Glaube und Vernunft sowie die Abgrenzung christlicher Berufung gegenüber Esoterik, Guru Bewegungen und Verschwörungserzählungen.

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Der Artikel fragt danach, was unter Berufung zu verstehen ist und woran man erkennt, ob eine Berufung echt oder krankhaft entstellt ist. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass religiöse Berufungen heute oft rätselhaft erscheinen. Es bleibt für Außenstehende schwer zu beurteilen, ob ein Mensch tatsächlich einen Ruf Gottes erfährt oder ob innere Wünsche, unbewusste Motive und Projektionen am Werk sind. Die Autorin betont, dass eine geistliche Berufung nicht nur auf Gefühle oder starke innere Eindrücke gegründet werden darf. Sie muss sich vielmehr auch vor dem kritischen Verstand bewähren, damit sie ein Leben lang tragen kann. Eine echte Berufung dient Gott und den Menschen, während eine maligne Berufung aus pathologischen Verformungen, Machtwillen, Manipulation oder Realitätsflucht entstehen kann.

Anschließend betrachtet der Artikel biblische Berufungsgeschichten. Im Alten Testament berufen sich Propheten nicht selbst, sondern werden von Gott gerufen. Typisch ist, dass sie sich dem Ruf zunächst widersetzen, weil sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlen. Gerade diese Zurückhaltung gilt als Zeichen von Glaubwürdigkeit, weil nicht die Person im Mittelpunkt steht, sondern Gott, der durch sie spricht. Propheten werden als Werkzeuge göttlicher Rede verstanden. Zugleich kennt schon die Bibel die Gefahr falscher Propheten. Diese geben vor, im Namen Gottes zu sprechen, verfolgen aber in Wahrheit eigene Interessen und verfälschen den Monotheismus. Deshalb gehört die Prüfung prophetischer Ansprüche von Anfang an zur biblischen Tradition.

Im nächsten Schritt erweitert die Autorin den Blick auf antike Wahrsagekunst und prophetische Rollenbilder. Sie zeigt, dass Seherinnen und Seher in der Antike als Spezialisten auftraten, die mit bestimmten Techniken Zukunftsaussagen machten. Im Unterschied zu biblischen Propheten beruhte ihre Autorität stärker auf Kunstfertigkeit, Deutungstechnik und gesellschaftlicher Anerkennung. Schon in antiken Texten zeigt sich jedoch Misstrauen gegenüber solchen Wahrheitsansprüchen, weil Weissagung manipulierbar sein kann und sich leicht gegen Kritik absichert.

Ein zentrales Beispiel für eine maligne Berufung ist für die Autorin Emanuel Swedenborg. Anhand von Kants Schrift über einen Geisterseher wird gezeigt, dass Swedenborg behauptete, zwischen materieller und immaterieller Welt verkehren zu können. Kant kritisiert dies sowohl psychologisch als auch erkenntnistheoretisch. Psychologisch sieht er eine Übersteigerung innerer Bilder und Einbildungen. Erkenntnistheoretisch macht er deutlich, dass menschliche Erkenntnis an Raum, Zeit und Kausalität gebunden ist und daher keine sichere Kenntnis einer Geisterwelt beanspruchen kann. Swedenborg erscheint dadurch als Prototyp einer Selbstberufung, in der persönliche Einbildung und metaphysischer Anspruch verwechselt werden.

Von dort aus zeichnet der Artikel eine Linie zu modernen Weisheitslehrern, Okkultisten und esoterischen Bewegungen seit dem 19. Jahrhundert. In Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit entstehen vermehrt Heilslehren, die naturwissenschaftliche Begriffe mit pseudoreligiösen Deutungen verbinden. Genannt werden unter anderem Hanns Hörbiger, Rudolf Steiner und Peter Bender. Gemeinsam ist diesen Figuren, dass sie aus Einzelbeobachtungen und intuitiven Eingebungen geschlossene Weltbilder entwickeln, die alles erklären sollen. Dabei werden Kategorien vermischt, wissenschaftliche Sprache wird missbraucht und die eigene Person wird zur Quelle besonderer Wahrheit erhoben. Anders als die biblischen Propheten treten diese Gestalten nicht hinter ihre Botschaft zurück, sondern suchen öffentliche Anerkennung und geistige Führerschaft.

Besonders ausführlich geht der Artikel auf Peter Bender ein, dessen Lebensgeschichte auch im Roman von Clemens Setz verarbeitet wird. Bender vertrat die Theorie der Hohlerde und stilisierte sich zugleich zum religiösen Führer einer eigenen Gemeinschaft. Die Autorin beschreibt ihn als narzisstische und überreizte Persönlichkeit, die immer stärker den Kontakt zur Wirklichkeit verliert. Seine Deutungen werden immer umfassender, sein Geltungsanspruch immer größer und sein Widerstand gegen Einwände immer massiver. Gerade diese Immunität gegen Kritik gilt im Artikel als ein wichtiges Kennzeichen maligner Berufung. Der Berufene erklärt sich selbst zum verkannten Genie, deutet Widerspruch als Bestätigung seiner Sendung und entwickelt autoritäre Muster.

Im weiteren Verlauf überträgt der Artikel diese Beobachtungen auf das 20. und 21. Jahrhundert. Mit dem Begriff der neomythischen Vernunft beschreibt er neue Mischformen aus Technik, Naturwissenschaft, Science Fiction und Religiosität. Genannt werden Bewegungen und Erzählungen, in denen Computertechnologie, Außerirdische, geheime Mächte oder kosmische Evolutionsideen religiös aufgeladen werden. In aktuellen Verschwörungstheorien wie QAnon zeigt sich laut Autorin dieselbe Struktur. Ein persönlicher Guru ist nicht mehr unbedingt nötig, weil digitale Netzwerke eine Art kollektive Selbstbestätigung erzeugen. In dieser Schwarmlogik fühlen sich alle Eingeweihten berufen und auserwählt.

Zum Schluss bündelt der Artikel die Merkmale maligner Theorien. Sie bilden geschlossene Systeme mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Sie behaupten geheimes Wissen, knüpfen Wahrheit an die Person des Berufenen, dulden kaum Widerspruch und sind gegen Falsifikation immun. Sie übernehmen einzelne christliche Motive, lösen sie aber aus ihrem theologischen Zusammenhang. An die Stelle des biblischen Gottes tritt eine unpersönliche kosmische Macht oder planetarische Vernunft. Erlösung, Schuld, Auferstehung und Gericht werden neu gedeutet, ohne dass die christliche Hoffnung erhalten bleibt. Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass die Grauzone maligner Berufungen nie vollständig aufgelöst werden kann, aber durch kritische Prüfung, theologische Unterscheidung und vernünftige Reflexion deutlich eingrenzbar ist.

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