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Erzbistum Köln

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Tod und ewiges Leben

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel von Thomas Schärtl ist in dem Heft "impulse" unter dem Titel: „Tod und ewiges Leben“ mit vier Seiten enthalten.

Der Artikel entfaltet eine theologische und philosophische Deutung von Tod, Ewigkeit und Auferstehung. Er warnt vor einer zu starken Fixierung auf das individuelle Jenseitsschicksal und betont stattdessen auch die kosmische Dimension der Eschatologie. Behandelt werden vor allem diese theologischen Probleme: das Verhältnis von Zeit und Ewigkeit, die Frage nach der Vollendung von Mensch und Welt, die Bedeutung von Hoffnung, die Möglichkeit eines Überlebens des Todes, das Verhältnis von Leib, Geist und Identität sowie die Frage, ob und in welchem Sinn ewiges Leben sinnvoll erhofft werden kann.

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Der Artikel entwickelt Grundlinien einer christlichen Eschatologie, also einer theologischen Lehre von Tod, Auferstehung, Vollendung und ewigem Leben. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass neuere eschatologische Entwürfe seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil stärker von Hoffnung als von vermeintlichem Wissen ausgehen. Dadurch wird vermieden, das Jenseits wie einen fest beschreibbaren Bereich zu behandeln. Hoffnung erscheint als ein vernünftiges Wagnis, weil sie auf eine Wirklichkeit setzt, die sich nicht beweisen lässt, die aber für das menschliche Leben von höchster Bedeutung ist.

Schärtl kritisiert zwei Fehlformen eschatologischen Denkens. Zum einen wendet er sich gegen eine individualistische und anthropozentrische Verengung. Es sei problematisch, das ewige Leben als bloße Fortsetzung oder Verbesserung der irdischen Biographie zu verstehen. Der Himmel dürfe nicht als Ort gedacht werden, an dem einfach alles nachgeholt werde, was im irdischen Leben unvollendet geblieben ist. Sonst werde der frühe Tod nur als biographische Benachteiligung verstanden, die Gott später ausgleichen müsse. Damit werde übersehen, dass der Tod einen wirklichen Bruch darstellt und dass zwischen Zeit und Ewigkeit ein tiefer Unterschied besteht.

Zum anderen kritisiert der Autor eine Deutung der Eschatologie als bloße religiöse Chiffre für soziale oder ökologische Utopien. Zwar dürften christliche Hoffnungen Anliegen von Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aufnehmen, sie gingen aber darüber hinaus. Eschatologie dürfe nicht auf innerweltliche Zukunftsentwürfe reduziert werden. Die biblische Tradition zeige vielmehr, dass das Eschatologische vor allem mit Gott selbst verbunden ist. Es bezeichnet einen Möglichkeitsraum, den nur Gott eröffnen kann. Daraus ergibt sich auch, dass die Frage nach dem Schicksal des Kosmos eigenständig bedacht werden muss und nicht einfach in der Frage nach dem Schicksal einzelner Menschen aufgeht.

Im zweiten Schritt fragt der Artikel nach Leitperspektiven für ein systematisches Nachdenken über Ewigkeit, Welt, Mensch und Vollendung. Die biblischen Schriften bieten viele Bilder und Motive, etwa die Rückkehr ins Gelobte Land, die Wiederherstellung eines Königtums, die Entrückung großer Gestalten oder eine radikale Verwandlung der Welt. Diese Vorstellungen lassen sich nicht ohne weiteres zu einem einheitlichen Bild zusammenfügen. Deshalb schlägt Schärtl vor, nach theologischen Grundbegriffen zu suchen, die Orientierung geben.

Ein erster solcher Leitbegriff ist die Vorstellung, dass die Welt als Leib Gottes gedacht werden kann. Damit wird betont, dass die ganze Schöpfung in Beziehung zu Gott steht und von Gott durchformt wird. Diese Sicht hilft, die individuelle Hoffnung mit der Hoffnung für den ganzen Kosmos zu verbinden. Menschen sind dann nicht isolierte Einzelwesen, sondern Teil eines größeren Ganzen. Ihre Vollendung lässt sich nicht unabhängig von der Vollendung der Welt denken.

Eine zweite Leitperspektive ist ein starker Begriff des Geistes. Der Geist wird als Wirklichkeit verstanden, die Materie prägen und formen kann. So lässt sich das Verhältnis von Gott und Welt ebenso wie das Verhältnis von Geist und Leib tiefer denken. Der Geist eröffnet auch die Möglichkeit, Transformation zu verstehen. Dadurch kann theologisch gedacht werden, wie vergängliche Wesen in Gottes Ewigkeit geborgen sein könnten, ohne dass ihre Identität einfach ausgelöscht wird.

Im Zentrum des Artikels steht dann ein äternalistischer Ansatz. Dieser geht davon aus, dass Ewigkeit nicht einfach endlos verlängerte Zeit ist. Ewigkeit ist vielmehr eine eigene Seinsweise, in der aus Gottes Perspektive alles in einem vollkommenen Zugleich gegenwärtig ist. Zeitliche Ereignisse bleiben zwar zeitliche Ereignisse, aber sie werden in der Ewigkeit in einer neuen Weise gegenwärtig. Daraus folgt, dass die Vollendung nicht als spätere zweite Lebensgeschichte verstanden werden sollte. Vielmehr wird das gelebte Leben selbst in Gottes Ewigkeit verwandelt.

Schärtl veranschaulicht dies mit der Vorstellung, dass die einzelnen Zustände und Momente eines menschlichen Lebens in der Ewigkeit gleichzeitig gegenwärtig werden. Jeder Augenblick des gelebten Lebens behält Bedeutung. Das irdische Leben wird dadurch stark aufgewertet, denn es liefert das Material, das in der Ewigkeit von Gottes Gegenwart durchleuchtet wird. Gerade deshalb kommt dem gelebten Leben höchstes Gewicht zu. Auch die Vorstellung vom Gericht wird so verständlich: Es geht darum, ob das konkrete Leben so gestaltet ist, dass es für Gottes Ewigkeit offen und verwandelbar ist. Die Hölle erscheint entsprechend als ein Zustand von Verlorenheit und innerer Finsternis, in dem das Leben nicht mehr von Gottes Licht erschlossen wird.

Der Geistbegriff hilft dem Autor auch, die Beziehung des Menschen zu anderen Menschen in der Ewigkeit zu denken. Schon jetzt sind wir in unserem Bewusstsein auf andere bezogen. In der Ewigkeit könnte diese Bezogenheit in einer neuen Intensität erfahrbar werden. Das Eingehen in Gottes Ewigkeit wäre dann auch ein neues Sehen des eigenen Lebens im Horizont des Lebens anderer und in der alles durchdringenden Perspektive Gottes.

Im letzten Teil behandelt der Artikel die Frage, wie Menschen ihren Tod überleben könnten. Dazu unterscheidet Schärtl vier Grundmodelle, die sich aus den Polen Restitution und Transformation sowie Mortalismus und Immortalismus ergeben. Mortalistische Ansätze gehen davon aus, dass der Mensch ganz und gar sterblich ist und nur durch einen neuen schöpferischen Akt Gottes weiterleben kann. Immortalistische Ansätze nehmen an, dass es am Menschen etwas gibt, das der Zerstörung im Tod nicht völlig unterliegt. Restitutionstheorien betonen die Wiederherstellung der menschlichen Konstituenten, etwa von Leib und Seele oder sogar des Körpers. Transformationstheorien heben hervor, dass Auferstehung immer Verwandlung bedeutet und nicht bloße Wiederherstellung des bisherigen Zustandes.

Der Autor zeigt, dass jede dieser Theorien Stärken und Grenzen hat. Besonders wichtig ist ihm die Frage personaler Identität. Er verweist auf philosophische Überlegungen, nach denen Personen nicht vollständig in ihren biologischen oder psychischen Eigenschaften aufgehen. Das Personsein besitzt einen unverfügbaren Kern, der sich nicht restlos beschreiben lässt. Damit ist Unsterblichkeit zwar nicht bewiesen, aber es wird plausibel, dass der Mensch nicht einfach mit seinem vergänglichen Körperbestand identisch ist.

Abschließend fragt Schärtl nach der Sinnhaftigkeit der Hoffnung auf ewiges Leben. Gegen die Auffassung, der Zustand nach dem Tod sei ebenso unproblematisch wie die Zeit vor der Geburt, verteidigt er eine grundlegende Asymmetrie. Vor der Geburt geht es um bloße Möglichkeit, nach dem Tod aber um ein bereits gelebtes, wirkliches Leben mit Beziehungen, Bindungen und offenen Möglichkeiten. Darum erscheint der Tod als brutaler Einschnitt. Gerade von hier aus wird verständlich, warum die Hoffnung auf ewiges Leben sinnvoll ist. Sie ist Ausdruck der Einsicht, dass ein bereits gelebtes Leben nicht einfach ins Nichts fallen soll.

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