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Erzbistum Köln

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Charismatische Kirche

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel ist in dem Heft "impulse" unter dem Titel „Charismatische Kirche. Der Leib Christi Gedanke bei Paulus als Anstoß zum Aufbruch nach innen“ mit vier Seiten enthalten.

Der Artikel zeigt, dass Paulus die Kirche als Leib Christi versteht, in dem alle Getauften durch den Heiligen Geist begabt sind und mit ihren unterschiedlichen Charismen zum Aufbau der Gemeinde beitragen. Gegen jede geistliche Überheblichkeit betont Paulus, dass keine Gabe dem eigenen Prestige dient, sondern immer der Gemeinschaft. Der Text versteht Kirche deshalb als geistlich geeinte, aber vielfältige Gemeinschaft, die von Christus her lebt und sich im gegenseitigen Dienst verwirklicht.

Theologische Probleme des Fachartikels:

Wie ist das Verhältnis von Einheit und Vielfalt in der Kirche zu bestimmen

Wie sind Charismen theologisch zu verstehen

Wie verhalten sich Geist, Taufe und christliche Identität zueinander

Wie ist der Leib Christi Gedanke bei Paulus auszulegen

Wie verhalten sich Amt und Charisma

Woran lässt sich echtes Wirken des Geistes erkennen

Wie wird Kirche innerlich erneuert und geistlich aufgebaut

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Der Artikel setzt bei der Erfahrung an, dass Einheit unter Menschen nicht selbstverständlich ist. Gemeinschaft zerbricht leicht, besonders in einer Zeit, die von Individualismus, Konkurrenz und Auflösung gemeinsamer Bindungen geprägt ist. Vor diesem Hintergrund fragt der Autor, was Kirche im Innersten zusammenhält. Er greift dazu auf den ersten Korintherbrief zurück und zeigt, dass Paulus die Kirche nicht von äußeren Strukturen oder gemeinsamen Interessen her versteht, sondern als geistgewirkte Gemeinschaft, die ihren Ursprung in Christus hat.

Ausgangspunkt ist die konfliktreiche Gemeinde von Korinth. Dort sehen sich einige Christen als besonders geistbegabt und damit als höherstehend an. Paulus widerspricht dieser Haltung. Er vermeidet bewusst den Ausdruck Pneumatiker und spricht stattdessen von Gnadengaben. Damit macht er deutlich, dass keine geistliche Fähigkeit Besitz des Einzelnen ist. Alles bleibt Geschenk Gottes. Jede und jeder Getaufte ist durch den Geist begabt, aber keine Gabe dient der Selbsterhöhung. Charismen sind Gaben für andere und für den Aufbau der Gemeinde.

Paulus entwickelt dafür ein einfaches Kriterium. Entscheidend ist nicht Ekstase, Zungenrede oder besondere religiöse Erfahrung, sondern das Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn. Wer dieses Bekenntnis aus innerer Überzeugung spricht, lebt aus dem Geist Gottes. Damit fallen Christsein und Geistempfang zusammen. Christliche Existenz ist von Anfang an geistlich bestimmt. Der Geist ist also nicht das Vorrecht einer religiösen Elite, sondern Grundbestand jeder christlichen Existenz.

Anschließend ordnet Paulus die Vielfalt der Gaben theologisch ein. Es gibt verschiedene Charismen, Dienste und Kräfte, aber sie stammen alle von demselben Gott. Diese Vielfalt ist kein Mangel, sondern Ausdruck des Reichtums des Geistes. Zugleich sind alle Gaben unverfügbar. Niemand kann sie einfordern oder als persönlichen Besitz verstehen. Gott selbst teilt sie zu. Deshalb darf keine Rangordnung der Begabungen entstehen. Weisheit, Prophetie, Hilfeleistungen oder Leitung sind nicht nach höher oder niedriger zu bewerten, sondern nach ihrem Dienst für die Gemeinde.

Im Mittelpunkt des Artikels steht dann die Auslegung des paulinischen Bildes vom Leib Christi. Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Organismus, in dem viele Glieder aufeinander angewiesen sind. Dieses Bild übernimmt er zwar aus seiner Umwelt, aber er verändert es grundlegend. Anders als in politischen Modellen der Antike, in denen das Ganze der Stabilisierung gesellschaftlicher Hierarchien diente, entwirft Paulus ein Gemeinwesen, das von gegenseitiger Anerkennung, Fürsorge und Gleichwertigkeit lebt. Nicht ein zentrales Organ herrscht über die anderen, sondern Christus selbst ist der tragende Grund der Einheit. Deshalb kann kein Glied entbehrlich sein und keines darf sich über die anderen erheben.

Der Artikel betont, dass dieses Leib Christi Sein von der Taufe her verstanden werden muss. In der Taufe werden Menschen in Christus eingegliedert und mit seinem Geist erfüllt. Dadurch entsteht eine neue Gemeinschaft, die soziale und kulturelle Unterschiede übersteigt. Christliche Identität ist daher niemals nur individuell. Ein Mensch ist nicht für sich allein Christ, sondern immer gemeinsam mit anderen und für andere. Das In Christus Sein verwirklicht sich als Leben in der Gemeinde.

Von dort aus erklärt der Autor auch die paulinischen Charismenlisten. Diese sind keine Wunschkataloge für besonders spektakuläre Fähigkeiten. Paulus nennt gerade auch unscheinbare und alltägliche Dienste wie Hilfeleistungen oder Leitung. Dadurch wird deutlich, dass auch scheinbar geringe Aufgaben geistlich bedeutsam sind. Ebenso zeigt sich, dass Amt und Charisma bei Paulus nicht gegeneinander stehen. Ämter beruhen ebenfalls auf Gaben des Geistes und sind auf den Aufbau der Gemeinde ausgerichtet.

Der Übergang zum Hohelied der Liebe macht klar, woran jede Geistesgabe letztlich gemessen wird. Selbst außergewöhnliche Begabungen sind wertlos, wenn sie nicht von Liebe getragen sind. Damit wird die Liebe zum Maßstab aller geistlichen Praxis. Die Charismen sind Ausdruck der Liebe Gottes und sollen diese Liebe im Leben der Gemeinde sichtbar machen.

Im weiteren Verlauf macht der Artikel deutlich, dass der Leib Christi Gedanke nicht zuerst christologisch, sondern ekklesiologisch entfaltet wird. Es geht Paulus darum, christliche Existenz als gemeinschaftliche Wirklichkeit zu beschreiben. Die Kirche lebt nicht aus sich selbst, sondern aus Gottes Wort und Geist. Sie kann ihre Lebendigkeit nicht technisch herstellen. Wenn Charismen fehlen oder ungenutzt bleiben, dann ist das nicht nur ein Organisationsproblem, sondern ein geistliches Signal. Es fordert zur Prüfung heraus, ob die Gemeinde noch aus den richtigen Quellen lebt und ob sie den Gaben ihrer Mitglieder überhaupt Raum gibt.

Der Autor zieht daraus Konsequenzen für die Gegenwart der Kirche. Viele Begabungen bleiben unentdeckt, weil in Gemeinden oft zu wenig Raum für geistlichen Austausch, Gebet und Förderung vorhanden ist. Gerade spirituell wache Menschen finden mitunter keinen Platz. Deshalb müsse Gemeindeleitung vor allem dazu dienen, Charismen zu entdecken, zu fördern und auf das Ganze der Gemeinde zu beziehen. Eine lebendige Kirche wäre nicht vom Pfarrer allein geprägt, sondern vom Zusammenwirken vieler verschiedener Gaben.

Zugleich warnt der Artikel vor einer einseitigen Fixierung auf die Ämterfrage. Wer fast nur über Ämter spricht, unterschätzt andere Charismen. Für Paulus ist jede und jeder Getaufte geistbegabt und deshalb für das Leben der Kirche wichtig. Passive Mitgliedschaft ist in diesem Verständnis nicht vorgesehen. Alle sind zum Dienst aneinander berufen.

Am Ende steht deshalb die Forderung nach einem Aufbruch nach innen. Bevor die Kirche nach außen neu aufbrechen könne, müsse sie ihre innere Haltung erneuern. Sie brauche mehr geistliche Aufmerksamkeit, mehr Wertschätzung für die Gaben aller und mehr Bereitschaft zum gegenseitigen Dienst. So versteht der Artikel die paulinische Lehre von Charisma und Leib Christi als Anstoß zu einer Kirche, die innerlich gesammelt, geistlich wach und gemeinschaftlich tragfähig wird.

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